Harald Martenstein, 72, verfasst die tägliche Kolumne in BILD. In seinem jüngsten Beitrag wendet er sich direkt an den Bundeskanzler und übt scharfe Kritik. Martenstein stellt fest, dass fast alle Vorgänger im Amt ein persönliches Markenzeichen hatten: Angela Merkel die Raute, Helmut Kohl den Saumagen, Olaf Scholz seine Aktentasche. Das Markenzeichen des aktuellen Kanzlers sei hingegen der Abstimmungsfehler.
Irritierende Botschaft an DFB-Team
Martenstein bezieht sich auf eine Botschaft des Kanzlers an die deutschen Fußballer nach deren Ausscheiden bei der WM: „Auch wenn das Ausscheiden schmerzt: Was für ein Spiel, DFB-Team. Mit eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt ihr unser Land begeistert. Wir sind stolz auf euch.“ Diese Worte bezeichnet Martenstein als reine Phrasen und Textbausteine, ganz abgesehen vom aus seiner Sicht irren Inhalt. Er mutmaßt, dass es sich um einen Abstimmungsfehler handele – die Nachricht sei vermutlich bereits vor dem Paraguay-Debakel verfasst und versehentlich versendet worden. Auch die Ersatzmail, die den Fehler korrigieren sollte, sei kein Meisterwerk gewesen.
Forderung nach besseren Mitarbeitern und Ehrlichkeit
Der Kolumnist fragt den Kanzler, ob er sich keine guten Leute in seinem Büro leisten könne und ob eine neue Steuer, der „Kanzler-Soli“, nötig sei. Martenstein plädiert für mehr Ehrlichkeit. Er schlägt eine alternative Botschaft vor: „Liebes DFB-Team, Ihr seid enttäuscht, unser Land ist es auch. Ich glaube: Ihr könnt es besser. Ich selbst weiß gut, wie Niederlagen sich anfühlen. Ich weiß aber auch, dass man nach Niederlagen wieder zurückkommen kann. Steht auf! Und wir alle stehen hinter euch, auch an schlechten Tagen.“
Martenstein schließt mit den Worten: „So macht man das. Hochachtungsvoll, Harald Martenstein.“ Er fordert die Leser auf, ihm bei Meinungen zur Kolumne eine Mail zu schreiben.



