Ein Triathlon über die Sprint-Distanz umfasst 750 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren und 5 Kilometer Laufen. Für Franka Rust (23) kam bei der Welttour-Station in Hamburg jedoch eine vierte Disziplin hinzu: Hochzeit feiern. Morgens war sie bei der standesamtlichen Trauung ihres Bruders in Lüneburg, um 15 Uhr sprang sie am Jungfernstieg in die 20,6 Grad kalte Alster, und nach dem Rennen ging es zurück zur Feier. Nur die freie Trauung verpasste sie.
Überraschungserfolg für Rust
Dafür legte Rust ein Weltklasse-Ergebnis hin: Sie lief als zweitbeste Deutsche auf Platz 11 ins Ziel (56:24 Minuten). „Das ist mehr, als ich mir hätte erträumen können. Die Zuschauer waren noch krasser als letztes Jahr. So viele Leute haben meinen Namen gerufen. Dass das heute alles an einem Tag möglich war, ist unglaublich. Ich habe das Brautpaar vorher gefragt, ob es in Ordnung ist, wenn ich starte. Jetzt werde ich auf jeden Fall auf der Feier auftauchen, sonst bin ich zwei Köpfe kürzer“, sagte Rust.
Beim Tanzen muss sie sich jedoch zurückhalten, denn am Sonntag steigt die Staffel-WM (17.15 Uhr, live ZDF) zum 25. Geburtstag des größten Triathlons der Welt mit mehr als 13.000 Startern.
Lisa Tertsch trotzt Jetlag
Weltmeisterin Lisa Tertsch (27) hatte ebenfalls Grund zum Feiern. Die Harvard-Studentin war erst am Donnerstag aus Boston gelandet und wurde trotz Jetlag Zweite (55:56 Minuten) hinter der Französin Leonie Periault (31/55:51 Minuten). „Ich bin sehr zufrieden, Podium ist immer sehr schön. Ich konnte von Anfang an umsetzen, was ich mir vorgenommen hatte. Leonie war heute einfach besser“, freute sich die Psychologie-Studentin.
Hattrick für Matt Hauser
Im Elite-Rennen der Männer schaffte der Australier Matt Hauser (28) den Hattrick und gewann zum dritten Mal in Folge. „Es war ein magischer Ritt für mich hier“, sagte er, nachdem er in 50:07 Minuten seinen Streckenrekord nur um vier Sekunden verpasst hatte. Zur Feier des Tages gab es auf dem Podium einen tiefen Schluck aus den Laufschuhen.
Henry Graf (24) ließ sich den Schluck ebenfalls schmecken. Der Deutsche Meister wurde trotz Schmerzen in der Achillessehne in 50:15 Minuten Dritter hinter dem Weltranglisten-Ersten Vasco Vilaca (26/50:10 Minuten) aus Portugal und holte die zweite Medaille für Deutschland. Graf ließ sich vom Publikum tragen und schwärmte: „Das bringt schon was. Gerade wenn man am Leiden ist, nochmal eine Motivation zu bekommen, eine Erinnerung, jetzt nochmal richtig zu beißen.“ Doch als Hauser den Schlussspurt anzog, half auch das nicht mehr: „Man hat gesehen, wie abgezockt er mittlerweile ist. Er hat beim Laufen lange gewartet, es taktisch clever gemacht und dann brutal angezogen. Die Tempoverschärfung hat es wirklich in sich gehabt. Das ist genau das, was er kann, da ist er einfach tödlich. Ich habe kurz versucht, dranzubleiben, aber dann nach zehn Sekunden gemerkt: Oh, das fühlt sich gar nicht gut an.“



