Lothar Matthäus hat Fifa-Präsident Gianni Infantino für dessen gescheiterte Investorenpläne scharf kritisiert. In seiner Kolumne für den TV-Sender Sky schrieb der Rekordnationalspieler: „Er hat für seine Pläne einen der falschesten Zeitpunkte ever gewählt. Zum anderen gibt es für mich kaum etwas Unsinnigeres als diese Idee.“ Damit reiht sich Matthäus in die wachsende Zahl der Kritiker ein, die nach dem Rückzieher Infantinos dessen Führungsstil und Zukunft in Frage stellen.
Investorenpläne zurückgezogen, Druck bleibt
Infantino hatte geplant, einen Teil der kommerziellen Rechte des Fußball-Weltverbandes, etwa an der Weltmeisterschaft, an Investoren zu verkaufen, um eine Milliardensumme einzunehmen. Nach massivem Widerstand, unter anderem von europäischen Ligen und Verbänden, zog er die Pläne jedoch zurück. Doch die Kritik ebbt nicht ab: Die Europäische Fußball-Union (Uefa) droht Infantino mit rechtlichen Schritten. Laut Medienberichten von „Telegraph“ und „Financial Times“ fordert die Uefa den Fifa-Boss auf, sämtliches Material zum zurückgezogenen Investorenvorhaben nicht zu vernichten. Offenbar will die Uefa Beweise sichern, um mögliche Verstöße gegen Statuten oder Governance-Regeln zu prüfen.
Walisischer Verband entzieht Unterstützung
Der Druck auf Infantino zeigt auch politische Wirkung. Als erster Nationalverband hat Wales öffentlich seine Unterstützung für eine erneute Kandidatur Infantinos entzogen. In einer Erklärung des walisischen Fußballverbands FAW, die Sky News in England zitierte, heißt es: „Die jüngsten Defizite in den Bereichen verantwortungsvoller Verbandsführung, Entscheidungsprozesse, Führung, Werte, Stakeholder-Management, Kommunikation und Urteilsvermögen haben dazu geführt, dass Herr Infantino das Vertrauen des FAW verloren hat, weiterhin an der Spitze des Weltfußballs zu stehen.“
Der serbische Verband zog nach: Man habe Infantino am 25. Mai dieses Jahres zwar schriftlich seine Unterstützung zugesichert, hieß es in einem Schreiben. Diese werde nun aber zurückgezogen. Auch England arbeitet Medienberichten zufolge an einem ähnlichen Brief an die Fifa-Spitze. Infantino wollte sich eigentlich am 18. März 2027 ein letztes Mal für weitere vier Jahre zum Fifa-Präsidenten wählen lassen – ob diese Pläne noch haltbar sind, ist mehr als fraglich.
Matthäus: „Jetzt hat er es übertrieben“
Lothar Matthäus, der als Spieler 150 Länderspiele für Deutschland bestritt, geht in seiner Kolumne noch weiter. Er räumt zwar ein, Infantino habe „einiges richtig gemacht in der Vergangenheit“ und nicht alles sei verkehrt gewesen in seiner Amtszeit, „auch wenn es bei ihm immer ums Geld geht“. Doch dann wird er deutlich: „Aber jetzt hat er es übertrieben. Er ist schlecht beraten worden oder hat sich gar nicht beraten lassen.“ Infantino bekomme „wahrscheinlich jetzt seine Quittung und das, was sich viele seiner Gegner gewünscht haben“.
Mögliche Nachfolger und Zukunft der Fifa
Die gescheiterten Investorenpläne könnten Infantino das Amt kosten. Beobachter sehen zwei Optionen für seine Widersacher: entweder ein Misstrauensvotum oder eine Kampfkandidatur bei der Wahl 2027. Als mögliche Nachfolger werden unter anderem der ehemalige Uefa-Präsident Aleksander Čeferin oder der französische Fußballfunktionär Nasser Al-Khelaifi gehandelt, obwohl letzterer selbst in Kritik steht. Die Fifa selbst hat sich bislang nicht offiziell zu den Rückzugsforderungen geäußert. Klar ist: Die Debatte um Infantinos Führungsstil wird die kommenden Monate dominieren und könnte den Weltfußball grundlegend verändern.



