Hertha BSC: Kaderwert von 62 auf 22 Mio. Euro abgestürzt – Ausverkauf in Berlin
Hertha BSC: Kaderwert von 62 auf 22 Mio. Euro abgestürzt

Der Kaderwert von Zweitligist Hertha BSC ist innerhalb weniger Wochen dramatisch eingebrochen: von 62,28 Millionen Euro am Ende der vergangenen Saison auf aktuell 22,08 Millionen Euro (Stand 20. Juli). Diese Zahlen alarmieren Fans und Verantwortliche gleichermaßen. In Berlin herrscht ein beispielloser Ausverkauf. Zwölf Spieler haben den Verein bereits verlassen, darunter Kapitän Fabian Reese (28), der für acht Millionen Euro zu Wolfsburg wechselte. Reese war mit elf Toren und 13 Vorlagen der beste Angreifer der Mannschaft. Auch Torwart Tjark Ernst (23) ging für fünf Millionen Euro zu Feyenoord Rotterdam, das Super-Talent Kennet Eichhorn (16) für neun Millionen Euro zu Leverkusen. Michaël Cuisance (26) wechselte für fünf Millionen Euro zu Lens. Weitere Abgänge sind Toni Leistner (35), Diego Demme (34), Jeremy Dudziak (30), John Brooks (33), Tim Hoffmann (21), Michal Karbownik (25) sowie die Leihspieler Maurice Krattenmacher (20) und Dawid Kownacki (29).

Ursache: Radikaler Sparkurs und Auflagen der Bundesliga

Grund für die Massenflucht ist die neue finanzielle Ausrichtung mit einem radikalen Sparkurs. Hertha steht unter strenger Beobachtung der „Bundesliga“ (vormals DFL), da der Verein drei Jahre in Folge negatives Eigenkapital aufgebaut hat. Zeitweise drohte ein Drei-Punkte-Abzug zur neuen Saison. Der Blitzverkauf von Kapitän Reese noch vor dem Ende des alten Geschäftsjahres am 30. Juni steht vermutlich in diesem Zusammenhang. Hertha muss in dieser Transferperiode einen Überschuss von 15 Millionen Euro erwirtschaften. Aktuell liegt die Transferbilanz bei plus 27 Millionen Euro, abzüglich der Beraterprovisionen.

Der Personaletat wurde von rund 30 auf etwa 20 Millionen Euro reduziert, was zu einer massiven Ausdünnung des Kaders führte. Der aktuelle Kaderwert von 22,08 Millionen Euro ist der niedrigste seit Einführung der Marktwerte im Jahr 2004. Der bisherige Tiefststand lag 2012/13 bei 37,68 Millionen Euro. Zum Vergleich: Der Höchstwert betrug 2020/21 sagenhafte 228,88 Millionen Euro – über 200 Millionen Euro mehr als heute.

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Weitere Abgänge drohen – Kein externer Neuzugang

Der Verlust könnte noch steigen. Marten Winkler (23, Marktwert zwei Millionen Euro) hat seinen Wechselwunsch hinterlegt. Auch Linus Gechter (22, 3,5 Millionen Euro) und Marton Dardai (24, 2,5 Millionen Euro) gelten als Wechselkandidaten. Im Gegenzug hat Hertha als einziger Profiklub Deutschlands keinen einzigen externen Neuzugang verpflichtet. Sieben Talente wurden aus der eigenen Jugend zu den Profis hochgezogen. Der Traditionsverein scheint potenziellen Neuzugängen wenig bieten zu können. Erkundigungen nach Noah Darvich (19/Elversberg), Marcus Mathisen (30/St. Pauli), Deniz Zeitler (19/Hoffenheim II) und Paulo Otávio (31/Al-Sadd) blieben erfolglos.

Trainer Leitl fordert dringend Verstärkung

Trainer Stefan Leitl (48) zeigt sich besorgt: „Es muss jetzt definitiv was passieren. Wir haben schon viele junge Spieler dabei und möchten kein Risiko eingehen. Die Profile sind ganz klar vorgegeben. Jetzt liegt es am Verein, zu handeln.“ Leitl dürfte der größte Leidtragende sein, wenn der Start missglückt. Dringend benötigt wird ein Linksverteidiger. Aktuell wird Filip Brekalo (24/NK Karlovac), Bruder von Hertha-Profi Josip Brekalo (28), bei den Profis getestet. Auch ein Mittelstürmer soll her. Ein Kandidat ist der schwedische Nationalspieler Gustaf Nilsson (29). Sein Verein Club Brügge will den 1,97-Meter-Mann verleihen. Zudem wird ein Torwart gesucht: Florian Kastenmeier (29/vereinslos) war ein Kandidat, bevorzugt aber einen Wechsel ins Ausland.

Hertha kämpft nicht nur finanziell ums Überleben, sondern auch sportlich. Die Fans hoffen auf schnelle Lösungen, um den freien Fall zu stoppen.

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