Nach dem Einzug der norwegischen Nationalmannschaft ins Achtelfinale der Fußball-WM ist das Land im Ausnahmezustand. Tausende Menschen feierten am Abend des Sieges gegen die Elfenbeinküste auf dem Schlossplatz in Oslo und den angrenzenden Straßen, bis die Polizei die Party am späten Abend beendete. Am nächsten Morgen bot sich Schlossgärtner Ole Johan Hildre ein Bild der Verwüstung: Glasscherben, Zigarettenstummel und ausgerissene Pflanzen bedeckten den Platz. „Ich wage gar nicht, dran zu denken, was passiert, falls wir es bis ins Finale schaffen“, sagte Hildre dem norwegischen Rundfunk.
Königshaus zeigt Humor
Die norwegischen Royals nahmen die Feierlichkeiten vor ihrer Haustür offenbar mit Humor. „Das Königshaus freut sich gemeinsam mit ganz Norwegen über den Sieg der Nationalmannschaft“, teilte der Hof mit. Die Ruder-Choreografie der Norweger bei der WM ist längst Kult und hat die Begeisterung im Land weiter angeheizt.
Reiseboom nach New York
Der überraschende Erfolg der Skandinavier hat laut der Nachrichtenagentur NTB einen regelrechten Reiseboom ausgelöst. Bei der Fluggesellschaft SAS sind demnach alle Direktflüge von Oslo nach New York ausgebucht. „Nach Haalands herrlichem Tor in der 86. Minute stellen wir bei SAS definitiv fest, dass es eine ganze Reihe von Norwegern gibt, die nun unter 'Fofo' leiden – Fußball-WM-FOMO“, schrieb ein Unternehmenssprecher NTB. „FOMO“ steht für „fear of missing out“ – die Angst, etwas zu verpassen.
Auch die norwegische Reise-Suchmaschine Finn verzeichnete einen enormen Anstieg. „Ich glaube nicht, dass wir jemals einen so starken Anstieg für ein einzelnes Reiseziel an einem einzigen Tag erlebt haben – und schon gar nicht für die USA oder New York. Für uns ist das historisch“, sagte Geschäftsführer August Grønli. Die Suchanfragen stiegen um mehr als 650 Prozent.
Diskussion um freien Tag
Einige Norweger, die das Achtelfinale am späten Sonntagabend gegen Brasilien (22.00 Uhr/MESZ) in der Heimat verfolgen wollen, fordern bereits einen freien Tag für alle Arbeitnehmer am Montag. Regierungschef Jonas Gahr Støre will davon laut dem norwegischen Rundfunk jedoch nichts wissen: „Wir sind Helden in der Nacht und Helden am Tag – und wir gehen am Montag zur Arbeit“, sagte er dem Sender NRK.
Der Sieg gegen die Elfenbeinküste und der Einzug ins Achtelfinale haben Norwegen endgültig im Fußballrausch versetzt. Die Vorfreude auf das Spiel gegen Brasilien ist riesig, und die Reiselust nach New York zeigt, wie sehr die Mannschaft das Land vereint.



