Nach dem überraschenden Rückzug seiner umstrittenen Investorenpläne für künftige Fußball-Weltmeisterschaften fordert Spaniens Ligaboss Javier Tebas den Rücktritt von FIFA-Präsident Gianni Infantino. Der 64-jährige Vorsitzende der spanischen Profiliga LaLiga schrieb in den sozialen Netzwerken, der Weltfußball brauche eine neue Führung, "die seine Governance modernisiert, die Glaubwürdigkeit wiederherstellt und zukunftsweisende Entscheidungen im Konsens mit den beteiligten Akteuren trifft".
Infantino hatte sein Vorhaben, Anteile an den Turnieren des Weltverbandes an private Investoren zu verkaufen, nach massiver Kritik aus dem Fußball aufgegeben. Tebas nannte diesen Schritt zwar "eine gute Nachricht", betonte aber zugleich: "Einen Vorschlag zurückzuziehen, löscht nicht alles aus, was geschehen ist. Es ist nur die Spitze des Eisbergs."
Ein System mit tiefen Rissen
Der Ligaboss, der seit Jahren zu den prononciertesten Kritikern Infantinos gehört, machte aus seiner Ablehnung keinen Hehl. In seinem Statement erinnerte er an mehrere Skandale und Missstände: den Fall Balogun bei der jüngsten WM, die als skandalös empfundenen Ticketpreise, den aus seiner Sicht laschen Umgang mit Korruptionsfällen in der FIFA, die Umgestaltung des internationalen Spielkalenders sowie die Einführung neuer Wettbewerbe und Formate. Diese seien allesamt ohne einen echten Dialogprozess entschieden worden, so Tebas.
Tebas attackiert Governance-Modell
Der 64-Jährige begnügte sich nicht mit Einzelkritik. Er stellte das gesamte Führungssystem des Weltverbands infrage. "Aus all diesen Gründen glaube ich, dass Gianni Infantino nicht weiter an der Spitze der FIFA stehen darf", schrieb Tebas. Das Problem sei nie ein einzelner Vorschlag gewesen, sondern ein Governance-Modell, "das die Macht zentralisiert, die Gegenkräfte schwächt und jene marginalisiert, die direkt von seinen Entscheidungen betroffen sind". Es sei an der Zeit für einen Führungswechsel.
CONCACAF fordert umfassende Aufarbeitung
Unterstützung erhält Tebas vom Kontinentalverband CONCACAF, der Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik vertritt. Der Verband, der in seiner Geschichte selten mit deutlicher Kritik an der FIFA-Spitze aufgefallen ist, veröffentlichte ein Statement, in dem ohne Nennung von Infantinos Namen eine "umfassende Aufarbeitung dieser Präsidentschaft" gefordert wurde. Die Idee eines WM-Anteilsverkaufs sei "das Symptom einer Führung, für die der Fußball nicht mehr an erster Stelle steht".
Die Zukunft der WM sei in den vergangenen Tagen "ohne Transparenz, ohne Konsultation und ohne Einhaltung ordnungsgemäßer Verfahren" verhandelt worden. Der jüngste einseitige und eklatante Akt schlechter Führung und mangelhafter Governance reihe sich in eine Kette von Fehltritten ein. Die Botschaft aus den Reihen des Verbands war eindeutig: Die Ära Infantino scheint für viele Funktionäre endgültig beschädigt.
Die Machtprobe beginnt
Die gescheiterten Investorenpläne markieren einen der schwersten Rückschläge in Infantinos Amtszeit. Der FIFA-Chef hatte sich mit dem Vorhaben offenbar finanziellen Spielraum verschaffen wollen, stieß aber auf breiten Widerstand von Verbänden, Ligen und Fanorganisationen. Dass ausgerechnet die CONCACAF, die bisher nicht gerade als Rebell gilt, nun öffentlich Stellung bezieht, dürfte im Machtgefüge der FIFA für Unruhe sorgen.
Wie sich Infantino gegen die wachsenden Rücktrittsforderungen behaupten will, ist offen. Fest steht: Eine bloße Rücknahme des umstrittenen Projekts reicht seinen Kritikern nicht. Sie fordern eine grundlegende Erneuerung des Weltfußballs – und beginnen damit ausgerechnet in einer Zeit, in der die nächste WM vor der Tür steht. Der Druck auf den Schweizer Funktionär wird weiter steigen.



