Der FC Bayern München ist am Sonntag auf der südkoreanischen Insel Jeju gelandet – und wurde dort von Fans frenetisch empfangen. Schon am Flughafen warteten kreischende Anhänger auf Manuel Neuer, der zusammen mit seinen Teamkollegen in ein Nobelhotel gebracht wurde, wo die Jagd auf Autogramme weiterging. Besonders gefragt war Innenverteidiger Minjae Kim, der in seiner Heimat als Idol gilt. Die Stimmung war ausgelassen, doch die Reise hat auch einen ernsten Hintergrund: Die Münchner absolvieren dort die erste Station ihrer diesjährigen Audi Summer Tour, ehe es am Mittwoch nach Hongkong weitergeht.
Sechs Trainingseinheiten unter schwierigen Bedingungen
Kaum gelandet, setzte Trainer Vincent Kompany ein deutliches Zeichen: Bei 30 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit stand direkt die erste von sechs geplanten Einheiten auf dem Programm. Der elfeinhalbstündige Flug hatte die Mannschaft zuvor gefordert, doch der Belgier will die Zeit in Fernost nutzen, um die Fitness weiter zu verbessern. Nach dem viertägigen Trainingslager am Tegernsee kommen dabei auch drei weitere WM-Rückkehrer hinzu, die das Team auf den nächsten Anlauf zum Triple einstimmen sollen.
Neuzugänge: Einer fehlt, einer ist dabei
Personell gibt es jedoch einige Besonderheiten. Der rund 50 Millionen Euro teure Neuzugang Ismail Saibari vom PSV Eindhoven blieb aufgrund einer Verletzung, die er sich beim WM-Auftritt Marokkos zugezogen hatte, in München. Dafür stieg der ebenfalls in dieser Größenordnung verpflichtete deutsche Nationalspieler Nathaniel Brown am Sonntagmittag in den Charterflieger. Dessen Lackierung war nicht rot-weiß, sondern blau-weiß gestreift – was einige Fans an Bord weniger erfreute.
Am Dienstag (13 Uhr) treffen die Bayern im ersten Test auf den südkoreanischen Klub Jeju SK FC, am Freitag (14 Uhr) geht es in Hongkong gegen den Europa-League-Sieger Aston Villa. Asien ist damit das fünfte Ziel der Audi Summer Tour, während die Münchner bisher fünfmal in die USA reisten. In Südkorea und Hongkong war der Klub jeweils bereits einmal zu Gast.
Kritik an der Konkurrenz in der Bundesliga
Abseits des Platzes nutzten die Verantwortlichen die Reise für deutliche Worte. „Ich habe ja letztes Jahr öfter davon gesprochen, wie die Klub-WM für uns ein toller Faktor war, weil die Gruppe eben sehr lange zusammen war und Turniere gespielt hat. Jetzt ist es quasi die Audi-Sommertour, die wir spielen“, erklärte Sportvorstand Max Eberl. Man wolle die Bundesliga nach außen vertreten, sagte er. „Wir wollen die Bundesliga nach außen vertreten und deswegen ist diese Reise einfach ein toller Trip.“ Zugleich kritisierte er die Liga-Rivalen: Nur wenige deutsche Klubs seien international unterwegs. Leipzig reiste nach Südafrika, Dortmund nach Tokio, Paderborn im September in die USA – das sei zu wenig. „Die Bundesliga soll ja auch internationaler werden“, betonte Eberl.
Wirtschaftliche Interessen und Präsenz vor Ort
Vorstandschef Jan-Christian Dreesen betonte den ökonomischen Aspekt. „Der ökonomische Hintergrund ist, neue Märkte zu erschließen oder in solchen, von denen wir überzeugt sind, breiter zu werden. Das ist kein Kurzstreckenlauf, das ist ein anstrengender, mindestens normaler Marathon, wenn nicht zwei Marathons nacheinander“, sagte Dreesen. Um in einem Land Fuß zu fassen, Geschäfte zu machen und lokale Sponsoren zu gewinnen, brauche es Präsenz des Klubs und Attraktivität des Fußballs. Die Bayern unterhalten bereits Büros in New York, Shanghai, Bangkok und Seoul. „Bis Sie in einem Land Fuß fassen, bis Sie dann dort auch Geschäft machen, bis Sie lokale, regionale Sponsoren akquirieren können, dazu gehört Präsenz von Ihnen als Klub, aber auch Attraktivität von Fußball“, ergänzte der Vorstandschef.
Fehlende Stars und die Chance für den Nachwuchs
Für die Fans vor Ort ist es derweil schade, dass einige bekannte Gesichter fehlen. Michael Olise und Harry Kane sind nach dem WM-Urlaub noch nicht dabei, auch Dayot Upamecano beginnt erst nach der Asien-Reise wieder mit dem Training. Dafür stiegen die WM-Rückkehrer Konrad Laimer, Josip Stanisic und Luis Díaz – letzterer mit blondierten Haaren – in Südkorea in den Bus. Serge Gnabry, Lennart Karl und Jamal Musiala arbeiten derweil in München an ihren Reha-Plänen.
Die Abwesenheit einiger Stars könnte sieben Nachwuchsspielern im Kader die Möglichkeit geben, sich für höhere Aufgaben zu empfehlen. Und auch Minjae Kim sorgt vor Ort für zusätzliche Aufmerksamkeit. Auf die Frage, ob ein Chinese für noch mehr Begeisterung in Asien sorgen könnte, antwortete Dreesen: Solche Überlegungen seien nicht die Vorgehensweise des Klubs. Entscheidend seien nicht Nation oder Herkunft, sondern die Qualität und ob der Spieler passe. Mit Kim, Laimer, Stanisic und Díaz stehen gleich mehrere Spieler im Fokus, die sich in der kommenden Saison beweisen wollen.



