Der deutsche Handball steht vor einem möglichen Lizenzierungsskandal. Im Zentrum steht der Zweitligist HSG Nordhorn-Lingen, dem vorgeworfen wird, im Lizenzierungsverfahren für die Saison 2026/27 mit falschen Zahlen gearbeitet zu haben. Der Verein, der 2008 den EHF-Pokal gewann, sieht sich nun mit einem Sechs-Punkte-Abzug und weiteren Auflagen konfrontiert.
HBL wirft HSG falsche Angaben vor
Die Handball-Bundesliga (HBL) hatte dem Verein im Frühjahr 2026 die Lizenz für die kommende Saison ohne Auflagen erteilt. Doch in der vergangenen Woche räumte die HSG auf ihrer Internetseite eine „wirtschaftlich herausfordernde Situation“ ein. Als Reaktion darauf stellte die HBL einen Sechs-Punkte-Abzug für die nächste Saison in Aussicht und machte dem Club mehrere Auflagen, darunter den „kurzfristigen Nachweis“, die Liquiditätslücke decken zu können.
Der entscheidende Vorwurf: Die HBL wirft der HSG vor, im Lizenzierungsverfahren nicht mit korrekten Zahlen gearbeitet zu haben. „Nach heutigem Kenntnisstand“ bestünden „nicht unerhebliche Abweichungen gegenüber den im Frühjahr 2026 von dem HSG Nordhorn e. V. im Lizenzierungsverfahren für die Saison 2026/27 gemachten Angaben“, heißt es in einem Schreiben des Ligaverbands.
Absteiger Krefeld zieht vor Gericht
Der bisherige Zweitliga-Konkurrent HSG Krefeld Niederrhein, der sportlich abgestiegen ist, möchte nun vor das Schiedsgericht der HBL ziehen. Das bestätigte Geschäftsführer André Schicks der „Bild“. Die Krefelder wären als erster Nachrücker von einer Lizenzverweigerung für Nordhorn profitiert. „Wir werden alle rechtlichen Schritte prüfen“, so Schicks.
Die Nordhorner hingegen zeigen sich kooperationsbereit. In einer Stellungnahme auf ihren Vereinskanälen erklärten sie, der Situation „mit voller Verantwortung“ zu begegnen. „Wir arbeiten eng und lösungsorientiert mit der Lizenzierungskommission der HBL zusammen, um alle geforderten Punkte zügig und vollständig zu erledigen“, hieß es. Geschäftsführer Michael Jonker kündigte für die kommende Woche nähere Details an.
Hintergrund: Finanzielle Schieflage
Die HSG Nordhorn-Lingen, die 2008 den EHF-Pokal gewann und lange in der 1. Bundesliga spielte, kämpft seit Jahren mit finanziellen Problemen. Bereits in der Vergangenheit gab es immer wieder Engpässe. Sollte sich der Vorwurf der falschen Angaben bestätigen, droht dem Verein nicht nur ein Punktabzug, sondern auch eine Geldstrafe oder im schlimmsten Fall der Lizenzentzug. Die HBL steht vor der Aufgabe, das Verfahren zügig und transparent zu klären, um den Spielbetrieb nicht zu gefährden.



