Es ist ein politisches Erdbeben im Weltfußball: Nach dem krachend gescheiterten Teilverkauf der WM steht Gianni Infantino selbst zur Disposition. Der 56-jährige Fifa-Präsident hatte gehofft, im März 2027 in seine dritte und nach den Statuten letzte Amtszeit gewählt zu werden. Doch die Widerstände innerhalb des eigenen Verbands wachsen täglich.
Erst im Sommer sollte der Verkauf von Vermarktungsrechten an private Investoren durchgezogen werden – der Plan platzte. Die Details sind undurchsichtig, aber die Konsequenzen zeichnen sich ab: Das Vertrauen in Infantinos Führungsstil ist nachhaltig beschädigt.
Rebellion in der Fifa-Zentrale
Der Rücktritt des Fifa-Chefberaters unter Protest kam einem Paukenschlag gleich. Doch damit nicht genug: Auch die zweite Führungsebene in Zürich scheint sich von Infantino abgewandt zu haben. Der Fifa-Betriebsdirektor klagt öffentlich über „Täuschung“ und „Verachtung“. Solche Vorwürfe sind Gift für jede Autorität. Die Parallelen zu sterbenden Autokratien sind unübersehbar: Sobald die Angst vor den Konsequenzen schwindet, zerkrümelt die Macht schnell.
Natürlich wird Infantino vorerst versuchen, an seinem Amt festzuhalten. Er ist bekannt für seinen Überlebenswillen und sein taktisches Geschick. Doch die Frage nach seiner Zukunft wird immer dringender.
Unterdessen mehren sich die Zeichen, dass selbst die Mitgliedsverbände das Vertrauen verlieren. Einige Exekutivmitglieder fordern angeblich eine außerordentliche Sitzung, um über das Vorgehen zu beraten. Offiziell dementiert die Fifa, doch die Gerüchteküche brodelt.
Trump denkt über Infantino als UN-Chef nach
US-Präsident Donald Trump soll laut über eine Kandidatur Infantinos für das Amt des UN-Generalsekretärs nachdenken. Die Stelle wird im Januar 2027 vakant. Der Fifa-Boss wurde bereits mehrfach im Oval Office empfangen – eine ungewöhnliche Ehre für einen Fußballfunktionär. Allerdings wäre der Weg zur Wahl steinig: Infantino müsste die Mehrheit der 193 UN-Mitgliedsstaaten überzeugen. Das ist womöglich noch schwieriger, als bei den 211 Fifa-Mitgliedern eine Mehrheit zu organisieren.
Schon jetzt spekulieren Diplomaten in New York, ob Infantino der richtige Kandidat wäre. Seine Bilanz bei der Fifa ist zwiespältig: Einerseits hat er die Verbandsfinanzen massiv erhöht, andererseits stehen immer wieder ethische Fragen im Raum.
Rettung für Traditionsklubs?
Vielleicht wäre es an der Zeit, dass Infantino dem Fußball etwas zurückgibt. Sein Talent zur Geldvermehrung ist unbestritten. In Deutschland warten gleich zwei Traditionsvereine auf einen Retter in der Not: 1860 München, das den Zwangsabstieg in die vierte Liga verkraften muss, und Hertha BSC. Die Berliner haben die 374 Millionen Euro von Investor Lars Windhorst verbrannt und sind nun so klamm wie eine Kirchenmaus.
Hertha hat die letzten Leistungsträger verscherbelt und geht mit einer „besseren Jugendmannschaft“ in die Zweitligasaison. Was für ein ideales Projekt für Infantinos Investorentruppe – zu der auch der Bruder von Trumps Schwiegersohn gehören soll. Allerdings: Sympathien würde Infantino damit wohl kaum gewinnen. Viele Fans halten ihn für den Wegbereiter der Kommerzialisierung des Fußballs.
Und 1860 München? Der einstmalige Bundesligist kämpft um seine Existenz. Ein Engagement von Infantino wäre ein spektakuläres Comeback des Klubs – aber auch ein Risiko.
Klopp als Gegenentwurf
Der personifizierte Gegenentwurf zu Infantino ist Jürgen Klopp. Der neue Bundestrainer übernimmt sein Amt offiziell am 15. August – und gilt als Erlöser einer ganzen Fußballnation. Bei seiner Vorstellung warnte er die Medien: „Wenn ihr euch danebenbenehmt und meine Familie nicht in Ruhe lasst, bin ich weg!“ Diese Drohung zeigt, wie sehr Klopp seine Privatsphäre schützen will.
Kaum waren seine Worte veröffentlicht, tauchte die Zeitschrift „Bunte“ mit dem Titel „Die Klopps ganz privat“ auf. Manche sahen darin bereits eine gezielte Provokation, um Klopp zum Rücktritt zu bewegen. Doch die Sorge erwies sich als unbegründet: Die Story war brav, die Fotos hochoffiziell und keineswegs geeignet, den Bundestrainer zu vergraulen.
Die Episode zeigt, wie schnell Gerüchte und Schlagzeilen ein Klima erzeugen können, das selbst einem erfahrenen Trainer zu schaffen macht. Klopp freilich bleibt souverän.
Stellenanzeige in der Zukunft?
Während Klopp die deutsche Nationalmannschaft formt, muss sich Infantino offenbar nach einem neuen Job umsehen. Der Autor dieses Artikels könnte sich vorstellen, dass schon bald eine Anzeige erscheint: „Ehemaliger Fifa-Präsident sucht neue Betätigung im Fußball. Biete: weltmännisches Auftreten, geniales Geldvermehrungs-Gespür, Investor aus prominentem Clan und beste Beziehungen ins Weiße Haus. Erwarte: Macht und Millionengehalt.“
Ob es tatsächlich so weit kommt, hängt von den nächsten Monaten ab. Die Fifa-Exekutive könnte abwarten, ob sich die Lage beruhigt, oder schon vor dem Wahlkongress einen Befreiungsschlag wagen. Eines steht fest: Infantinos Ära ist angeschlagen – und die Suche nach neuen Aufgaben hat längst begonnen.



