Klopp und der Bundestrainer-Posten: Eine Chronologie der Absagen
Jürgen Klopp, der erfolgreiche Ex-Coach von Borussia Dortmund und dem FC Liverpool, wird seit Jahren immer wieder als Kandidat für den Posten des Bundestrainers der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gehandelt. Doch weder nach dem Ende der Ära von Joachim Löw im Juni 2021 noch nach der Entlassung von Hansi Flick im September 2023 übernahm er. Nach dem blamablen Vorrunden-Aus bei der WM 2022 in Katar und der enttäuschenden EM 2024 im eigenen Land wird nun spekuliert, ob Klopp Nachfolger von Julian Nagelsmann werden könnte. Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) hat Aussagen von Klopp aus den vergangenen Jahren zusammengetragen, die seine Haltung zu dem Amt dokumentieren.
Frühe Absagen: Keine Zeit und kein Interesse
Bereits im August 2018, nach einer schwachen WM der deutschen Nationalmannschaft in Russland, äußerte sich Klopp in der „Welt am Sonntag“ deutlich: „Sollte ich irgendwann einmal gefragt werden, und ich wäre verfügbar, dann würde ich darüber nachdenken. Ob ich mir in der aktuellen Situation, in der ich noch vier Jahre an den FC Liverpool gebunden bin, Gedanken mache, nur weil Deutschland gerade eine schlechte WM gespielt hat? Nein. Ich stehe nicht zur Verfügung.“ Diese klare Absage begründete er mit seinem laufenden Vertrag in Liverpool. Ein Jahr später, im Oktober 2019, sagte Klopp bei MagentaTV: „Stand heute habe ich keine Lust. Ich könnte auch gar nicht hundertprozentig sagen, ob ich der Richtige wäre.“ Er betonte jedoch, dass er über eine Anfrage nachdenken würde, wenn sie käme – aber nicht vorzeitig.
Vertragstreue und Zukunftspläne
Im Juli 2020 bekräftigte Klopp beim TV-Sender Sky seine Bindung an Liverpool: „Ich stehe hier noch vier Jahre unter Vertrag. Aus heutiger Sicht habe ich absolut vor, das auch mindestens zu erfüllen. Ich sage mindestens!“ Nach seiner Zeit als Trainer stellte er sich eine Auszeit vor: „Es ist sinnvoll, einen anderen Blick auf das Leben zu haben und sich nicht am Wochenende im Regen an die Seitenlinie zu stellen und sich mit anderen Trainern oder Mannschaften auseinanderzusetzen.“ Im November 2020 schloss er eine Zukunft als Bundestrainer nicht völlig aus, sagte aber: „In Zukunft vielleicht. Jetzt? Nein. Ich hab keine Zeit, ich habe einen Job – einen ziemlich intensiven Job übrigens. Ich bin mir nicht sicher, ob mich überhaupt jemand gefragt hat, aber falls sie es nicht wissen, ich habe einen Job in Liverpool.“
Ehre und Timing: Die entscheidenden Faktoren
Im März 2021, als die Nachfolge von Joachim Löw konkreter wurde, erklärte Klopp in der „Sport Bild“: „Das wäre ohne Frage eine große Ehre, aber es passt vom Timing her nicht. Ich kann nicht. Es tut mir sehr leid, falls ich Leute damit enttäusche. Aber ich kann nicht einfach aus meiner Verantwortung herausgehen.“ In einem Sky-Interview ergänzte er: „Dass ich gefragt wurde, ist erstmal eine Ehre. Aber ich sage: Nein, ich habe einen Vertrag, und selbst wenn Liverpool mich hier rausschmeißt: Wenn meine Zeit hier rum ist, werde ich erstmal ein Jahr Pause machen.“ Er bekräftigte: „So funktioniert das einfach nicht. Und dementsprechend: nein.“
Loyalität als Hindernis
Im Januar 2023, nachdem Hansi Flick bereits Bundestrainer war, relativierte Klopp in der „Sport Bild“: „Ich habe es schon öfter gesagt: Es ist nicht völlig ausgeschlossen, dass ich irgendwann mal Bundestrainer werde. Aber es muss passen. Und das hat es bisher nicht.“ Im Juli 2023, bei einer Podiumsdiskussion der Unternehmensgruppe Fischer, wurde er noch deutlicher: „Der Nationaltrainer-Job ist und wäre eine große Ehre – das steht völlig außer Frage. Das Problem, das dem Ganzen entgegensteht, ist meine Loyalität. Ich kann Liverpool jetzt nicht einfach verlassen und sagen, ich übernehme mal ganz kurz Deutschland. Das funktioniert nicht und die Anfrage ist ja auch gar nicht da.“
Aktuelle Statements: Kein Gedanke an den Job
Im März 2026, als Julian Nagelsmann bereits im Amt war, sagte Klopp bei MagentaTV: „Im Moment denke ich da natürlich gar nicht drüber nach, es gibt zum Glück auch keinen Grund dafür.“ Im Juni 2026 bekräftigte er: „Ich verstehe, dass mein Name genannt wird. Aber es ist nicht der Moment. Es gibt dazu nichts zu sagen.“ Diese Aussagen zeigen, dass Klopp derzeit keine Ambitionen auf den Bundestrainer-Posten hat – und dass er auch in Zukunft nur dann bereit wäre, wenn Timing und Umstände perfekt passen.



