Mattuschka zweifelt an Herthas Saisonziel: Einstelliger Tabellenplatz
Hertha BSC: Einstelliger Tabellenplatz als Saisonziel

Wenige Tage vor dem Zweitligastart am Freitag in Bochum (20.30 Uhr, RTL und Sky) hat Hertha BSC sein Saisonziel für die Spielzeit 2026/27 ausgegeben. Die Vorgabe lautet – anders als noch in der Vorsaison – nicht Aufstieg, sondern ein einstelliger Tabellenplatz. Geschäftsführer Peter Görlich (59) formulierte das Ziel gegenüber dem „rbb“ unmissverständlich: „Wir haben ein ganz klares Ziel: ein einstelliger Tabellenplatz mit einer maximalen Ambition nach vorne. Dafür werden wir hart arbeiten und haben hart gearbeitet und fühlen uns damit sehr wohl.“

Damit rückt der Hauptstadtklub von den Aufstiegsfantasien der jüngeren Vergangenheit ab. In der vergangenen Saison hatte Hertha noch mit dem Ziel Bundesliga-Rückkehr gespielt und war mit einem hochkarätig besetzten Kader gescheitert. Am Ende stand Platz 11 – die schlechteste Platzierung seit dem Abstieg. Die neuen Töne sind daher auch als Eingeständnis zu verstehen, dass der Weg zurück nach oben länger dauern wird als erhofft.

Kaderumbruch: 13 Abgänge, nur ein Neuzugang

Die Ausgangslage für die neue Spielzeit ist denkbar schwierig. Der Kader hat einen tiefgreifenden Umbruch erlebt: Insgesamt 13 Spieler haben den Verein verlassen, darunter Leistungsträger wie Fabian Reese, Tjark Ernst, Kennet Eichhorn und Michael Cuisance. Ihnen steht bislang mit Oluwaseun Adewumi von Brighton & Hove Albion nur ein einziger Neuzugang gegenüber – und der ist lediglich ausgeliehen. Das wirft die Frage auf, ob die Mannschaft überhaupt genug Qualität für die ambitionierte Vorgabe besitzt.

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Mattuschka: „Da kann es schnell eklig werden“

Sky-Experte Torsten Mattuschka (45) hat daran zumindest Zweifel. Er hält die Zielsetzung für „sehr mutig“ und verweist auf das schwierige Auftaktprogramm: „Sie haben von den ersten 6 Spielen 4 Auswärtsspiele. Da kann es schnell eklig werden. Wenn man einen einstelligen Tabellenplatz erreicht, ist man Stand jetzt absolut zufrieden. Und das wird schon schwer.“ Dabei hatte Mattuschka Hertha in der Vorsaison noch auf Platz 1 getippt – und lag damit dramatisch daneben. Seine Zurückhaltung vor dieser Saison hat also durchaus Gewicht.

Ein Blick auf die bisherigen Zweitliga-Jahre zeigt zudem: In drei Spielzeiten belegte Hertha die Plätze 7, 11 und 9. Nie stand der Klub am Saisonende auf Platz 5 oder besser. Vor diesem Hintergrund ist das Saisonziel nicht übertrieben, aber auch nicht selbstverständlich.

Kaderlücken: Sturm, Linksverteidigung und offensives Mittelfeld

Trainer Stefan Leitl (48) hat in den vergangenen Wochen immer wieder auf qualitative Lücken im Kader hingewiesen. Vor allem ein torgefährlicher Mittelstürmer und ein erfahrener Linksverteidiger fehlen dem Coach. Auch die Position im offensiven Mittelfeld gilt als unzureichend besetzt. Görlich kündigte gegenüber dem „rbb“ an, dass das Team womöglich noch verstärkt werden könnte: „Wir sind handlungsfähig, wir haben eine klare Strategie und fühlen uns damit sicher und werden an der einen oder anderen Stelle sicherlich auch noch mal nachjustieren können, weil wir es uns erarbeitet haben.“

Görlichs Forderung: „So wie es war, darf es nicht mehr sein“

Der Geschäftsführer stellte zugleich klare Erwartungen an die Mannschaft: „So wie es war, darf es nicht mehr sein. Das ist in vielen Dimensionen so analysiert worden. Wir haben uns aber auch sehr intensiv mit der fußballerischen Ausrichtung beschäftigt.“ Die Spieler müssen sich also auf Veränderungen gefasst machen – sowohl auf dem Platz als auch im Auftreten.

Leitls neue Spielidee: Offensives Pressing mit der Jugend

Trainer Leitl hat die Vorbereitung genutzt, um ein neues Spielsystem einzuführen. Statt passiver Grundordnung sollen die Berliner künftig offensiv pressen und den Gegner früh stören. Beim 2:2-Test gegen den 1. FC Köln zeigte die Mannschaft erste Ansätze dieser Spielidee. Leitl zeigte sich danach zufrieden: „Wir haben unsere Prinzipien durchgezogen. Die Spielidee hat man gesehen, wir haben unsere jungen Spieler reingeworfen, die das hervorragend gemacht haben.“

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Auch Görlich setzt beim Personal auf den internen Weg: „Wir glauben einfach daran, dass der beste Transfer der interne Transfer ist. Wir haben total spannende Jungs hochgezogen. Und die haben auch gegen Köln ihren Mann gestanden.“ Der Verein setzt damit auf Kontinuität und Nachwuchsförderung statt auf teure Neuzugänge – ein klarer Kurswechsel.

Ob diese Strategie trägt, zeigt sich bereits am Freitagabend, wenn Hertha BSC im ausverkauften Ruhrstadion auf den VfL Bochum trifft. 26.000 Zuschauer werden in Bochum erwartet, das Stadion ist ausverkauft. Die Messlatte liegt trotz Umbruch hoch – und die Zweifel von Experten wie Mattuschka sind nicht zu überhören. Hertha muss beweisen, dass die neue Bescheidenheit auch sportlich trägt.