Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 kommt es zu einer historischen Premiere: Erstmals stehen sich im Halbfinale die vier bestplatzierten Nationen der FIFA-Weltrangliste gegenüber. Frankreich (Platz 1) trifft auf Spanien (Platz 3), und Argentinien (Platz 2) duelliert sich mit England (Platz 4). Dieses Aufeinandertreffen der Giganten ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer bewussten Entscheidung des Fußball-Weltverbandes (FIFA).
Setzliste sorgt für Favoriten-Duelle
Die FIFA führte eine Setzliste ein, ähnlich wie sie aus Tennisturnieren bekannt ist. Ziel war es, die besten Teams möglichst weit auseinanderzuhalten, damit sie erst im Finale aufeinandertreffen. „Im Interesse eines Wettbewerbsgleichgewichts“, so die offizielle Begründung, wurden die Gruppensieger der vier Top-Teams in verschiedene Viertel des Turnierbaums eingeteilt. „Dadurch wird sichergestellt, dass die beiden am höchsten platzierten Teams – sofern sie ihre Gruppen gewinnen – nicht vor dem Finale aufeinandertreffen.“
Diese Regelung wurde bereits vor der Auslosung der WM-Gruppen im Dezember festgelegt. Damals führte noch Spanien die Weltrangliste an, gefolgt von Argentinien, Frankreich und England. Zwar haben die Nationen zwischenzeitlich die Plätze getauscht, doch alle vier erfüllten die Erwartungen und gewannen ihre Gruppen. Dadurch blieben sie sich in der K.o.-Phase zunächst aus dem Weg.
Top-Teams dominieren, Außenseiter chancenlos
Während die Top Vier bis zum Viertelfinale vor allem gegen Underdogs antraten – mit Ausnahmen wie England gegen Mexiko im Achtelfinale und Norwegen im Viertelfinale –, scheiterten andere starke Nationen frühzeitig. Das DFB-Team verlor bereits im Sechzehntelfinale gegen Paraguay, Brasilien und die Niederlande schieden ebenfalls aus, bevor sie auf eines der Top-Teams trafen. Seit der Einführung der FIFA-Weltrangliste im Jahr 1993 hatte es immer mindestens ein Team außerhalb der Top Vier ins Halbfinale geschafft, darunter Kroatien dreimal (1998, 2018, 2022). Diese Serie ist nun gerissen.
FIFA profitiert von Knaller-Duellen
Die FIFA kann sich über hohe Einschaltquoten und weltweite Aufmerksamkeit freuen. Die Setzliste ist kein Novum im Fußball; auch die UEFA wendet sie in der Champions League an. Für das DFB-Team und andere früh gescheiterte Nationen sind die Ergebnisse dieser WM jedoch alarmierend. Die vier Halbfinalisten werden ihren Vorsprung in der Weltrangliste weiter ausbauen, da es für Siege bei Weltmeisterschaften besonders viele Punkte gibt – ab dem Viertelfinale den Höchstwert. Deutschland ist auf Platz zwölf abgerutscht.
FIFA-Präsident Gianni Infantino plädiert bereits für eine Aufstockung auf 64 Teams bei der WM 2030. Sollte dies umgesetzt werden, könnten noch mehr Teams im Turnierverlauf gesetzt werden. Je niedriger die Platzierung in der Weltrangliste, desto schwieriger wird der Weg durch das Turnier. Die Dominanz der Top-Nationen droht sich zu verfestigen.



