Bei der Saisoneröffnung von Hertha BSC am Sonntagvormittag auf dem Olympiagelände wurden die Fans erneut enttäuscht: Der Zweitligist verkündete keine neuen Spieler. Während die Profis einzeln von Stadionsprecher Fabian von Wachsmann auf die Bühne gerufen wurden, verschwanden sie schnell wieder – ein Bild mit Symbolcharakter für den Umbruch des Vereins.
Kader im Umbruch: Elf Abgänge stehen null Zugänge gegenüber
Hertha BSC im Sommer 2026 ist eine Mannschaft im Wandel. Elf Spieler aus der Vorsaison haben den Klub bereits verlassen, darunter Fabian Reese, Kennet Eichhorn, Toni Leistner, Michael Cuisance, John Anthony Brooks und Dawid Kownacki. Weitere Abgänge könnten folgen: Torhüter Tjark Ernst, die Innenverteidiger Linus Gechter und Marton Dardai sowie Marten Winkler und Julian Eitschberger gelten als mögliche Verkaufskandidaten.
Sportdirektor Benjamin Weber stand abseits der Bühne im Schatten eines Baumes, als ein Fan ihn ansprach und hoffte, dass Tjark Ernst bleibe. „Das hoffe ich auch“, entgegnete Weber, fügte aber hinzu: „Versprechen könne ich nichts.“ Ein anderer Fan sagte zu Weber: „Gute Arbeit. Wirst du ja nicht oft zu hören bekommen.“
Kein externer Neuzugang – einziger Klub im deutschen Profifußball
Hertha BSC ist der einzige Verein im deutschen Profifußball, der bislang noch keine externe Verpflichtung getätigt hat. Dabei startet die Mannschaft bereits am 7. August mit einem Auswärtsspiel beim VfL Bochum in die neue Saison. Die finanzielle Situation des Klubs ist angespannt: Hohe Ausgaben der Vergangenheit belasten weiterhin den Etat, sodass keine Zugänge aus einer Position der Stärke heraus möglich sind.
Gregor Maskus, regelmäßiger Besucher der Heimspiele, sagte: „Es ist halt Hertha. Keine Neuzugänge, da lässt die Euphorie noch auf sich warten.“ Pascal Wernitz, 34 Jahre alt und seit ebenso langer Zeit Fan, prophezeite: „Ohne Transfers wird es sehr schwierig.“ Annika Wittstock, Dauerkarteninhaberin seit drei Jahren, äußerte „gemischte Gefühle“: „Das Team ist so neu und noch nicht vollständig.“ Linus Fritzbiewur, Dauerkartenbesitzer in der Ostkurve, zeigte sich optimistischer: „Das wird schon noch. Die Stimmung jedenfalls sei bestens.“
Geschäftsführer wirbt um Geduld – Trainer Leitl umstritten
Trotz ungesunder Hitze und erstem Ferienwochenende in Berlin kamen rund 6.000 Fans zur Saisoneröffnung. Die Schlange für Autogramme war auch nach einer Stunde noch 150 Meter lang. Viele hofften offenbar auf eine Verkündung neuer Spieler, doch Geschäftsführer Peter Görlich hatte nichts zu vermelden. Er bat um Unterstützung für den Konsolidierungskurs: „Wir müssen daran glauben, dass die Strategie greift. Dieser Verein hat es verdient, dass wir es seriös und solide machen.“ Görlich räumte ein, dass sich unter den Fans langsam Nervosität breitmache.
Trainer Stefan Leitl, am Ende der Vorsaison nicht unumstritten, wurde bei der Vorstellung auf der Bühne mit vereinzelten „Leitl! Leitl!“-Rufen bedacht. Mittelfeldspieler Paul Seguin, vor einem Jahr als erklärter Wunschspieler von Leitl nach Berlin gekommen, sagte: „Wir haben sehr viel Qualität verloren. Wir werden versuchen, alle ruhig zu bleiben.“ Wie die Achse des Teams in der neuen Saison konkret aussehen wird, bleibt offen – die Mannschaft ist ebenso verunsichert wie die Fans.



