Vom „sanften Riesen“ zum Mörder: Der Fall Gerwald Claus-Brunner
Vom „sanften Riesen“ zum Mörder: Fall Claus-Brunner

Der Fall Gerwald Claus-Brunner erschütterte nicht nur die politische Landschaft Berlins. Der einstige Piraten-Politiker, der als „sanfter Riese“ bekannt war, entpuppte sich als grausamer Mörder. Wie konnte es so weit kommen?

Die Tat: Ein Schreckensszenario in Berlin-Steglitz

Im September 2016 drang die Polizei gewaltsam in die Wohnung eines bekannten Politikers in Berlin-Steglitz ein. Ein Verwesungsgeruch lag in der Luft. Die Beamten entdeckten zwei Leichen: Gerwald Claus-Brunner, 44 Jahre alt, Abgeordneter der Piratenpartei, lag tot auf seinem Bett. In einem Nebenraum fanden sie die Leiche seines früheren Mitarbeiters, nackt unter einem Laken. Der Täter hatte Handschellen und Kabelbinder benutzt – Spuren einer tödlichen Obsession.

Die Vorgeschichte: Vom Shootingstar zum Außenseiter

Claus-Brunner war das Aushängeschild der Piratenpartei im Wahlkampf 2016. Er trug meist eine Arbeiterlatzhose und ein Kopftuch, was ihn unverwechselbar machte. Doch hinter der Fassade des „sanften Riesen“ verbarg sich ein zunehmend aggressiver Mensch. Schon früh fiel er durch verbale Entgleisungen und Drohungen gegen Parteikollegen auf. Auf Veranstaltungen führte er ein Kantholz mit sich. Die Partei schloss ihn aus Ausschüssen aus. Sein späteres Opfer, Jan Mirko L., hatte bereits im Juni 2016 Anzeige wegen Stalkings erstattet – ohne Erfolg.

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Der Mord: Eine geplante Tat?

Die Ermittlungen ergaben, dass Claus-Brunner den Mord vermutlich geplant hatte. Am 15. September 2016 wurde er mit einer Sackkarre und einem großen Koffer vor einem Spätkauf in Steglitz gefilmt. Er fuhr zur Wohnung des Opfers in Berlin-Wedding. Dort tötete er den 29-jährigen L. durch stumpfe Gewalt und Erstickung. Der Rechtsmediziner Michael Tsokos beschrieb, wie der 128 Kilogramm schwere Claus-Brunner sich auf den Brustkorb des nur 59 Kilogramm schweren Mannes kniete und ihm den Hals zudrückte.

Der Transport: Eine makabre Reise durch Berlin

Nach der Tat transportierte Claus-Brunner die Leiche kilometerweit durch Berlin zu seiner eigenen Wohnung in Steglitz. Er nutzte eine Sackkarre, die er an sein Fahrrad koppelte. Später twitterte er: „Echter Kacktag heute, übertrifft sämtliche schlechten Tage, die ich je erlebt hatte bisher. Hoffe, das Wochenende machts besser.“ Kurz darauf postete er ein Foto von L. mit den Worten: „Meine Liebe, mein Leben, für dich lieber Wuschelkopf, für immer und ewig!“

Der Suizid und das Geständnis

Am Wahlabend, dem 18. September 2016, nahm sich Claus-Brunner in seiner Wohnung das Leben. Zuvor hatte er einen Brief an seine Partei geschickt: „Wenn ihr das hier lest, bin ich tot. Bitte informiert die Polizei und gebt ihnen den Wohnungsschlüssel.“ Ein Paket an seinen Ex-Freund enthielt ein handschriftliches Geständnis, in dem er die Tötung zugab, sie aber als Affekttat bezeichnete. Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen ein, da gegen Tote nicht ermittelt wird.

Hintergründe: Eine schwere Kindheit

Claus-Brunner wuchs in einer rechtsextremen Familie auf. Seine Eltern, Anhänger der Ludendorff-Bewegung, schlugen ihn. Er war Opfer von Mobbing, fiel durch Schlägereien und Tierquälerei auf. Ein Bruder beging Suizid, eine Schwester starb bei einem Autounfall. Nach seinem Outing als bisexuell brach der Kontakt zu den Eltern ab. „Gewalt zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben“, sagte sein Bruder Dietwald Claus.

Die Warnzeichen: Warum griff die Polizei nicht ein?

Das spätere Opfer L. fühlte sich bereits lange bedroht. Claus-Brunner lauerte ihm auf, erstellte ein falsches Facebook-Profil und fertigte heimlich einen Zweitschlüssel an. Eine Kamera in der Dusche wurde vermutet. Die Stalking-Anzeige vom Juni 2016 wurde nicht weiterverfolgt, weil L. einen Fragebogen nicht ausfüllte. Die Polizei versäumte es, rechtzeitig zu handeln – mit fatalen Folgen.

Fazit: Ein Fall, der erschüttert

Der Fall Gerwald Claus-Brunner zeigt, wie aus einer Obsession ein brutaler Mord entstehen kann. Die Ermittlungen offenbarten ein erschreckendes Ausmaß an Planung und Kaltblütigkeit. Die Berliner Politiklandschaft wurde nachhaltig erschüttert. Bis heute bleibt die Frage: Hätte die Tat verhindert werden können?

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