Der 1. FSV Mainz 05 hat im Poker um seinen wichtigsten Spieler die entscheidenden Karten behalten: Nadiem Amiri bleibt. Bei einer Fanveranstaltung am Freitagabend verkündete der 29-jährige Nationalspieler unter dem Jubel der Anwesenden seine Zukunft. „Es gab viele Gerüchte und ich hatte auch wirklich viele Angebote. Ich habe mich heute mit meiner Familie entschieden …“, begann Amiri – und machte nach einer kurzen, dramatischen Pause Nägel mit Köpfen: „… auf jeden Fall hierzubleiben.“ Der Saal bricht daraufhin in Jubel aus, Fans herzen ihren Publikumsliebling.
Wochenlang hatten die Anhänger der Rheinhessen um einen Verbleib ihres Mittelfeldstars gebangt. Amiri, der bei der jüngsten Weltmeisterschaft trotz des frühen Aus der deutschen Nationalmannschaft zu den wenigen Gewinnern zählte, hatte mit starken Auftritten auf sich aufmerksam gemacht. Im Gruppenspiel gegen die Elfenbeinküste bereitete er den Ausgleich von Deniz Undav vor, im entscheidenden Spiel gegen Paraguay verwandelte er seinen Elfmeter sicher. Die Folge: Zahlreiche Klubs signalisierten Interesse, zuletzt machten Gerüchte über einen Wechsel zu RB Leipzig die Runde.
Ein Bekenntnis mit Hintergrund
Bemerkenswert war Amiris Ankündigung auch angesichts seiner zuvor geäußerten Wortwahl. Gegenüber dem Fachmagazin „Kicker“ hatte der 13-malige Nationalspieler erst kurz zuvor erklärt: „Es kann sich immer etwas verändern. Deshalb habe ich mich auch am Ende der letzten Saison nicht zu Mainz bekannt. Ich will die Fans und die Menschen nicht enttäuschen.“ Diese Sätze ließen in Mainz die Alarmglocken schrillen – zumal die Angebotslage unübersichtlich schien. Umso größer war nun die Erleichterung, als Amiri öffentlich seine Entscheidung bekannt gab. Dass er dabei den Weg der Fanveranstaltung wählte, unterstreicht die enge Bindung zu den Anhängern.
Auch sportlich ist der Verbleib des Mittelfeldspielers ein Signal: Offenbar war keines der eingegangenen Angebote attraktiv genug, um den Status, den sich Amiri in Mainz erarbeitet hat, aufs Spiel zu setzen. In seiner letzten Saison wurde er in der „Kicker“-Rangliste der offensiven Mittelfeldspieler als Nummer eins geführt und mit der Note „Internationale Klasse“ ausgezeichnet. Der Vertrag des 29-Jährigen läuft noch bis 2028 – und es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis weitere Klubs erneut anklopfen. Amiri geht damit in seine vierte Saison bei den Rheinhessen. Bereits im vergangenen Jahr hatte er im Rahmen eines Fanabends seine Zusage gegeben und für erlösende Gewissheit gesorgt.
Der Aufstieg vom Bankdrücker zum Leistungsträger
Amiris Weg in Mainz ist eine besondere Erfolgsgeschichte. In der Winterpause der Saison 2023/24 war er vom späteren deutschen Meister Bayer Leverkusen zum damaligen Abstiegskandidaten FSV Mainz 05 gewechselt. In Leverkusen hatte er sich mit der Rolle des Ergänzungsspielers abgefunden, in Mainz blühte er förmlich auf. Sein Einfluss zeigte sich schnell: Der Klub schaffte den Klassenerhalt, im Jahr darauf sogar den Einzug in die Conference League. In der vergangenen Spielzeit trug Amiri mit zwölf Treffern maßgeblich zum erneuten Klassenerhalt bei, ehe er sich auch in den internationalen Spielen als Führungsspieler etablierte.
Die Zahlen unterstreichen seine Bedeutung: In 82 Pflichtspielen für Mainz 05 erzielte der Rechtsfuß 26 Tore – eine beachtliche Ausbeute für einen Mittelfeldspieler. Doch seine Klasse beschränkt sich nicht auf Torbeteiligungen. Seine Übersicht, seine Ruhe am Ball und seine Fähigkeit, Spiele zu lenken, machen Amiri zu einem der prägenden Akteure der Bundesliga. Kein Anderer in Mainz verkörpert derart die Identifikationsfigur zwischen den Generationen.
Sprungbrett für die Nationalmannschaft
Amiris Entscheidung wirkt über die Vereinsgrenzen hinaus. Unter dem neuen Bundestrainer Jürgen Klopp wird dem 29-Jährigen eine zentrale Rolle im Neuaufbau des DFB-Teams zugetraut – einer prominenteren als unter dessen Vorgänger Julian Nagelsmann. Schließlich hat er in Mainz bewiesen, dass er Verantwortung übernehmen und Spiele entscheiden kann. Das verlorene WM-Turnier ist für ihn abgehakt, nun blickt er nach vorne – mit der Sicherheit eines Spielers, der weiß, wo er hingehört.
Für Mainz 05 ist die Botschaft eindeutig: Mit Amiri in den eigenen Reihen bleibt der Klub auch in der kommenden Saison ein ernstzunehmendes Mitglied der Bundesliga. Die Fans dürfen sich auf weitere magische Momente freuen – und die sportliche Leitung kann langfristig planen. Ein Wechsel ist vom Tisch, zumindest bis zum nächsten Sommer.



