Oliver Kahn hat Englands Nationaltrainer Thomas Tuchel gegen die anhaltende Kritik verteidigt. Tuchel war nach dem 2:1-Sieg gegen Norwegen im WM-Viertelfinale in die Schusslinie geraten, weil er überwiegend die Fehler seiner Mannschaft thematisierte und weniger den Einzug ins Halbfinale. Dieses findet am Mittwoch um 21 Uhr (MagentaTV, ARD und bei ntv.de im Liveticker) gegen Argentinien in Atlanta statt.
Kahn: Reaktionen verraten mehr über unsere Zeit
„Die Reaktionen folgten sofort. Und sie verraten mehr über unsere Zeit als über den Fußball“, schrieb Kahn auf der Plattform LinkedIn. Er zeigte sich weniger irritiert über Tuchel als vielmehr über die Tatsache, dass überhaupt Fragen danach gestellt werden, warum ein Trainer nach einem Sieg Kritik übt. „Denn sie offenbaren eine Eigenart, die weit über den Sport hinausreicht. Wir glauben, Niederlagen seien der gefährlichste Moment einer Entwicklung. Tatsächlich ist es oft der Sieg“, so der ehemalige Nationaltorhüter.
Der Sieg als Gefahr für Entwicklung
Kahn argumentierte, dass eine Niederlage zur Analyse zwinge, ein Sieg hingegen dazu verführe, auf diese zu verzichten. „Deshalb beginnt die eigentliche Führungsarbeit nicht nach einem verlorenen Spiel, sondern nach einem gewonnenen.“ Tuchel habe keine schlechte Stimmung verbreitet, sondern etwas getan, das im Spitzensport selbstverständlich sein sollte: „Er hat verhindert, dass ein Sieg wichtiger wird als die Wahrheit.“ Der Unterschied zwischen guten und außergewöhnlichen Mannschaften zeige sich nicht nach Niederlagen, sondern nach Siegen.
Gemeinsame Vergangenheit beim FC Bayern
Kahn kennt Tuchel aus ihrer gemeinsamen Zeit beim FC Bayern München. Im März 2023 hatte Kahn in seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender den Trainer Tuchel verpflichtet. Zwei Monate später trennte sich der Verein jedoch von Kahn. Die aktuelle Debatte zeigt, wie unterschiedlich die Wahrnehmung von Traineraussagen im modernen Fußball sein kann.



