Die Sozialwissenschaftlerin Naika Foroutan hat ihre Einschätzung bekräftigt, dass sich Deutschland in einer präfaschistischen Phase befinde. In einem Interview mit dem Tagesspiegel warnte sie vor einer Normalisierung extremistischer Positionen und einer zunehmenden Akzeptanz autoritärer Lösungen.
Präfaschistische Phase: Eine Warnung vor dem Kipppunkt
Bereits vor acht Jahren hatte Foroutan den Begriff „präfaschistisch“ verwendet, um eine gesellschaftliche Entwicklung zu beschreiben, die demokratische Institutionen schwächt. Damals wie heute betont sie, dass es sich um eine Phase handle, in der sich Normen verschieben, extremistische Positionen salonfähig werden und das Vertrauen in die Demokratie schwindet. Auf die Frage, ob ihre Diagnose angesichts der fortbestehenden Demokratie falsch gewesen sei, antwortete sie klar: „Nein.“
Verschärfung der Tendenzen
Foroutan sieht die Lage heute sogar verschärft. Die Debatten seien rauer geworden, Angriffe auf demokratische Einrichtungen hätten zugenommen. Autoritäre Positionen fänden deutlich mehr Zustimmung als noch vor Jahren. Als Beispiel nannte sie die AfD. Obwohl die Einstufung der Partei als „gesichert rechtsextrem“ auf Bundesebene gerichtlich umstritten sei, sei sie für fünf Landesverbände zulässig. Die AfD habe es geschafft, ihre Positionen in den gesellschaftlichen Mainstream zu tragen. „Wir erleben eine autoritäre Verschiebung“, so die Wissenschaftlerin.
Erschreckende Entwicklungen in Sachsen-Anhalt
Besonders besorgt zeigte sich Foroutan über die Lage in Sachsen-Anhalt. Dort seien die Warnzeichen besonders deutlich. Sie verwies auf die zunehmende Akzeptanz rechtsextremer Rhetorik und die Schwächung demokratischer Strukturen. „Es fehlt nur noch der Arierausweis“, sagte sie mit Blick auf die Radikalisierung in Teilen der Gesellschaft.
Übersehene Warnzeichen
Foroutan kritisierte, dass viele Warnzeichen immer noch übersehen würden. Dazu zählten die steigende Gewalt gegen Politiker und Migranten, die Verrohung der politischen Sprache und die Erosion des Vertrauens in Medien und Justiz. Sie appellierte an die Zivilgesellschaft, wachsam zu bleiben und sich aktiv für die Demokratie einzusetzen.
Fazit: Demokratie in Gefahr
Die Sozialwissenschaftlerin zieht ein düsteres Fazit: Deutschland sei nicht immun gegen faschistische Tendenzen. Die Demokratie müsse verteidigt werden, bevor es zu spät sei. Ihre Warnung von vor acht Jahren sei aktueller denn je.



