Michael Olise ist der stille Star der Équipe Tricolore bei der Fußball-Weltmeisterschaft. Während Kollegen wie Kylian Mbappé und Ousmane Dembélé mit protzigen Social-Media-Posts glänzen, bleibt der 24-jährige Offensivspieler abseits des Platzes fast unsichtbar. Auf dem Rasen hingegen dirigiert er das Spiel wie ein Künstler und führt Frankreich mit seinen Visionen an.
Olises Social-Media-Auftritt: Weniger ist mehr
Mit über sieben Millionen Followern auf Instagram könnte Olise problemlos im Rampenlicht stehen. Doch sein Profil zeigt nur vier Beiträge, die wie mit einer Analogkamera aufgenommen wirken: entsättigte Farben, leichte Unschärfen und Lichtreflexe. Statt Luxus und Trophäen setzt er auf eine ruhige, fast künstlerische Ästhetik. „Fußball ist ein großartiger Sport, und deshalb sollte er auch optisch schön sein. Es kann Kunst sein“, erklärte Olise im Interview mit der „L'Équipe“.
Der Anti-Fußballer: Medienpräsenz ist nicht sein Ding
Olise meidet die Öffentlichkeit konsequent. Interviews gibt er kaum, er steht lieber im Schatten. Nationaltrainer Didier Deschamps bestätigt: „Medienpräsenz ist nicht sein Ding. Wichtig ist für ihn das Spielfeld, danach will er sein Leben haben.“ Selbst Jamal Musiala musste ihn beim FC Bayern zu einem Kurz-Interview überreden – Olise wollte flüchten, sobald er die Kameras sah. Seine Erklärung: „Ich spreche lieber mit meinen Füßen.“
Rekord-Assists und Ballon-d'Or-Kandidat
Trotz seiner Zurückhaltung ist Olise auf dem Platz unverzichtbar. In 107 Pflichtspielen für den FC Bayern erzielte er 42 Tore und bereitete 54 vor. Viele sehen in ihm den nächsten Ballon-d'Or-Gewinner. Bei der WM hat er bereits fünf Assists – seit Beginn der Datenerfassung schaffte nur Pelé 1970 mit sechs mehr. „Michael hat eine unglaubliche Entwicklung genommen. Heute ist er einer der besten Spieler der Welt“, lobte Deschamps. In WM-Spielen legte Olise rund 41 Kilometer zurück, mehr als jeder andere im Team.
Wie ein Zidane: Kreativität und Finesse
Patrick Vieira, der Olise bei Crystal Palace trainierte, vergleicht ihn mit einer Legende: „Er hat ein Zidane-ähnliches Potenzial. Er besitzt diese Kreativität, diese Finesse, diese Effizienz.“ Auch Thierry Henry, der Olise aus der Olympia-Mannschaft kennt, schwärmt: „Manchmal hat er im Training Dinge gemacht, bei denen man sich gerade noch zurückhalten musste, nicht 'Wow' zu sagen. Dieser Typ spielt in einer ganz anderen Liga. Der wichtigste Spieler ist Michael Olise.“
Frankreichs Weg zum Titel: Olise als Regisseur
Am Samstag trifft Frankreich auf Paraguay, den Deutschland-Schreck. Olise wird wieder die Fäden ziehen und mit Mbappé harmonieren. Im Viertelfinale wartet der Sieger aus Kanada-Marokko, danach könnte Spanien kommen. Ein Finale gegen Lionel Messis Argentinien wäre möglich. Mit Olise als kreativem Kopf scheint der dritte WM-Titel in Reichweite.



