Die größte Hürde auf dem Weg zu Jürgen Klopp als neuem Bundestrainer ist genommen: DFB-Präsident Bernd Neuendorf hat sich nach dpa-Informationen bei einem Gipfeltreffen mit Red-Bull-Chef Oliver Mintzlaff in München geeinigt. Damit sind die letzten Hindernisse für einen Wechsel Klopps von Red Bull zum Deutschen Fußball-Bund aus dem Weg geräumt. Details zu den Ergebnissen des Treffens wurden nicht bekannt.
Klopp soll 13. Bundestrainer werden
Klopp kann den vakanten Top-Job übernehmen, der nach dem frühen WM-Aus gegen Paraguay und dem Rücktritt von Julian Nagelsmann frei ist. Er würde damit der 13. Chefcoach der Nationalmannschaft. Vor einer offiziellen Verkündung müssen jedoch noch die zuständigen DFB-Gremien zustimmen. „Ein möglicher Vertrag muss final in einer gemeinsamen Sitzung von Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung der DFB GmbH und Co. KG beschlossen werden“, hatte der Verband bereits nach dem Treffen von Neuendorf und Vizepräsident Hans-Joachim Watzke mit Klopp am vergangenen Samstag in New York klargestellt.
Kompensation für Red Bull noch unklar
Mit Mintzlaff dauerte die Klärung nur einen Sitzungstag. Zu welchen Bedingungen Red Bull Klopp aus seinem bis 2029 datierten Vertrag als Head of Global Soccer entlässt, ist noch nicht bekannt. Diskutiert wird, ob Klopp auch als Bundestrainer für Red Bull tätig sein kann oder eine Ablöse fällig wird. Der DFB wollte eine Ablöse möglichst vermeiden. Zuletzt hieß es, dass es nicht um eine Abfindung in Millionenhöhe gehe, sondern eher symbolische Aktivitäten mit Klopp als Repräsentant möglich wären. Ein entsprechendes Statement blieb nach dem Treffen zunächst aus.
Nächster Schritt: Klopp trifft Mintzlaff beim WM-Finale
Die Zusammenkunft mit Mintzlaff war der nächste Schritt im Klopp-Fahrplan des DFB. „Beide Seiten sind zuversichtlich, dass die Verhandlungen – vorbehaltlich einer Einigung mit Klopps derzeitigem Arbeitgeber Red Bull – letztlich erfolgreich abgeschlossen werden können“, hieß es in einer Mitteilung des Verbandes. Erwartet wird auch eine direkte Zusammenkunft von Klopp mit Mintzlaff, die jedoch nicht mehr maßgeblich für das grundsätzliche Zustandekommen des Deals sein dürfte. Mintzlaff soll zum WM-Finale am Sonntag (21.00 Uhr/ZDF und MagentaTV) in East Rutherford reisen, wo Klopp als Experte von MagentaTV seinen WM-Hauptsitz hat. Eine finale Einigung scheint schon vorher möglich. Eine Präsentation Klopps als Bundestrainer könnte bereits in der kommenden Woche nach seiner Rückkehr nach Deutschland stattfinden.
BVB-Chef: Klopp ist „Rundum-Problemlöser-Paket“
Sportchef Lars Ricken von Klopps ehemaligem Arbeitgeber Borussia Dortmund sieht nach der erneut verkorksten Weltmeisterschaft besonders die Bundesliga-Vereine in der Pflicht. Klopp als wahrscheinlich künftiger Bundestrainer sei zwar das „Rundum-Problemlöser-Paket“, doch könne er allein nicht der Heilsbringer des deutschen Fußballs sein, sagte Ricken beim BVB-Trainingsauftakt. „Der Nationaltrainer ist dafür verantwortlich, dass die Spieler, die er zur Verfügung hat, das maximale Ergebnis rausholen“, führte Ricken aus. „Für die Ausbildung der Spieler kann der DFB natürlich gewisse Leitplanken vorgeben. Aber letztendlich sind wir als Vereine dafür verantwortlich und in der Pflicht, die Spieler so auszubilden, dass sie auch bei einer Weltmeisterschaft den Unterschied machen.“
Klopps Karriere: Von Mainz bis Liverpool
Klopp war nach vielen Jahren als Vereinstrainer seit Januar 2025 für Red Bull tätig. Der Job des Nationaltrainers wäre Neuland für ihn. Klopp führte den FSV Mainz 05 in die Bundesliga (2004). Mit Dortmund wurde er zweimal deutscher Meister (2011, 2012) und einmal DFB-Pokalsieger (2012). 2015 wechselte er zum FC Liverpool, den er als Chefcoach zum Meistertitel (2020) und Pokalsieg (2022) führte. Sein größter Triumph gelang ihm 2019 mit dem Gewinn der Champions League. Die ersten vier Länderspiele der kommenden Saison finden zwischen dem 24. September und 4. Oktober statt: Nations-League-Partien in den Niederlanden, zweimal gegen Griechenland und gegen Serbien. Klopp hätte ausreichend Zeit, mit potenziellen Stützen des Neustarts wie DFB-Kapitän Joshua Kimmich zu sprechen.



