Hertha BSC startet mit deutlich reduzierten Erwartungen in die neue Saison der 2. Bundesliga. Nach den Abgängen von Leistungsträgern wie Kapitän Fabian Reese und Jungstar Kennet Eichhorn hat Geschäftsführer Peter Görlich das Saisonziel im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurückgeschraubt. „Ein einstelliger Tabellenplatz mit einer maximalen Ambition nach vorne“, sagte Görlich dem rbb rund eine Woche vor dem Zweitliga-Auftakt beim VfL Bochum.
Abschiede bestimmen den Sommer
Der personelle Umbruch ist tiefgreifend. Neben Reese und Eichhorn verlassen auch Torhüter Tjark Ernst und Kreativspieler Michael Cuisance den Hauptstadtclub. Ernst wechselt zu Feyenoord Rotterdam, Cuisance zieht zum RC Lens weiter. Damit fehlen Hertha mehrere Spieler, die in der Vorsaison das Gesicht der Mannschaft geprägt haben.
Als bislang einziger Neuzugang kommt Offensivspieler Oluwaseun Adewumi auf Leihbasis vom englischen Zweitligisten FC Burnley. Die sportliche Leitung muss also weiterhin nach Verstärkungen suchen – allerdings unter engen finanziellen Bedingungen.
Mehr als 20 Millionen Euro Einnahmen
Laut Medienberichten hat der finanziell angeschlagene Verein durch die Transfers bislang über 20 Millionen Euro eingenommen. Doch Görlich warnt davor, diese Summe eins zu eins für neue Spieler einzuplanen. „Auch Fußballvereine haben Brutto-Netto-Rechnungen. Es mag sein, dass da irgendwelche Summen kursieren, aber am Ende des Tages müssen wir gucken, was ist davon übriggeblieben, was landet tatsächlich bei uns?“
Die wirtschaftliche Situation des Clubs habe sich zwar etwas entspannt, sagte Görlich weiter. „Aber die Situation ist noch nicht so, dass wir im Verein, also Gremien, Geschäftsführung, sportliche Leitung, diesen Prozess beenden können. Das wird uns noch etwas begleiten.“ Klar sei: „Es war ganz klar und sehr offen kommuniziert, dass wir Kaderkosten reduzieren und an der einen oder anderen Stelle Qualität verlieren werden.“
Die Lehren aus der Vorsaison
Aus sportlicher Sicht ist die Zurückhaltung nachvollziehbar. In der Vorsaison galten die Berliner als einer der Aufstiegsfavoriten, belegten am Ende aber nur den enttäuschenden siebten Platz. Besonders schmerzhaft war das letzte Saisonspiel: eine 1:6-Niederlage gegen Arminia Bielefeld. Dieser Auftritt gilt als Sinnbild für die Schieflage der vergangenen Monate.
„So wie es war, darf es nicht mehr sein“, sagt Görlich rückblickend. „Das ist in vielen Dimensionen so analysiert worden. Wir haben uns aber auch sehr intensiv mit der fußballerischen Ausrichtung beschäftigt.“ Die Analyse habe sich gelohnt, denn schon in den Testspielen war eine neue Spielidee erkennbar.
Neue Spielidee: Höheres Pressing
Der Hauptstadtclub will aggressiver spielen und mit höherem Pressing agieren. Statt auf Einzelaktionen setzt das Team auf eine kompakte Ordnung und schnelles Umschalten. Das ist ein klarer Bruch mit der zuletzt oft passiven Spielanlage.
Ob diese Umstellung bereits zum Auftakt beim VfL Bochum trägt, ist offen. Sicher ist nur: Hertha BSC tritt diesmal nicht als Favorit an. Die Rolle des Verfolgers könnte dem Klub jedoch entgegenkommen – und den Druck von der jungen Mannschaft nehmen.
Ein einstelliger Platz als realistisches Ziel
Die Zielsetzung von Geschäftsführer Görlich ist bewusst konservativ. Ein einstelliger Tabellenplatz klingt bescheiden, entspricht aber der Realität eines Klubs, der seinen Kader verkleinern muss. Zugleich lässt die Formulierung „maximale Ambition nach vorne“ Raum für eine Überraschung.
Für die Fans bleibt zu hoffen, dass die neue Bescheidenheit der erste Schritt in eine stabilere Zukunft ist. Zunächst aber gilt: Hertha BSC muss lernen, mit weniger Qualität mehr Ergebnisse zu erzielen. Der einstellige Platz wäre dann ein echter Erfolg.



