EU-Rekordausgaben für Waffen verdecken strukturelle Probleme
EU-Rekordausgaben für Waffen verdecken strukturelle Probleme

Die Europäische Union verzeichnet Rekordausgaben für Verteidigung, doch die zugrunde liegenden Probleme in Beschaffung, Kooperation und Betrieb bleiben bestehen. Dies geht aus einer neuen Erhebung der European Defense Agency (EDA) hervor, die dem Handelsblatt vorliegt.

Rekordinvestitionen trotz struktureller Schwächen

Laut EDA haben die EU-Mitgliedstaaten im Jahr 2025 insgesamt 326 Milliarden Euro für Verteidigung ausgegeben – ein Anstieg von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr und der höchste Wert seit Bestehen der Agentur. Besonders stark stiegen die Investitionen in neue Waffensysteme: um 18 Prozent auf 98 Milliarden Euro. Dennoch warnen Experten, dass die Effizienz der Ausgaben nicht mit dem Tempo der Aufrüstung Schritt hält.

„Die Rekordausgaben verschleiern, dass wir weiterhin an denselben Problemen leiden wie vor zehn Jahren“, sagte ein hochrangiger EDA-Beamter, der namentlich nicht genannt werden wollte. „Die Fragmentierung der Rüstungsmärkte, fehlende gemeinsame Beschaffung und unzureichende Kooperation führen dazu, dass wir weniger für unser Geld bekommen.“

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Mangel an gemeinsamen Projekten

Besonders kritisch sieht die EDA die geringe Zahl gemeinsamer Rüstungsprojekte. Nur 18 Prozent aller Verteidigungsinvestitionen flossen in multinationale Vorhaben – kaum mehr als im Vorjahr. Die Agentur hatte sich eigentlich zum Ziel gesetzt, diesen Anteil auf 35 Prozent zu steigern. Auch die Ausgaben für Forschung und Entwicklung stagnieren bei rund 12 Milliarden Euro, obwohl die EU-Kommission hier mehr Engagement fordert.

Ein weiteres Problem ist die mangelnde Interoperabilität der Streitkräfte. „Wir kaufen oft nationale Systeme, die nicht miteinander kompatibel sind“, erklärte die EDA in ihrem Bericht. „Das treibt die Betriebskosten in die Höhe und schwächt die gemeinsame Einsatzfähigkeit.“

Betriebskosten steigen unverhältnismäßig

Die Betriebsausgaben der EU-Armeen stiegen 2025 um 8 Prozent auf 128 Milliarden Euro – ein Indiz dafür, dass die neuen Waffensysteme teurer im Unterhalt sind als erwartet. Gleichzeitig sank der Anteil der Ausgaben für Personal leicht auf 43 Prozent. Dies deute darauf hin, dass die Mitgliedstaaten zwar mehr investieren, aber nicht genug in die Ausbildung und Einsatzbereitschaft ihrer Soldaten.

„Ohne eine grundlegende Reform der Beschaffungsprozesse und eine stärkere Integration der nationalen Rüstungsplanung werden wir die Herausforderungen nicht meistern“, so der EDA-Beamte weiter. Die Agentur fordert daher eine Ausweitung gemeinsamer Projekte, mehr Wettbewerb bei Ausschreibungen und eine bessere Abstimmung der nationalen Verteidigungsplanungen.

Die EU-Kommission hat bereits angekündigt, im Herbst einen neuen Aktionsplan zur Stärkung der europäischen Verteidigungsindustrie vorzulegen. Ob dieser die strukturellen Probleme beheben kann, bleibt abzuwarten.

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