Hainer erleichtert: „Aberwitzige FIFA-Investorenpläne vom Tisch“
Hainer: „Aberwitzige FIFA-Pläne vom Tisch“

Kurz vor dem Abflug der Münchner Fußballprofis nach Südkorea hat Bayern-Präsident Herbert Hainer das Aus für die FIFA-Investorenpläne kommentiert – und dabei mit deutlichen Worten nicht gespart. „Es ist ein Glück, dass dieser Spuk so schnell vorbeigegangen ist wie er gekommen ist, und dass diese aberwitzige Idee vom Tisch ist“, sagte der 72-Jährige am Rande der Abreise zur Asien-Tour des Rekordmeisters.

FIFA macht Kehrtwende

Der Weltverband hatte in der Nacht zum Samstag überraschend bekannt gegeben, die Pläne zu beenden, Anteile an den kommerziellen Rechten seiner Wettbewerbe – darunter die Männer- und Frauen-WM sowie die Club-WM – an private Investoren zu verkaufen. Die Entscheidung folgte auf massiven Druck aus der Fußballwelt. „Man muss jetzt sicherstellen, dass so eine Idee nicht mehr auf den Tisch kommt“, forderte Hainer.

Der frühere Adidas-Chef, der den FC Bayern seit 2019 als Präsident führt, zeigte sich dabei auch solidarisch mit der Europäischen Fußball-Union UEFA. Deren Kritik hatte zuletzt vor allem auf die mangelnde Transparenz der FIFA abgezielt. „Dieser Vorgang ist eigentlich unglaublich, dass niemand eingeweiht war vorher von den ganzen Verbänden, und das über Nacht auf den Tisch kam“, so Hainer.

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Grundprinzipien des Fußballs in Gefahr?

Für Hainer ist der Vorstoß der FIFA auch eine grundsätzliche Warnung gewesen. „Fußball muss Fußball bleiben“, betonte er. „Die FIFA hat als oberster Dachverband die Aufgabe, den Fußball zu organisieren. Und wenn Fremdinvestoren mitbestimmen wollen, dann besteht immer die Gefahr, dass an den Grundprinzipien und Grundstrukturen des Fußballs angegriffen wird und dass man sich vergreift.“ Als Beispiele nannte er Anstoßzeiten oder sogenannte Hydration Breaks – die dreiminütigen Trinkpausen, die bei der vergangenen WM in den USA, Kanada und Mexiko erstmals in jedem Turnierspiel eingeführt wurden.

Solche Details seien für die Identität des Sports entscheidend und dürften nicht Renditeerwartungen externer Geldgeber geopfert werden, mahnte der Klubchef. Es gehe nicht nur um direkte Eingriffe, sondern auch um die langfristige Kontrolle über die Entwicklung des Spiels.

Breite Kritik an den Plänen

Die Investorenpläne der FIFA hatten in den vergangenen Wochen europaweit für Empörung gesorgt. Zahlreiche nationale Verbände, Profiligen und Spielergewerkschaften hatten gewarnt, dass ein Teilverkauf der kommerziellen Rechte die Unabhängigkeit des Fußballs gefährden würde. Auch die UEFA hatte mit einem offiziellen Schreiben reagiert und einen Vertrauensverlust beklagt.

Dass die FIFA nun eingelenkt ist, wertet Hainer als Erfolg für alle, die den Fußball schützen wollen. „Jetzt muss man daraus die richtigen Lehren ziehen“, sagte er. Der Vorstand des FC Bayern sei sich seiner Verantwortung bewusst und werde sich weiterhin in die Debatte einbringen.

Bayern als Mahner

Der FC Bayern München gilt traditionell als eine der einflussreichsten Stimmen im Weltfußball. Hainer, der zuvor viele Jahre als Vorstandsvorsitzender des Sportartikelherstellers Adidas tätig war, kennt die Mechanismen des globalen Sportbusiness aus erster Hand. Sein Plädoyer gegen Investorenbeteiligungen an den FIFA-Wettbewerben dürfte daher auch international aufmerksam wahrgenommen werden.

Gleichzeitig verwies Hainer auf die anstehenden Herausforderungen: die dichten Terminpläne der Spieler, die wachsende Zahl an Wettbewerben und die Notwendigkeit, die Fans mitzunehmen. „Wir dürfen nicht zulassen, dass der Fußball zu einem reinen Produkt wird“, warnte er.

Asien-Tour beginnt

Für die Münchner Profis beginnt derweil die Reise nach Südkorea, wo der Klub im Rahmen seiner Asien-Tour Testspiele und Marketing-Termine absolvieren wird. Hainer reist mit – und wird sich dort auch mit internationalen Verbandsfunktionären austauschen. Die Debatte um die FIFA dürfte ihn dabei weiter beschäftigen. „Wir werden wachsam bleiben“, kündigte er an. „Der Fußball gehört den Menschen, nicht den Anlegern.“

Mit der Entscheidung der FIFA ist das Kapitel vorerst beendet – doch Hainer macht klar, dass es sich nur um einen Etappensieg handelt. „Die Idee ist vom Tisch, aber die Diskussion um die richtige Ordnung im Weltfußball wird uns noch lange begleiten“, sagte der 72-Jährige.

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