Hahn Willi und Sibylle Radtke: Außergewöhnliches WG-Leben in Bad Oldesloe
Hahn Willi und Sibylle Radtke: Ein WG-Leben der besonderen Art

Sibylle Radtke aus Bad Oldesloe und ihr Hahn Willi sind ein unzertrennliches Duo. Seit einem Jahr teilen sie sich Küche, Wohnzimmer und Garten. Wo Radtke auftaucht, ist Willi meist auch dabei – ob beim Bäcker oder bei Musikpausen. Die beiden sind längst gewohnt, dass Menschen mit großen Augen und gedrehten Köpfen stehen bleiben. Unter dem Motto „Hund ist out, man hat jetzt Hahn“ nimmt Radtke ihren Hahn überall mit hin und sorgt fast immer für Gesprächsstoff.

Vom Zufallsfund zur engen Bindung

Die Geschichte begann mit einem Zufall. Radtke fand den zwei Tage alten Willi unter einer toten Glucke. Sie stand vor der Entscheidung, ihn sterben zu lassen, zu erlösen oder aufzuziehen – sie entschied sich für das Letztere. Seitdem ist sie zu seiner Glucke geworden. Anfangs war sie unentbehrlich für ihn. „So habe ich mir das auch nicht vorgestellt“, teilt Radtke mit. Das Großziehen sei meditativ gewesen: „Nur sitzen, sich nicht bewegen und ein paar Fliegen fangen, damit er überlebt.“

Aus Wilma wurde Willi

Als der Hahn nach einigen Wochen zu krähen anfing, taufte Radtke ihn von Wilma auf Willi um. Inzwischen hat sich sein Zweitname „Gocki“ im Alltag etabliert. Von dem schwierigen Start ins Leben merkt man nichts mehr. Heute läuft Willi allen neuen Menschen hinterher, die er fälschlicherweise für Hennen hält. Oft musste Radtke den Hahn einfangen und sich für seine Neugier entschuldigen.

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Ein Tag im Leben von Willi und Radtke

Anfangs schrie Willi unermüdlich nach seiner neuen Glucke. „Das ging gar nicht; er musste überall mit hin.“ Inzwischen gestaltet sich der Tag entspannter. Seit Sommerbeginn weckt Willi Radtke vor fünf Uhr morgens mit seinem Hahnenschrei. Abends führt sie ihn zu seinem Schlafplatz. Tagsüber stimmen sie Töne am Klavier an oder teilen sich den Stuhl, wenn Radtke in ihr Horn bläst. Aufmerksam horcht Willi den Klängen und kuschelt sich an sie. Diese Augenblicke genießt sie am meisten. Der sonst umtriebige weiße Hahn findet zur Abwechslung Ruhe.

Füttern ist ein großer Bestandteil des Tages. Statt öden Hühnerfutters genießt Willi Käsewürfel, Melone oder was ihm sonst in den Schnabel fällt. An besonderen Tagen darf er ins Croissant picken, wenn die beiden einen Ausflug in die Innenstadt von Bad Oldesloe machen. „Das ist ungewöhnlich, so etwas habe ich noch nie gesehen“, sagt eine Passantin beim Vorbeigehen.

Bindung statt Dressur

„Natürlich schränkt mich der Hahn im Alltag ein“, sagt Radtke. Als er klein war, musste er im Auto auf sie warten, während sie Orchesterprobe hatte. Danach versuchte Willi oft, auf ihren Schoß zu klettern, weil er sie so vermisst habe. Es sei ihr größter Wunsch, jemanden zu haben, der ihn für einen Tag übernimmt. Inzwischen könne er fremdbetreut werden und verhalte sich friedlich gegenüber Hunden. Auf die Frage, warum der Hahn so gut auf sie höre, antwortet Radtke: „Das nennt sich Bindung.“

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