Der ehemalige Drittligist TSV 1860 München steht vor dem finanziellen Super-GAU. Seit Mittwoch ist klar: Die Lizenz für die 3. Liga wurde nicht erteilt, und auch die Regionalliga ist noch nicht gesichert. Der Grund: Es fehlt weiterhin Geld. Mindestens eine Million Euro ist notwendig, damit die KGaA trotz reduzierter Kosten im Amateurbereich zahlungsfähig bleibt. Die Frage ist, ob Investor Hasan Ismaik (49) das Geld bereitstellt. Die für die Drittligalizenz benötigten 2,7 Millionen Euro sind nicht geflossen.
Erinnerungen an 2017
Die Situation erinnert an das Jahr 2017. Auch damals konnten sich die Gesellschafter nicht einigen. Nach dem sportlichen Abstieg aus der 2. Bundesliga ging es schließlich in die Regionalliga. Der Hauptsponsor „Die Bayerische“ sprang ein und stellte zwei Millionen Euro zur Verfügung. Doch auf diesen treuen Partner können die Löwen nun nicht mehr zählen: Am Mittwochabend machte die Versicherung von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch und beendete das Sponsoring nach zehn Jahren und über 15 Millionen Euro. Dadurch steigt auch der Finanzbedarf für die Regionalliga-Saison.
Droht die Insolvenz?
Seit Ende Mai agiert die Geschäftsführung der Löwen bereits vorsorglich als „Notgeschäftsführung“. Dieser Begriff stammt aus dem Insolvenzrecht und bedeutet, dass nur betriebsbedingte Zahlungen getätigt werden dürfen, die zur Aufrechterhaltung des gewöhnlichen Geschäftsbetriebs nötig sind. Konkret: Strom, Gas und Wasser werden weiter bezahlt, aber andere Ausgaben sind gestoppt.
Wieder einmal tickt die Uhr bei den Löwen. Diesmal geht es nicht um die Lizenz, sondern um den Fortbestand der KGaA. Bei einer drohenden Insolvenz gilt: Bei Überschuldung bleiben sechs Wochen Zeit, um Insolvenz anzumelden, bei Zahlungsunfähigkeit sind es drei Wochen. Solange der Fortbestand der Firma ungeklärt ist, gibt es auch für die treuen Fans keine Antwort auf die Dauerkarten-Frage. 8000 Karten sind bereits verkauft, rund vier Millionen Euro sind geflossen – zu Drittligapreisen. Doch nun sehen die Löwen nur noch Amateurfußball. Eine Rückabwicklung ist im Notgeschäftsführer-Modus schwierig.
Von Vereinsseite heißt es: „Wir arbeiten derzeit intensiv an einer Lösung, um eine angemessene Kompensation für bereits bezahlte Dauerkarten zu finden. Dabei steht die Zufriedenheit unserer Dauerkarteninhaber für uns im Fokus. Sobald die Details feststehen, werden wir alle Betroffenen umgehend informieren und bitten bis dahin um Verständnis und Geduld.“ Wie lange die Verantwortlichen noch auf die Geduld und Treue der leidgeprüften Fans hoffen können, ist fraglich.



