Jürgen Klopp als Bundestrainer vorgestellt: Erste Show mit Wow-Effekt
Klopp-Show als Bundestrainer: Wow-Effekt bei Premiere

Jürgen Klopp hat bei seiner ersten großen Pressekonferenz als neuer Bundestrainer eindrucksvoll klargemacht, dass er den Job auf seine eigene, unverwechselbare Art ausfüllen wird. Der 59-Jährige, der von DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Verbands-Vize Hans-Joachim Watzke als „Wunschkandidat“ präsentiert wurde, ließ keinen Zweifel daran, dass er keine Kompromisse eingehen wird. „Wer Jürgen holt, kriegt ihn“, lautete seine Botschaft an die Fußballwelt.

Klopp als neuer Star der Nationalmannschaft

Nach dem nächsten WM-Flop der deutschen Nationalmannschaft in Amerika ist nicht mehr die Mannschaft der Star, sondern der Trainer. Neuendorf schwärmte von Klopp als „großartigen Motivator“, Watzke betonte, Klopp sei „wie geschaffen für diese Situation“. Klopp selbst erlaubte sich einen Moment der Träumerei, als er auf die Inspiration seiner Vorgänger angesprochen wurde. Franz Beckenbauer habe er „geliebt“, und dem „Kaiser“ und Weltmeister-Teamchef von 1990 möchte er nacheifern.

Klopps Weltmeister-Traum und die Bedeutung für das Land

„Wenn ich ein paar Sekunden die Augen zumache und mir vorstelle, Deutschland wird in vier Jahren Weltmeister“, sinnierte Klopp und hielt kurz inne: „Dann fühlt sich das zum einen echt gut an, denn ich habe eine sehr gute Vorstellungskraft bei solchen Sachen.“ Sein Ansatz ist jedoch größer: Das ganze Land bezieht er in seinen Fußball-Traum ein. „Stellen wir uns vor, es wäre so: Am nächsten Tag wäre der Nachbar nicht mehr so ein Arsch, wie man im Moment denkt. Oder das Wetter wäre nicht so schlecht. Oder Friedrich Merz würde nicht alles falsch machen, obwohl er versucht, alles richtigzumachen.“

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Fußball kann ein Land verändern – das war eine seiner zentralen Botschaften. Als Vereinscoach von Mainz 05, Borussia Dortmund und dem FC Liverpool habe er „dreimal erlebt, wie erfolgreicher Fußball eine Stadt verändern kann“. Mit Fingerschnippen werde das aber nicht gehen, sagte Klopp und schnippte dabei mit Daumen und Zeigefinger.

Kompromissloser Führungsstil und Warnung an die Medien

Bei seinem energetischen Auftritt im Medienraum auf dem DFB-Campus, der mit 15 TV-Kameras und vielen Reportern gefüllt war, wurde deutlich: Klopp gibt die Richtung vor. „Ich werde es nicht allen recht machen“, sagte er zwischendrin. Mit Blick auf die Nationalspieler betonte er: „Wer Gas gibt, wird mit mir Spaß haben.“ Im 60. Lebensjahr will er nicht mehr „Everybody's Darling“ sein. Eine heftige Warnung richtete er an die Medien: „Wenn ihr euch danebenbenehmt und meine Familie nicht in Ruhe lasst, bin ich weg.“ Mit Bezug auf sportliche Kritik sagte er: „An dem Tag, an dem ihr das nicht mehr wollt, sagt ihr es und ich bin weg. Ohne Abfindung. Wenn ihr morgen sagt, der ist scheiße, bin ich weg.“

Vertrag bis 2030 und starkes Trainerteam

Klopp ist mit einem Millionenvertrag bis zur WM 2030 ausgestattet. Seine langjährigen Assistenten Peter Krawietz und Pepijn Lijnders sowie sein Dortmunder Ex-Spieler Sven Bender werden ihm als Co-Trainer zur Seite stehen. „Das beste Trainerteam possible“, schwärmte der Chefcoach. Auch Klopps langjähriger Berater Marc Kosicke wird beim DFB als „externer Mitarbeiter“ eine Schlüsselrolle einnehmen.

Per Mertesacker wird Sport-Geschäftsführer

Im Zuge der Klopp-Präsentation verkündete der Verband eine weitere große Personalie: Ex-Nationalspieler Per Mertesacker, Mitglied des letzten deutschen Weltmeisterteams von 2014, wird zum 1. Januar 2027 die Nachfolge des scheidenden Sport-Geschäftsführers Andreas Rettig antreten. Der 41-Jährige verantwortet die Bereiche Nationalteams und Akademie.

Erste Personal-Liste und Ziele

Im Fokus steht die A-Elf, die Klopp bis zum EM-Turnier 2028 in Großbritannien und Irland wieder konkurrenzfähig machen soll. „Veränderung ohne Aktionismus“ – unter dieses Leitmotiv stellt er sein Wirken als 13. Bundestrainer. 57 Feldspieler hat er auf ein erstes Personal-Tableau geschrieben. „Es ist alles andere als alles schlecht. Wir haben unglaublich viel Talent.“ Über Positionen wie die von Kapitän Joshua Kimmich oder die neue Nummer eins im Tor will Klopp erst später reden. „Ich will relativ zügig mit den Spielern in Kontakt treten“, kündigte er an, auch wenn er offiziell erst am 15. August loslegt.

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Nations League: Erste Spiele im September

Richtig los geht es mit vier Spielen in der Nations League: am 24. September in Amsterdam gegen die Niederlande, drei Tage später in Augsburg gegen Griechenland, am 1. Oktober in München gegen Serbien und zum Abschluss am 4. Oktober mit dem Rückspiel gegen Griechenland in Thessaloniki. Schon dann sollen Ansätze des Klopp-Fußballs zu sehen sein: intensiver als bei der WM, mit Pressing, Viererkette und rasantem Flügelspiel. Außen verortet Klopp „die modernen Spielmacher“. Er wird ein sehr fordernder Coach sein: „Ich habe Lust, mit Jungs zusammenzuarbeiten, die einen Fußball spielen wollen, der allen gefällt.“ Länderspiele sollen wieder Freude machen – „Die Leute sollen nach dem Spiel nach Hause gehen und sagen: 'Wow, das war wirklich cool'!“

Klopps Energie und die Lösung mit Red Bull

Nach zwei Jahren Trainer-Auszeit ist Klopps Akku maximal aufgeladen. „Ich habe Bock“, sagte er. Auch DFB-Chef Neuendorf konnte sich als Gewinner fühlen: Die Verhandlungen mit Klopp und Red Bull, an das der 59-Jährige noch bis 2029 als Head of Global Soccer gebunden war, gestalteten sich herausfordernd. Bei einem Treffen mit Red-Bull-Boss Oliver Mintzlaff wurde eine kreative Lösung gefunden: Der DFB leistet eine Zahlung von einer Million Euro an die Stiftung des Konzerns. Zudem wird es in Leipzig drei Länderspiele bis 2030 geben.