Bei seiner ersten öffentlichen Vorstellung als Bundestrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft hat Jürgen Klopp am Donnerstag in Frankfurt für Aufsehen gesorgt. Der 59-Jährige sprach über eine Stunde lang und setzte dabei deutliche Akzente in verschiedenen Themenbereichen. Seine Aussagen reichten von persönlichen Warnungen bis hin zu taktischen Andeutungen.
Schutz der Familie und Unabhängigkeit vom Amt
Gleich zu Beginn seiner Ausführungen machte Klopp eine unmissverständliche Ansage: „Wenn ihr euch danebenbenehmt und meine Familie nicht in Ruhe lasst, bin ich weg.“ Damit stellte er klar, dass er persönliche Angriffe, wie sie zuletzt gegen seine Vorgänger Julian Nagelsmann oder Thomas Tuchel vorgekommen waren, nicht tolerieren werde. Der neue Bundestrainer demonstrierte damit auch seine Unabhängigkeit vom Amt. „An dem Tag, an dem ihr das nicht mehr wollt, sagt ihr es und ich bin weg. Ohne Abfindung“, fügte er hinzu. Dies zeigt, dass Klopp nicht erpressbar ist und die Regeln selbst bestimmen will. Gleichzeitig betonte er, bei sportlicher Kritik gerne bereit zu sein, an Verbesserungen zu arbeiten.
Marc Kosicke als Co-Trainer für Strategie, Entwicklung und Innovation
Klopp bringt seinen langjährigen Berater Marc Kosicke mit zum Deutschen Fußball-Bund (DFB). Laut DFB-Präsident Bernd Neuendorf war dies nicht verhandelbar. Der 55-jährige Kosicke ist kein klassischer Co-Trainer, sondern wird vor allem für strategische Konzepte verantwortlich sein. Beide arbeiten seit zwei Jahrzehnten eng zusammen, dieses Vertrauensverhältnis ist für Klopp essenziell. Auch Julian Nagelsmann hatte mit Benjamin Glück einen ähnlichen Wegbegleiter in seinem Team.
Realistische Erwartungshaltung als Schlüssel zum Erfolg
Klopp präsentierte eine eigene Definition von Erfolg: „Erfolg ist Leistung in Relation zur Erwartungshaltung. Und wir brauchen eine realistische Erwartungshaltung.“ Damit stellt er sich gegen überhöhte Ansprüche, die seiner Meinung nach den Druck unnötig erhöhen. Vergleiche mit Spanien, Frankreich oder Argentinien lehnt er ab, da das deutsche Spielermaterial derzeit nicht an diese Topnationen heranreiche. Weltmeister-Ansagen gibt es nicht, allenfalls Weltmeister-Träume. Klopp will seiner Mannschaft den Raum zum „Überperformen“ geben, was Energie freisetzen soll. Niederlagen und Rückschläge werden bereits einkalkuliert, um den Schock gering zu halten.
Fußball kann ein Land verändern
Klopp erinnerte an seine Erfahrungen in Mainz, Dortmund und Liverpool, wo erfolgreicher Fußball die Städte verändert habe. Nun soll dies für ganz Deutschland gelten. Der Bundestrainer setzt auf seine Fähigkeit, Euphorie zu entfachen, und betont die Bedeutung von Positivismus. Ohne die spezielle Klopp-Euphorie werde er nicht weit kommen, so der 59-Jährige. Er verwies darauf, dass guter Wille allein nicht reiche, wie das Beispiel von Bundeskanzler Friedrich Merz zeige.
Keine vorzeitigen Positionsfestlegungen
Auf die Dauerdebatte um Joshua Kimmich (rechts hinten oder zentral) ließ sich Klopp nicht ein. „Ich werde jetzt hier keine Positionen verteilen oder sagen, wo einer nie wieder spielen wird oder wo er jetzt immer spielen wird.“ Stattdessen werde er Gespräche führen und das System in den Vordergrund stellen. Die Einzeldebatte um den Kapitän werde gelöst, wenn es Zeit sei. Klar sei bereits, dass er eine Viererkette und starke Flügel bevorzuge. „Spielen wird, wer sehr gut ist, Riesenbock hat und in dem Moment, wo er das Trikot anzieht, noch ein bisschen besser wird, so ins Fliegen kommt“, sagte Klopp.
Keine Bevorzugung von Dortmund oder Leipzig
Mit einem kleinen Scherz räumte Klopp mit dem Vorurteil auf, er werde aufgrund seiner Vergangenheit Spieler von Borussia Dortmund oder RB Leipzig bevorzugen. „Da fällt mir ein, die Bayern müssen sich keine Gedanken machen...“ Er betonte, dass er auf die besten Spieler setzen werde, und viele dieser Spieler seien nun mal beim FC Bayern München.



