Jürgen Klopp hat am Freitag bei seiner Vorstellung als neuer Bundestrainer der deutschen Männer-Nationalmannschaft einen ersten Eindruck von seinem künftigen Arbeitsplatz erhalten. Der 59-Jährige, der am 15. August offiziell sein Amt antritt und einen Vertrag bis zur WM 2030 unterschrieben hat, machte deutlich, dass er den deutschen Fußball grundlegend verändern will. „Ich möchte nichts außer Acht lassen“, sagte Klopp. „Dinge anschieben, das ist es.“
Parkplatz mit Namensschild und Präsenz in Wiesbaden
Klopp, der seinen Hauptwohnsitz in Wiesbaden hat, freut sich über einen reservierten Parkplatz am DFB-Campus in Frankfurt am Main – mit Namensschild. „Da wird ab und an ein Auto draufstehen“, scherzte er. Der neue Bundestrainer plant, sehr präsent zu sein: „Wer Jürgen holt, kriegt ihn.“
Der DFB kann sich auf einen hoch motivierten Mitarbeiter gefasst machen. Klopp verlangt viel, ist aber auch bereit, viel zu investieren. Sein Ansatz ist ganzheitlich. „Mir geht’s auch nicht nur um die A-Nationalmannschaft“, betonte er. „Besser Fußball spielen sollten wir, aber wir müssen auch ganz viele andere Dinge ändern.“
Neues Trainerteam und Veränderungen im Verband
Klopp wird von einem erweiterten Trainerteam unterstützt: Peter Krawietz (54), Pepijn Lijnders (43), der frühere Nationalspieler Sven Bender (37) sowie Marc Kosicke (55), der seine Tätigkeit als Berater beendet und künftig als Co-Trainer für Strategie, Entwicklung und Innovation fungiert. Ab dem 1. Januar kommt zudem Per Mertesacker (Weltmeister von 2014) als Geschäftsführer Sport zum DFB.
Klopp will nicht nur die Nationalmannschaft verbessern, sondern den gesamten deutschen Fußball. „Das wiederholt unbefriedigende Abschneiden der Männer-Nationalmannschaft hat die Notwendigkeit von Veränderungen vor Augen geführt“, sagte er. „Das ist der Moment, wo man ganz genau hingucken muss.“
Vollgas-Fußball und taktische Ausrichtung
Klopp verspricht einen intensiven, mutigen Spielstil. „Ich war nie ein Trainer, der die Jungs nur durchbewegt und dann nach Hause fährt“, erklärte er. „Wer Gas gibt, wird mit mir viel Spaß haben.“ Sein Fußball, den er selbst als „Vollgasveranstaltung“ oder „Heavy-Metal-Fußball“ bezeichnet, wird weniger zentrumslastig sein als unter Vorgänger Julian Nagelsmann. „Wir werden mit Flügeln spielen“, kündigte Klopp an. „Die Spielmacher der heutigen Zeit sind am Flügel.“ Die Nationalmannschaft werde mit Viererkette agieren, Manndeckung über das ganze Feld werde es nicht geben.
Spielerauswahl und Begeisterung
Zu konkreten Personalfragen äußerte sich Klopp noch nicht, aber er ließ erkennen, dass er mutig sein wird. „Spielen wird, wer sehr gut ist, Riesenbock hat und in dem Moment, in dem er das Trikot anzieht, noch ein bisschen besser wird“, sagte er. „Das könnten auch Spieler sein, die damit jetzt möglicherweise gar nicht rechnen – weil ich gerne mutig bin.“
Die Mannschaft soll die Menschen wieder begeistern. Damit die Leute „nach dem Spiel nach Hause gehen und sagen: Wow, das war cool!“
Erfahrung aus Vereinen und Hoffnung für das Land
Klopp hat bisher nur als Vereinstrainer gearbeitet, aber er will das, was in seinen Klubs funktioniert hat, auf die Nationalmannschaft übertragen. „Ich habe dreimal erlebt, wie erfolgreicher Fußball eine Stadt verändern kann“, sagte er mit Blick auf Mainz 05, Borussia Dortmund und den FC Liverpool. „Und wir sind uns alle einig, dass erfolgreicher Fußball ein Land verändern kann.“
Seine Einflussmöglichkeiten als Bundestrainer mögen beschränkt sein, aber als oberster Trainer des Landes kann er durch seine Idee vom Fußball und durch die Auswahl seiner Spieler den Ton setzen. „Ich habe Lust, mit Jungs zusammenzuarbeiten, die einen Fußball spielen wollen, der allen gefällt“, so Klopp.



