Die Wut im Fahrerfeld der Tour de France über nächtliche Dopingkontrollen reißt nicht ab. Nachdem in der Nacht auf Sonntag sowohl Titelverteidiger Tadej Pogacar als auch der verletzte Jonas Vingegaard aus dem Schlaf gerissen wurden, um Proben abzugeben, fordert die internationale Vereinigung der Radprofis (CPA) ein Umdenken. Die Gesundheit und Erholung der Athleten seien gefährdet.
CPA fordert Reformen bei Dopingkontrollen
„Sportler mitten in der Nacht für eine Dopingkontrolle aus dem Schlaf zu holen, sollte aus Sicht der CPA ernsthaft überdacht werden“, hieß es in einer Stellungnahme. Die Tour de France verlange außergewöhnliche körperliche Leistungen. „Schlaf und Regeneration sind nicht nur für die Leistungsfähigkeit, sondern auch für die Gesundheit und Sicherheit der Fahrer von entscheidender Bedeutung.“ Die Praxis beeinträchtige die Erholung und stehe „im Widerspruch zu den eigentlichen Zielen im Anti-Doping-Kampf“. Die CPA schlug vor, stärker in wissenschaftliche Forschung und moderne Nachweistechnologien zu investieren, anstatt die Zahl einschneidender unangekündigter Kontrollen zu erhöhen.
Pogacar und Evenepoel üben scharfe Kritik
Weltmeister Tadej Pogacar, selbst betroffen, zeigte grundsätzliches Verständnis für Anti-Doping-Maßnahmen, bezeichnete die Kontrollen nach der 15. Etappe aber als „inhuman“. Er mutmaßte, dass Schlafmangel zu Vingegaards folgenschwerem Sturz in den Alpen beigetragen haben könnte. Vingegaards Teamkollege Matteo Jorgenson sprach von einem „kompletten Mangel an Respekt gegenüber den Fahrern“. Pogacars Helfer Florian Vermeersch nannte die Situation „fast unmenschlich und verrückt. Die Leute werden sagen, dass wir uns beschweren und jammern, aber das ist lächerlich.“
Tagessieger Remco Evenepoel wurde ebenfalls deutlich: „Schlaf ist die wichtigste Regenerationsphase für die Athleten. Das ist etwas, was wir als Sportler eigentlich nicht akzeptieren sollten und könnten. Jeder weiß, dass der Schlaf der einzige Moment der Erholung ist, den wir in der Nacht haben.“ Er ergänzte: „Das ist eine Frage der Menschenrechte. Ich bin sprachlos.“
ITA verteidigt Vorgehen
Die verantwortliche International Testing Agency (ITA) verteidigte ihr Vorgehen. Nächtliche Kontrollen seien für ein wirksames Anti-Doping-Programm notwendig und dienten dem Schutz der Integrität des Radsports. Die ITA verwies auf Vorgaben des Welt-Anti-Doping-Codes, des Weltverbandes UCI und des französischen Rechts. Vorwürfe, „das Wohlergehen oder Grundrechte der Sportler“ zu missachten, wies die Organisation zurück.
Unterstützung erhielt die ITA von Richard Plugge, Manager bei Vingegaards Team Visma-Lease a Bike. „Das steht in den Regeln. Man weiß also, dass so etwas passieren kann. Dass es tatsächlich passiert, ist auch ein gutes Zeichen“, sagte er.



