Die von Verteidigungsminister Boris Pistorius angestoßene Debatte über eine Rückkehr zur Wehrpflicht nimmt konkretere Formen an. Ein neues Modell könnte eine Musterung aller jungen Männer und Frauen vorsehen – mit der Möglichkeit, sich für den Dienst zu entscheiden. Anders als die 2011 ausgesetzte Wehrpflicht soll dieser Dienst freiwillig bleiben, aber eine Verpflichtung zur Musterung beinhalten.
Ein neues Wehrpflicht-Modell: Musterung für alle
Die Bundeswehr hat derzeit rund 181.000 aktive Soldatinnen und Soldaten. Für die NATO-Zusagen fehlen jedoch Tausende. Daher erwägt das Verteidigungsministerium eine Rückkehr zur Musterung, ohne den Dienst selbst zur Pflicht zu machen. Staatssekretärin Siemtje Möller betonte, dass man sich an Modellen wie dem schwedischen orientieren wolle: Dort werden alle Jahrgänge erfasst, aber nur ein Teil ausgewählt. Eine solche Regelung könnte in Deutschland ab 2025 erste Pilotprojekte starten.
Die Frage nach dem „Wann“ ist zentral. Pistorius will bis zum Sommer konkrete Vorschläge vorlegen. Die Union drängt auf eine schnellere Umsetzung, während die FDP vor allem die Kosten und die Verhältnismäßigkeit prüft. Grüne und Linke warnen vor einer Militarisierung der Gesellschaft. Dennoch zeigt eine Umfrage: Eine Mehrheit der Deutschen unterstützt ein Pflichtjahr für alle – ob im Militär oder im sozialen Bereich.
Arrow-System: Schutzschild für Deutschland
Parallel zur Personaldebatte treibt die Bundeswehr die Beschaffung des israelischen Raketenabwehrsystems Arrow voran. Das System wurde gemeinsam von Israel und den USA entwickelt und ist in der Lage, Mittelstreckenraketen in großer Höhe abzufangen. Deutschland plant die Anschaffung für den Schutz vor Bedrohungen aus Russland und dem Nahen Osten. Der Haushaltsausschuss des Bundestags hat dafür erste Mittel freigegeben – insgesamt sollen bis zu 4 Milliarden Euro investiert werden.
Das Arrow-System ergänzt das geplante Raketenabwehrsystem Arrow-3, das Israel bereits im Einsatz hat. „Deutschland braucht einen Schutzschild, der zu den neuen Bedrohungen passt“, sagte ein ranghoher Vertreter des Verteidigungsministeriums. Die ersten Lieferungen sollen 2025 beginnen. Experten sehen darin einen wichtigen Baustein der NATO-Luftverteidigung in Europa.
Iran: Schulstreiks als Symbol des Widerstands
Während Deutschland seine Verteidigung verstärkt, bleibt der Iran ein Krisenherd. Seit dem Tod von Mahsa Amini im Herbst 2022 gibt es landesweite Proteste. Eine besondere Rolle spielen Schülerinnen und Schüler, die mit Streiks und Demonstrationen den Druck auf das Regime erhöhen. Die Schulstreiks im Iran sind zu einem Symbol des zivilen Widerstands geworden – oft unter Lebensgefahr. Sicherheitskräfte gehen brutal gegen die Jugendlichen vor, viele wurden bereits festgenommen.
International wird der Mut der jungen Iranerinnen und Iraner gewürdigt. Auch in Deutschland gibt es Solidaritätsaktionen. Die Bundesregierung verurteilt das Vorgehen der iranischen Führung und forderte mehrfach die Freilassung politischer Gefangener. Doch die diplomatischen Beziehungen zu Teheran bleiben kompliziert, insbesondere wegen des iranischen Raketenprogramms, das auch für Europa eine Bedrohung darstellt.
Drohnen und NATO-Ostflanke: Neue Gefahren
Der Krieg in der Ukraine hat gezeigt, wie entscheidend Drohnen auf dem modernen Schlachtfeld sind. Beide Seiten setzen Tausende unbemannte Systeme ein – für Aufklärung, Artillerieunterstützung und gezielte Angriffe. Die NATO muss sich auf diese neue Bedrohung einstellen. Deutschland plant, seine Streitkräfte verstärkt mit Drohnen auszustatten. Dabei setzt man auf europäische Kooperation, etwa beim Projekt Eurodrone, das ab 2030 einsatzbereit sein soll.
Gleichzeitig rückt die NATO-Ostflanke weiter in den Fokus. Deutsche Soldaten sind in Litauen stationiert, und die Bundesregierung hat zugesagt, eine dauerhafte Brigade zu entsenden. Die Sorge vor einer Ausweitung des russischen Angriffskriegs bleibt groß. Putin hat mehrfach mit Angriffen auf NATO-Gebiet gedroht – auch mit Nuklearwaffen. Die Antwort des Bündnisses: mehr Präsenz und bessere Luftverteidigung.
Putin und die Folgen für Deutschland
Die deutsche Sicherheitspolitik hat sich seit dem russischen Überfall auf die Ukraine grundlegend verändert. Kanzler Olaf Scholz sprach von einer „Zeitenwende“. Das 100-Milliarden-Sondervermögen für die Bundeswehr ist beschlossen, doch das Geld reicht nicht, um alle Wünsche zu erfüllen. Nun debattiert das Land über die Wehrpflicht – ein Thema, das lange tabu war. Die zentrale Frage ist, wie Deutschland in Zeiten von Personalmangel und neuen Bedrohungen wehrhaft bleibt, ohne die Freiheit der Bürger einzuschränken.
Während Pistorius auf ein „Auswahlmodell“ setzt, fordern einige Militärexperten eine Rückkehr zur klassischen Wehrpflicht. Andere verweisen auf Großbritannien und die USA, die mit Berufsarmeen arbeiten. Sicher ist: Die Entscheidung wird weitreichende Folgen haben – für die Bundeswehr, die Gesellschaft und die Rolle Deutschlands in der NATO.



