Barça-Juwel Xavi Espart: U19-EM-Sieg, Flick-Lob und Zukunftspläne
Barça-Juwel Xavi Espart: U19-EM-Sieg, Flick-Lob und Zukunftspläne

Spaniens U19-Nationalmannschaft hat bei der Europameisterschaft in Wales Geschichte geschrieben: Mit einem Torverhältnis von 19:0 und ohne Gegentor holte das Team den Titel. Mittelfeld-Juwel Xavi Espart (19) vom FC Barcelona war einer der Schlüsselspieler. Im Interview mit BILD spricht er über die Dominanz, seinen Förderer Hansi Flick und seine Zukunftspläne.

Xavi Espart (19) war einer der großen Stars der U19-EM. Bei dem Turnier in Wales fegte er mit den Spaniern über alle Gegner hinweg – mit einem Torverhältnis von 19:0. Deutschland bezwangen die Iberer gleich zweimal: 4:0 in der Vorrunde und 2:0 im Finale. Nun spricht das Mittelfeld-Juwel des FC Barcelona (schon sechs Profi-Einsätze) über die Dominanz seines Europameister-Teams, seinen großen Barça-Förderer Hansi Flick (61), seine Zukunfts-Träume und die Möglichkeit einer Bundesliga-Leihe.

„Historisches geschafft“ – Das Geheimnis der Dominanz

BILD: Xavi, haben Sie sich bei der U19-EM so überlegen gefühlt, wie es das Torverhältnis vermuten lässt? Xavi Espart: „Wir haben uns jedenfalls sehr, sehr stark gefühlt. Dieses Gefühl ist im Laufe des Turniers immer weiter gewachsen. Wir wussten schon vor dem ersten Spiel, dass wir eine Gruppe mit richtig guten Spielern sind. Das Entscheidende war aber, dass wir auch als Team stark waren.“

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Das war also das Geheimnis Ihrer Dominanz? „Ja. Wir haben alle zusammen angegriffen und alle zusammen verteidigt. Jeder hat sein Bestes für die Mannschaft gegeben. Das hat sich auf und neben dem Platz wie in einer Familie angefühlt. Die Top-Qualität der einzelnen Spieler hat dann ihr Übriges getan. Am Ende haben wir etwas Historisches geschafft: Wir sind gegen die besten Nationalteams in Europa ohne Gegentor geblieben. Und so etwas ist eben nur möglich, wenn sehr gute Spieler als Mannschaft funktionieren.“

Vergleich mit Yamal und Cubarsí – Druck oder Motivation?

Sie sprechen von Toptalenten wie sich oder Thiago Pitarch (18/16 Profispiele für Real Madrid). Theoretisch hätten auch die Barça-Stars Lamine Yamal (19) und Pau Cubarsí (19) bei der U19-EM mitspielen können – die beiden sind aber bereits Stammspieler bei der A-Nationalelf. „Das ist unglaublich. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie unser Team gespielt hätte, wenn die beiden auch noch dabei gewesen wären (lacht) – sie hätten uns noch viel besser gemacht. Aber sie sind eben schon so gut, dass sie für die A-Nationalelf wichtig sind.“

Setzt es Sie unter Druck, dass zwei Spieler in Ihrem Alter bereits Stammspieler bei einer Herren-WM sind? „Nein, weil ich weiß, dass Lamine und Pau zwei Ausnahmespieler sind – und das, was sie schon erreicht haben, ist die absolute Ausnahme. Das ist nicht normal. Ich sehe die beiden als Motivation. Ich habe auch das Ziel, es in die A-Nationalelf zu schaffen. Lamine und Pau zeigen mir, dass das schon in jungen Jahren möglich ist. Mir ist aber klar, dass das nicht bei jedem mit 17 oder 18 Jahren geht. Das ist auch gar nicht nötig. Es ist auch eine große Leistung, etwas später dorthin zu kommen, wo die beiden jetzt sind.“

Training mit den Superstars und die goldene Generation

Sie haben bei den Barça-Profis zuletzt täglich mit Yamal und Cubarsí trainiert. Wie ist das? „Ich bin immer noch total begeistert, wenn ich sie beim Training sehe. Das sind Spieler mit einer unfassbaren Qualität, von denen es weltweit nur ganz wenige gibt. Ich kann extrem viel von ihnen lernen, obwohl sie genauso alt sind wie ich – das sagt schon alles.“

Die spanische A-Nationalelf ist amtierender Europameister, steht mit Yamal und Cubarsí im WM-Halbfinale gegen Frankreich. Ihre U19 gilt spätestens seit dem EM-Titel als nächste goldene Generation. Hat Spanien das Zeug, den Weltfußball jahrelang zu dominieren? „Wir haben bei der U19-EM gezeigt, dass mit uns eine richtig, richtig starke Generation nachkommt. Ich bin sicher, dass wir in Zukunft weiter Großes erreichen können – auch, weil viele Spieler der aktuellen A-Nationalelf wie eben Lamine oder Pau, aber auch Pedri (23 Jahre) noch sehr jung sind. Dieses Potenzial müssen wir allerdings immer wieder aufs Neue beweisen und uns Schritt für Schritt weiterentwickeln. Für unser Team von der U19-EM steht nächstes Jahr erstmal die U20-WM an.“

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Systemtreue: Spaniens U19 spielt wie die A-Nationalelf

Es fällt jetzt schon auf, dass Ihre U19 einen ähnlich dominanten Fußball spielt wie die A-Nationalelf. „Das ist kein Zufall. Der spanische Verband will und fördert, dass alle spanischen Nationalteams einen sehr ähnlichen Fußball spielen. Damit sind gerade alle unsere Mannschaften erfolgreich – zeitgleich bereitet das uns junge Spieler optimal auf die A-Nationalelf vor. Wer es dorthin schafft, weiß sofort, was von ihm erwartet wird.“

Flexibilität als Trumpf: Mittelfeld oder Rechtsverteidiger

Zu Ihnen: Bei der U19-EM haben Sie als Lenker im Mittelfeld agiert, wurden auf dieser Position ins Team des Turniers gewählt. Bei den Barça-Profis wurden Sie bislang als Rechtsverteidiger eingesetzt. Wo fühlen Sie sich denn am stärksten? „Ich habe in der Jugend lange im Mittelfeld gespielt. Nach der U15 wurde ich aber immer wieder als Außenverteidiger eingesetzt. Bei den Profis hat mich jetzt auch Hansi Flick als Rechtsverteidiger spielen lassen. Mir war und ist es gleich, wohin ich gestellt werde. Ich will einfach spielen und mein Bestes fürs Team geben – egal, auf welcher Position. Ich bin für jede Chance total dankbar – bei den Profis erst recht. Deswegen sehe ich es auch als Vorteil, auf zwei Positionen spielen zu können. Dadurch habe ich mehr Chancen, zum Einsatz zu kommen.“

Flicks Lob und die Bedeutung für Espart

Profi-Coach Hansi Flick hat Sie kürzlich wegen Ihrer Flexibilität und Spielweise mit Philipp Lahm (42) verglichen. „Ich habe das direkt nach einem Training mit den Profis gelesen und war dann erstmal baff. Unter Hansi Flick mit der ersten Mannschaft von Barça trainieren und spielen zu können, ist schon ein wahr gewordener Traum für mich. Dass ein so erfolgreicher Trainer dann auch noch sagt, dass ihn meine Spielweise an Philipp Lahm erinnert, ist für mich eine riesige Ehre. Wir reden schließlich von einer absoluten Legende, die für große Teams extrem wichtig war – auch wegen der Flexibilität. Daran kann ich mir ein Beispiel nehmen.“

Wie ist es, von Flick trainiert zu werden? „Das ist schon besonders – und das nicht nur, weil er mich fußballerisch besser macht. Er hilft mir auch mit seiner Persönlichkeit. Er ist total nahbar, kümmert sich auch auf der menschlichen Ebene um mich. Ich erinnere mich noch daran, wie nervös ich vor meinem Profi-Debüt war. Das war im März beim Achtelfinal-Hinspiel der Champions League bei Newcastle (1:1). Hansi hat mir all diese Nervosität mit zwei Sätzen genommen. Er sagte nur: ‚Spiel wie immer, ich vertraue dir.‘ Das hat mir eine große Sicherheit gegeben. Danach konnte ich das Spiel einfach genießen. Das war wie in einem Traum!“

Zukunftspläne: Leihe oder Verbleib bei Barça?

Wie geht es bei Ihnen in der neuen Saison weiter? Es soll viele Interessenten für eine Leihe geben – auch aus der Bundesliga. „Ich weiß, dass ich möglichst viel spielen muss, um mich weiterzuentwickeln. Die Bundesliga ist als eine der besten fünf Ligen Europas natürlich attraktiv. Mein Traum und Ziel ist es aber, auch in der kommenden Spielzeit bei den Barça-Profis zu bleiben. Dafür habe ich nach dem Finale der U19-EM am Samstag auf meinen Urlaub verzichtet und bin direkt am Montag wieder in die Vorbereitung bei Barça gestartet. Ich will meine gute Form nutzen, um Hansi Flick zu zeigen, wie sehr ich um meine Chance kämpfen möchte. Nach der Vorbereitung werden wir dann mit dem Klub und dem Trainerstab final entscheiden, was für das Team und meine Entwicklung das Beste ist.“