Die englische Nationalmannschaft steht vor einem historischen WM-Halbfinale gegen Argentinien. Am Mittwochabend (21 Uhr, ARD/MagentaTV) soll der Traum vom ersten Finaleinzug seit 1966 wahr werden. Doch vor der Partie sorgt ein Streit zwischen Trainer Thomas Tuchel und Matchwinner Jude Bellingham für Wirbel. Nun hat sich Kapitän Harry Kane eingeschaltet und eine deutliche Medienschelte geäußert.
Kane verteidigt Bellingham gegen Medienkritik
Nach dem knappen 2:1-Sieg nach Verlängerung gegen Norwegen hatte Tuchel die Leistung seiner Mannschaft kritisiert („Ich bin mit der Leistung der Spieler nicht zufrieden. Wir haben uns das Spiel selbst unglaublich schwer gemacht.“). Bellingham, der beide Tore erzielt hatte, widersprach daraufhin in einem Interview mit ITV-Journalist Gabriel Clarke: „Aber vielleicht weiß er nicht, wie es ist, unter diesen Bedingungen gegen Erling Haaland, Ødegaard, Nusa, Sörloth zu spielen.“
Diese Aussage sorgte in den englischen Medien für Aufruhr. Vor dem Halbfinale gegen Argentinien äußerte sich Kane nun beim britischen TV-Sender BBC und holte zu einer Medienschelte aus: „Wenn du gerade ein Spiel hinter dir hast – vor allem so ein Spiel – und zwei Minuten nach dem Schlusspfiff eine Frage gestellt bekommst, obwohl du noch gar nicht weißt, was der Trainer gesagt hat: Was soll Jude denn darauf antworten?“
Kane: „Aus vielen Dingen wird einfach mehr gemacht“
Der Kapitän kritisierte die englischen Medien scharf: „Ich glaube, es ist leicht, zu versuchen, Zwietracht zu säen. Das scheint bei großen Turnieren immer wieder eine typisch englische Mentalität zu sein – oder zumindest etwas, das in England ständig gemacht wird.“ Kane betonte: „Aus vielen Dingen wird einfach viel mehr gemacht, als tatsächlich dahintersteckt.“
Die Three Lions stehen nun vor einem entscheidenden Spiel. Ein Sieg gegen Argentinien würde den ersten WM-Finaleinzug seit 58 Jahren bedeuten. 1966 gewann England das legendäre Finale gegen Deutschland mit 4:2 nach Verlängerung und holte den bislang einzigen Weltmeistertitel. Anders als noch vor acht Jahren, als England im Halbfinale gegen Kroatien mit 1:2 nach Verlängerung verlor, soll diesmal der Finaleinzug gelingen.
Tuchel und Bellingham: Ein Missverständnis?
Der Konflikt zwischen Tuchel und Bellingham scheint aus Sicht von Kane überbewertet. Der 32-jährige Stürmer, der in 17 WM-Spielen 14 Tore erzielt hat, sieht keinen tiefgreifenden Dissens. Vielmehr sei die Situation nach dem Spiel aufgeheizt gewesen. Kane, der vor dem Halbfinale auch eine besondere Ehre für David Beckham erwiesen hatte, richtete den Fokus wieder auf das sportliche Ziel.
Die englische Mannschaft ist gewarnt: Argentinien ist ein starker Gegner, der ebenfalls ins Finale will. Mit einem Sieg würde England nicht nur die Kritik verstummen lassen, sondern auch Geschichte schreiben. Ob Tuchel und Bellingham ihre Differenzen beigelegt haben, wird sich auf dem Platz zeigen.



