EU-Kommission startet Kampf gegen Cybermobbing: App, KI-Risiken und neue Leitlinien
EU-Kampf gegen Cybermobbing: App, KI-Risiken, Leitlinien

EU-Kommission startet umfassenden Kampf gegen Cybermobbing im Internet

Die Europäische Kommission hat einen ehrgeizigen Aktionsplan gegen Cybermobbing vorgestellt, der Opfer in Deutschland und allen Mitgliedsländern der Union künftig besser schützen soll. Im Zentrum der Initiative steht eine spezielle App, die besonders Kindern und Jugendlichen helfen soll, Vorfälle zu melden, Beweise zu sichern und Zugang zu Hilfsangeboten zu erhalten.

Neue App nach französischem Vorbild als zentrales Instrument

Als Vorbild für die geplante EU-App dient die bereits erfolgreich eingesetzte französische Anwendung „3018“. Die Europäische Kommission will diese Vorlage allen Mitgliedsländern zur Verfügung stellen, wo sie dann an nationale Gegebenheiten angepasst werden kann. Die App soll anschließend auch auf großen Online-Plattformen verfügbar sein und den Meldevorgang deutlich vereinfachen.

„Es muss einfacher sein, zu melden, als Menschen online zu mobben“, betonte der für Kinder und Jugend zuständige EU-Kommissar Glenn Micallef bei der Vorstellung des Plans. Die App soll eine niedrigschwellige Anlaufstelle für Betroffene werden und die Beweissicherung erleichtern.

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Künstliche Intelligenz als neue Herausforderung im Cybermobbing

Besondere Aufmerksamkeit widmet der Aktionsplan der wachsenden Rolle von Künstlicher Intelligenz (KI) bei Cybermobbing. Die Technologie ermöglicht neue Formen der Belästigung, insbesondere sogenannte sexualisierte Deepfakes von Mädchen und Frauen. Diese mit KI erstellten Videos, Bilder oder Audio-Dateien wirken täuschend echt, sind aber manipuliert.

Das europäische KI-Gesetz soll im dritten Quartal 2026 solche Praktiken gezielter verbieten und rechtliche Lücken schließen. Die EU-Kommission betont, dass KI nicht nur als Werkzeug für Cybermobbing, sondern auch als Risikofaktor für besonders vulnerable Gruppen dient.

Prävention und aktualisierte Leitlinien für Lehrkräfte

Neben reaktiven Maßnahmen setzt die EU-Kommission verstärkt auf Prävention. Noch in diesem Jahr plant sie, aktualisierte Leitlinien für Lehrkräfte vorzulegen, die Cybermobbing explizit in die Medienbildung einbeziehen. Diese Richtlinien sollen Pädagogen dabei unterstützen, frühzeitig Anzeichen von Online-Mobbing zu erkennen und angemessen zu reagieren.

Statistiken der EU-Kommission zeigen die Dringlichkeit des Themas: Rund jedes sechste Kind zwischen 11 und 15 Jahren in Europa berichtet, Opfer von Cybermobbing geworden zu sein. Besonders gefährdet sind Mädchen und junge Frauen, Kinder aus einkommensschwachen Haushalten sowie Angehörige von Minderheiten.

Digital Services Act als rechtlicher Rahmen und laufende Verfahren

Kern des Rechtsrahmens gegen Hass und Hetze im Netz bleibt der Digital Services Act (DSA), der Plattformen zur sicheren Gestaltung ihrer Dienste für Minderjährige verpflichtet. Die EU-Kommission will diese Regeln noch im laufenden Jahr überarbeiten, um Opfer von Online-Mobbing besser zu schützen.

Auf Grundlage des DSA laufen bereits Verfahren wegen mutmaßlich mangelnden Kinder- und Jugendschutzes gegen große Tech-Konzerne. Betroffen sind unter anderem der Facebook- und Instagram-Konzern Meta sowie Betreiber mehrerer Pornoseiten. Die europäischen Digitalregeln hatten zuletzt immer wieder zu diplomatischen Spannungen mit den USA geführt.

Der umfassende Aktionsplan der EU-Kommission kombiniert somit technologische Lösungen, präventive Bildungsmaßnahmen und verschärfte rechtliche Rahmenbedingungen, um dem wachsenden Problem des Cybermobbings effektiv zu begegnen.

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