Hertha BSC steht vor einem großen Umbruch. Nachdem mit Fabian Reese, Toni Leistner und Michael Cuisance gleich mehrere Führungsspieler den Verein verlassen haben, geht der Hauptstadtklub mit einem veränderten Kader in die neue Zweitliga-Saison. Mittelfeldspieler Paul Seguin sieht darin nicht nur Risiken, sondern auch eine Chance auf eine positive Entwicklung. „Wir haben immer noch eine gute Qualität, aber sind in der Breite nicht mehr so stark wie letzte Saison. Das kann aber auch ein Vorteil sein. Dadurch kann sich innerhalb einer Gruppe eine neue Dynamik entwickeln", sagte der 31-Jährige dem Kicker.
Der Abgang der Leistungsträger hinterlässt zwar Lücken, doch Seguin betont, dass einzelne Spieler nun die Gelegenheit auf mehr Einsatzzeit bekommen. „Das kann zusätzliche Energie freisetzen", erklärte er. Besonders der Entwicklung von Kevin Sessa bescheinigt der Mittelfeld-Boss einen großen Schritt nach vorn. „Bei Kevin Sessa spüre ich im Moment, dass er sich super weiterentwickelt. Auf ihn setze ich in dieser Saison." Die veränderte personelle Situation habe die Mannschaft zudem enger zusammengeschweißt. „Wir sind im Vergleich zum Vorjahr noch enger zusammengerückt", berichtete Seguin.
Seguin als neuer Anführer?
Mit dem Weggang von Reese, Leistner und Cuisance ist Paul Seguin mit 31 Jahren der älteste Spieler im Kader. Damit wächst seine Verantwortung automatisch. Er soll die jungen Spieler führen und auf dem Platz vorangehen. Dass er dabei auch als Kapitän gehandelt wird, überrascht nicht. Seguin gehört zu den Favoriten auf die Nachfolge von Fabian Reese. Die endgültige Entscheidung trifft jedoch Trainer Stefan Leitl. „Das entscheidet der Trainer. Ich habe kein Ego-Problem, falls es jemand anderes wird", sagte Seguin und zeigte sich gelassen. Ihm gehe es nicht um die Binde, sondern um den Erfolg der Mannschaft.
Vier Jahre Zweite Liga: Seguin träumt vom Aufstieg
Während Geschäftsführer Peter Görlich als Saisonziel lediglich Platz neun ausgegeben hat, denkt Seguin in größeren Dimensionen. „Ich will wieder Bundesliga spielen. Wenn ich sagen würde, ich will nicht mit Hertha in die Bundesliga, würde ich lügen", machte der Mittelfeldspieler deutlich. Gleichzeitig verliert er nicht den Blick für die Realität. „Trotzdem müssen alle im Verein und in Berlin akzeptieren: Hertha geht in sein viertes Zweitliga-Jahr. Hertha ist ein Zweitligist und muss so denken und handeln wie einer."
Diese Worte zeigen, dass Seguin die Situation klar einschätzt. Der Klub hat sich nach dem Abstieg 2023 noch nicht vollständig erholt. Die vierte Saison in Folge in der 2. Bundesliga ist für einen Verein wie Hertha BSC alles andere als selbstverständlich. Der Anspruch, wieder aufzusteigen, ist vorhanden – doch erfordert es auch Demut und Fleiß. Seguin will mit gutem Beispiel vorangehen.
Schwere Verletzung überschattete den Start
Der Beginn seiner Zeit in Berlin war für Seguin alles andere als einfach. Er war im Sommer 2025 als absoluter Wunschspieler von Trainer Stefan Leitl an die Spree gewechselt. Doch eine Entzündung der Plantarfaszie warf ihn zurück. Monatelang strahlten die Schmerzen bis in die Wade aus, wodurch er weite Teile der Vorbereitung und den Saisonstart verpasste. „Ich hatte Angst um meine Karriere. Das war die schwerste Zeit in meiner Profi-Laufbahn", erinnert sich Seguin.
Diese schwere Zeit hat ihn geprägt. Nun ist er wieder gesund und bereit, Verantwortung zu übernehmen. In der neuen Saison will er mit Hertha BSC angreifen und den Traum von der Bundesliga am Leben halten. Ob Kapitän oder nicht – Paul Seguin dürfte eine Schlüsselrolle im Hertha-Spiel zukommen.



