Der Druck auf Englands Nationaltrainer Thomas Tuchel wächst. Nach der 1:2-Halbfinal-Niederlage gegen Argentinien bei der Fußball-Weltmeisterschaft muss sich der 52-Jährige nun auch noch gegen taktische Einmischung von US-Präsident Donald Trump wehren. Trump hatte beim FIFA-Empfang in New York Bayerns Stürmerstar Harry Kane gelobt und sich über dessen defensive Rolle im Halbfinale gewundert. „Sie haben geführt und dann ihren besten Spieler in die Defensive gestellt“, sagte der 80-jährige US-Präsident.
Tuchel kontert Trumps Kritik
Auf der Pressekonferenz vor dem heutigen Spiel um Platz drei gegen Frankreich (23.00 Uhr/MagentaTV) in Miami Gardens konterte Tuchel die Kritik des US-Präsidenten. „Wir haben im tiefen Block verteidigt. So macht man das“, erklärte Tuchel die taktische Rolle von Kapitän Kane. „Das hat er auch schon in der ersten Halbzeit gemacht. Der Unterschied ist, dass er danach rausgestoßen ist und wir die Lücken gefunden haben.“ Der frühere Bundesligatrainer, der in England einen Vertrag bis nach der EM 2028 besitzt, betonte erneut, dass er weitermachen wolle.
Die Debatte um Tuchels Taktik, seine Einwechslungen und die vermeintliche Passivität der Engländer nach dem Ausgleich durch Lionel Messi reißt nicht ab. Das Spiel um Platz drei, sonst oft als „Spiel um die goldene Ananas“ belächelt, erhält dadurch eine ungewohnt hohe Bedeutung. Mit einer überzeugenden Leistung könnten die „Three Lions“ die Kritiker besänftigen, eine Niederlage würde die Diskussionen weiter anfachen.
Prominente Kritiker: Müller, Rooney, Lineker
Schon vor Trump hatte es nicht an prominenten Tuchel-Kritikern gemangelt. Ex-Bayern-Star Thomas Müller sowie die englischen Fußballlegenden Wayne Rooney und Gary Lineker äußerten Unverständnis über die englische Herangehensweise nach der argentinischen Führung. In britischen Medien fällt der Ton besonders scharf aus. Der „Guardian“ schrieb am Samstag in einem Kommentar: „Das Versagen im WM-Halbfinale wirkt in Bezug auf Tuchel wie das ultimative Warnsignal. Hinzu kommen die Engstirnigkeit, der Mangel an Ehrgeiz und die Dreistigkeit, das gesamte englische Spiel zu verunglimpfen, anstatt die eigene Feigheit einzugestehen.“
Tuchel hatte nach der Halbfinal-Niederlage gesagt, Ballbesitz sei nicht so sehr in der englischen Fußball-DNA verankert wie in der spanischen, argentinischen oder brasilianischen. Der „Guardian“ konterte: „Tuchel wurde engagiert, um das beträchtliche Potenzial einer herausragenden Generation englischer Fußballtalente zu entfesseln. Nach dem, was wir bisher gesehen haben, ist nicht klar, ob er dieses Potenzial überhaupt erkennt.“
Das Spiel um Platz drei gegen Frankreich findet am heutigen Montag statt. Ein Sieg könnte Tuchel etwas Luft verschaffen, eine Niederlage dürfte die Kritik weiter verschärfen.



