Tamara Korpatsch triumphiert in Hamburg: Erste deutsche Siegerin seit Steffi Graf
Korpatsch gewinnt Hamburg Ladies Open: Erster deutscher Sieg seit 1992

Tamara Korpatsch hat sich einen Kindheitstraum erfüllt und als erste deutsche Tennisspielerin seit Steffi Graf im Jahr 1992 das Heimturnier am Rothenbaum gewonnen. Die 31-Jährige setzte sich im Finale der Hamburg Ladies Open (WTA 250) gegen die ungarische Abo-Finalistin Anna Bondar mit 6:3, 6:3 durch und durfte sich über einen Kristallpokal, Blumen und ein Preisgeld von 32.520 Euro freuen. Durch den Triumph wird sie am Montag in der Weltrangliste um 35 Plätze auf Rang 46 klettern – eine neue persönliche Bestleistung.

Emotionale Momente nach dem Matchball

Nach dem verwandelten Matchball jubelte die Lokalmatadorin vom Club an der Alster ausgelassen: Aus den Lautsprechern dröhnte „Oh, wie ist das schön!“, während Korpatsch strahlend zu ihrer Box lief, ihren Trainer-Papa Thomas und Mama Birgit umarmte und ihrem sieben Monate alten Hündchen Stella einen Kuss gab. „Ich bin einfach super happy“, sagte Korpatsch später. „Ich war vorher richtig aufgeregt und konnte am Samstag kaum einschlafen. Aber auf dem Platz konnte ich die Gedanken wegschieben und locker aufspielen.“

Die Hamburgerin begann stark, führte dank ihrer Vorhand-Peitsche schnell mit 4:1. Im zweiten Satz gelang ihr im fünften Spiel das entscheidende Break. „Beim Matchball habe ich etwas gezittert und realisiert: Oh, nein! Ich kann das hier gewinnen …“ Nach 1 Stunde und 27 Minuten war der Sieg perfekt.

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Ein langer Weg an die Spitze

Turnier-Direktorin Sandra Reichel sprach von einem „Märchen“: „Sie hatte es nie so leicht. Und jetzt zu Hause auf ihrem Center Court zu gewinnen, ist unglaublich.“ Korpatsch galt nie als Supertalent, erhielt keine Förderung vom Deutschen Tennis-Bund (DTB). In den Anfangsjahren reiste sie mit ihrem Vater von Turnier zu Turnier, schlief zeitweise sogar im Auto, um Kosten zu sparen. Während der Corona-Pandemie trainierten sie auf dem Parkplatz eines Möbelhauses. „Sie stand immer etwas im Schatten“, betonte Turnierbotschafterin Andrea Petković. „Jetzt ist es fast zu schön, um wahr zu sein.“

Die letzte Deutsche, die am Rothenbaum gewann, war Steffi Graf 1992 – damals hatte das Turnier noch Master-Status und fand direkt vor den French Open statt. Erst 2021 holten Reichel und ihr Vater Peter-Michael nach 19 Jahren Pause die Frauen zurück. Korpatsch erinnert sich: „Als Kind fragten die Leute immer: Wirst du die nächste Steffi Graf? Es ist eine Ehre, die nächste Deutsche nach ihr zu sein, die hier gewonnen hat. Aber der Titel ist auch wegen meiner Heimatstadt und meinem Heimatklub etwas ganz Besonderes.“

Comeback nach Verletzungen und Krankheiten

Nach ihrem ersten WTA-Titel 2023 in Cluj-Napoca stürzte Korpatsch aufgrund von Verletzungen und Krankheiten bis auf Platz 185 ab. „Es war schwer, sich da rauszuziehen. Ich habe das mit meiner Familie geschafft. Ich bin stolz, dass ich es als einzige Tennisspielerin nur mit meiner Familie bis hierhin geschafft habe – ein harter, langer Weg.“

Bereits am Dienstag reist sie weiter nach Nordamerika, zunächst zum Hartplatzturnier nach Toronto. Eine große Feier gibt es nicht: „Wir gehen essen, und ich bin gespannt, was die anderen für mich vorbereitet haben.“

Turnier-Botschaft: Mehr als Tennis

Neben Korpatschs Sieg feierte die Hamburg Ladies Open auch die Premiere eines ITF-Rollstuhltennis-Turniers sowie zahlreiche Inklusions-Events. Sandra Reichel zeigte sich nach neun Tagen am Rothenbaum müde, aber zufrieden: „Wir sind mehr als ein Tennis-Turnier. Dieses Jahr haben wir gezeigt, wohin die Reise geht. Mir ist wichtig, die Sichtbarkeit des Frauensports zu erhöhen.“ DTB-Präsident Dietloff von Arnim hob die Bedeutung des Turniers als Bühne für Talente hervor: Acht deutsche Spielerinnen erreichten das Hauptfeld – „das ist so wichtig für uns.“

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Allerdings war die Zuschauerkulisse unter der Woche meist überschaubar: Insgesamt kamen rund 20.000 Fans an den Rothenbaum. „Ich fühle mich wie ein Start-up“, so Reichel. „Nach dem Ende des Doppel-Events mit den Herren 2024 müssen wir uns neu finden. Ich bin überzeugt, dass wir viele Samen gesät haben.“ Der Vertrag mit Titelsponsor MSC läuft nach zwei Jahren aus. Verhandlungen mit MSC und der Stadt Hamburg sind für den Herbst geplant. Der Termin für 2027 steht noch offen; Reichel würde gerne eine Woche vorrücken – direkt nach Wimbledon. Die WTA-Entscheidung wird voraussichtlich um die US Open (23. August bis 13. September) fallen.