Genau eine Woche vor dem Saisonauftakt bei Energie Cottbus hat Hannover 96 offenbar alle personellen Fragen geklärt. Trainer Christian Titz (55) wird die Startelf, die beim 3:0-Erfolg im letzten Härtetest gegen den niederländischen Erstligisten PEC Zwolle überzeugte, aller Voraussicht nach auch im ersten Pflichtspiel der neuen Spielzeit auflaufen lassen. Damit scheint der Kampf um die Stammplätze in der niedersächsischen Mannschaft vorerst entschieden.
Titz vertraut der Siegerelf vom Zwolle-Test
Alle Zeichen deuten darauf hin, dass Titz die Formation vom 3:0 gegen Zwolle unverändert lässt. Der deutliche Sieg gegen den niederländischen Erstligisten war der überzeugende Abschluss einer intensiven Vorbereitungsphase. Die Mannschaft präsentierte sich defensiv stabil und offensiv effizient – Eigenschaften, die auch in Cottbus gefragt sein werden. Das hat klare Konsequenzen für einige Akteure, die sich in der Vorbereitung Hoffnungen auf einen Startelfplatz gemacht hatten. Besonders hart trifft es Ime Okon (22). Der südafrikanische Verteidiger, der mit seiner Nationalmannschaft an der Weltmeisterschaft teilnahm, kehrte erst nach dem Turnier aus dem Urlaub zurück. Für ihn bleibt in Cottbus zunächst nur die Rolle des Jokers – die fehlende Fitness nach der Auszeit macht einen Einsatz von Beginn an unmöglich.
Auch im Mittelfeld gibt es einen Verlierer. Franz Roggow (24) konnte in der Vorbereitung zwar durch überzeugende Auftritte auf sich aufmerksam machen, doch für einen Platz in der ersten Elf reicht es nicht. Der zentrale Mittelfeldspieler muss sich mit der Rolle des Herausforderers zufriedengeben und darauf hoffen, im Laufe der Saison seine Chance zu bekommen. Im Sturmzentrum führt kein Weg an Benjamin Källman (28) vorbei. Der Angreifer ist gesetzt, auch wenn dies mit der Verfassung von Benedikt Pichler zusammenhängt: Der 29-Jährige ist nach seiner langen Leidenszeit noch weit von hundert Prozent entfernt.
Die wahrscheinliche Startelf in Cottbus
Nach den Erkenntnissen der Vorbereitung wird die Anfangsformation in Cottbus wie folgt aussehen: Loretz – Hugonet, Tomiak, Allgeier – Neubauer, Thordarson, Taibi, Oudenne – Bundu, Källman, Gindorf. Dieses System vertraut auf eine Mischung aus Erfahrung und jungen Talenten, die zuletzt in den Testspielen überzeugen konnte. Mit dieser Elf schickt Titz eine Mischung aus Routine und frischem Wind auf den Platz. Die Abwehrreihe um Hugonet, Tomiak und Allgeier steht dabei vor der Aufgabe, die Angriffe der Gastgeber frühzeitig zu unterbinden. Im Mittelfeld sorgen Neubauer, Thordarson, Taibi und Oudenne für Stabilität und Kreativität. Offensiv ist mit Bundu, Källman und Gindorf genügend Tempo und Durchschlagskraft vorhanden, um die Abwehr des Aufsteigers vor Probleme zu stellen.
Thordarson neuer Kapitän
Eine weitere wichtige Personalentscheidung ist ebenfalls gefallen: Stefán Thordarson (27) wird die Mannschaft in der neuen Saison als Kapitän auf das Feld führen. Der Isländer, der im Team als „Island-Riese“ bekannt ist, übernimmt die Binde von Enzo Leopold (26), der zu Borussia Mönchengladbach gewechselt ist. Damit setzt Titz auf einen Führungsspieler, der im zentralen Mittelfeld den Takt vorgibt und mit seiner physischen Präsenz eine wichtige Rolle einnimmt. Thordarson soll auf dem Platz nicht nur spielerisch Akzente setzen, sondern auch die Mannschaft führen und die von Boldt geforderte Lautstärke verkörpern.
Boldt fordert lautere und wehrhaftere Auftritte
Trotz der Klärung in der Startelf sieht Sportdirektor Jonas Boldt (44) noch reichlich Arbeit vor dem Duell in Cottbus. „96 war letzte Saison Vierter und das war das beste Ergebnis in den letzten Jahren. Das wird nicht wieder von allein so kommen. Dafür müssen wir wieder sehr viel investieren, um mindestens das und bestmöglich mehr zu erreichen“, betont Boldt. Er hat auch konkrete Verbesserungspotenziale ausgemacht: „Wir haben viel darüber gesprochen, dass wir auch vielleicht ein bisschen lauter sein können, uns ein bisschen mehr wehren können. Fußball spielen können wir, das haben wir oft genug gezeigt.“ Die Worte des Sportchefs machen deutlich, dass trotz der starken Vorsaison keine Selbstzufriedenheit einkehren soll.
Der Auftakt in Cottbus als Gradmesser
Für Hannover 96, das mit dieser Mannschaft den Wiederaufstieg in die Bundesliga anstrebt, ist das erste Pflichtspiel beim Aufsteiger Energie Cottbus mehr als nur eine Pflichtaufgabe. Die Mannschaft muss die in der Vorbereitung gezeigten Leistungen bestätigen und zugleich die von Boldt angemahnten Tugenden wie Lautstärke und Wehrhaftigkeit auf den Platz bringen. Titz steht vor der Aufgabe, aus einem talentierten Kader eine eingeschworene Einheit zu formen, die gegen Cottbus von Beginn an präsent ist. Die Anhänger von Hannover 96 erwarten nach der starken Vorsaison erneut einen Angriff auf die Aufstiegsplätze. Ein erfolgreicher Auftakt in der Lausitz wäre dafür ein wichtiger Baustein. Ob die Startelf dann tatsächlich wie erwartet aufläuft, wird sich am 9. August zeigen.



