Werder Bremens neues „Ü“ sorgt für Ärger beim VfB Stuttgart
Werder Bremens neues „Ü“ sorgt für Ärger beim VfB Stuttgart

Vergangenen September führte der VfB Stuttgart eine neue Marken- und Designsprache ein. Entwickelt wurde sie mit der Münchner Agentur „Societas“, die sogar eine eigene Schrift für den Club gestaltete. Am Donnerstag dieser Woche legte Werder Bremen nach: In Zusammenarbeit mit derselben Agentur präsentierte der Club ein frisches Corporate Design – mit Farben wie „Werder Weiß“, „Wesernebel Grau“ und „Weserlicht Grün“ sowie der Schriftart „Bruckmeyer Neue“, benannt nach dem Grafiker Günther Bruckmeyer, der 1924 das erste „Werder-W“ entworfen hatte.

Ein Buchstabe als Zankapfel

Zwei Klubs, zwei Markenwelten – oder doch eine? In den sozialen Medien, vor allem auf der Plattform X, warfen Nutzer Bremen vor, das Stuttgarter Design abgekupfert zu haben. Das auffälligste Indiz: das „Ü“. Bei beiden Vereinen sitzen die beiden Punkte nicht über dem Buchstaben, sondern innerhalb des U-Hakens. Ein Vergleichsbild, das in Netzwerken kursiert, zeigt etwa eine VfB-Aufstellungsgrafik, in der der Name „Führich“ das umstrittene Ü trägt – dem Bremer Ü zum Verwechseln ähnlich. Auch einige Social-Media-Grafiken und die Verwendung des Gründungsjahres in bestimmten Motiven ähneln sich stark.

Beim VfB nimmt man die Diskussion offiziell mit Humor. „Offenbar ist unser Markenbild ja überzeugend“, heißt es gegenüber der Bild. Hinter den Kulissen allerdings ist die Stimmung gereizter. Nach Informationen dieser Redaktion hat der VfB sowohl bei der Agentur als auch bei Werder Bremen seinen Unmut hinterlegt. Der Club prüft juristische Schritte gegen die Agentur, weil offenbar nicht nur einzelne Gestaltungselemente, sondern auch Formulierungen aus der Pressemitteilung wiederverwendet worden sein sollen.

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Das steckt hinter den neuen Markenwelten

Beide Vereine setzen bei ihrer visuellen Identität auf eine eigene Typografie. Der VfB hatte seine Schrift im September des Vorjahres präsentiert, Werder zog nun mit der „Bruckmeyer Neue“ nach. Der Name erinnert an den Grafiker Günther Bruckmeyer, der 1924 das erste Werder-W entwarf. Die zeitliche Nähe und die Tatsache, dass beide Auftritte von derselben Agentur stammen, machen die Sache brisant.

Doch es gibt auch Unterschiede: Während der VfB eine eher schlichte, geometrische Formensprache verwendet, setzt Werder auf eine kräftige Farbpalette mit norddeutschen Bezügen wie „Wesernebel Grau“ und „Weserlicht Grün“. Die Vereinsfarben Grün-Weiß bleiben erhalten, werden aber neu interpretiert. Die Ähnlichkeit beschränkt sich offenbar auf einzelne Elemente – allen voran das ungewöhnliche Ü.

Werder Bremen zeigt sich gelassen

In Bremen verfolgt man die Debatte mit mehr Gelassenheit, will die Vorwürfe aber nicht einfach wegwischen. Werder-CEO Klaus Filbry sagte gegenüber der Bild: „Grundsätzlich sehen wir in unserem neuen Markenauftritt eine hohe Individualität. Dennoch haben wir die Hinweise wahrgenommen und werden uns in der kommenden Woche mit der Agentur zusammensetzen, um uns ein umfassendes Bild zu verschaffen.“ Nach Informationen dieser Redaktion ist für Montag ein klärendes Gespräch zwischen Werder und der Agentur angesetzt.

Der VfB wiederum hat bereits deutlich gemacht, dass er die Angelegenheit ernst nimmt. Die Verantwortlichen in Bad Cannstatt sollen verärgert darüber sein, dass aus gemeinsamen Workshops entstandene Ansätze offenbar in anderem Kontext wiederverwendet wurden. Stuttgart hat seine Einwände nicht nur bei der Agentur, sondern auch direkt beim Ligakonkurrenten hinterlegt. Eine offizielle Stellungnahme des VfB über den ersten Satz hinaus gibt es bislang nicht.

Agentur weist Plagiatsvorwurf zurück

Die Agentur „Societas“ wies die Vorwürfe auf Anfrage entschieden zurück: „Jeder Markenauftritt, den wir kreieren, entsteht eigenständig aus der Identität des jeweiligen Clubs. Dies ist auch in diesem Fall so geschehen und zeigt sich in der Individualität der beiden Designs. Den Vorwurf, Arbeitsergebnisse aus einem Projekt für ein anderes wiederverwendet zu haben, weisen wir klar zurück. Wir befinden uns hierzu im engen und vertrauensvollen Austausch mit unseren Partnern.“

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Ob sich die Wogen glätten, wird sich zeigen. Sicher ist: Vor dem Bundesliga-Duell im November treffen die beiden Klubs schon jetzt aufeinander – abseits des Rasens, im Streit um die zwei Punkte über dem „Ü“. Der VfB möchte nicht ausschließen, dass aus dem verbalen Schlagabtausch eine juristische Auseinandersetzung wird. Werder hofft derweil, dass das klärende Gespräch mit der Agentur am Montag die Gemüter beruhigt. Die Fußballfans dürfte es freuen, dass die Saison auch abseits des Platzes kurios bleibt.