Iran: 50 Tote nach jüngsten US-Angriffen
Seit der neuen Eskalation am Persischen Golf sind im Iran Regierungsangaben zufolge mindestens 50 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 500 Menschen seien bei den US-Angriffen verletzt worden, wie der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Hossein Kermanpur, auf X schrieb. Dem Sprecher zufolge wurden 460 Personen bereits aus dem Krankenhaus entlassen, während sich 37 weiterhin in stationärer Behandlung befinden. Das US-Militär hat vor allem die südlichen Küstenprovinzen Irans angegriffen. Allein in der südwestlichen, ölreichen Industrieprovinz Chusestan registrierten die Behörden in den vergangenen zehn Tagen Angriffe auf 95 Orte, wie die Nachrichtenagentur Tasnim berichtete.
USA beenden siebte Angriffsnacht gegen Iran
Das US-Militär hat in der siebten Nacht in Folge eine Angriffswelle gegen Ziele im Iran beendet. Im Visier standen Einrichtungen der Militärlogistik und weitere Anlagen, teilt das US-Regionalkommando Centcom mit. Die Behauptung der iranischen Revolutionsgarden, zwei Öltanker seien auf Minen gelaufen und explodiert, sei falsch, erklärt das Kommando weiter. Mehr als 50.000 US-Soldaten seien in der Region stationiert und blieben „wachsam, schlagkräftig und einsatzbereit“. Unterdessen berichten iranische Medien von Explosionen in der Stadt Chorramabad.
Kuwait meldet Angriff auf Elektrizitätswerk
Nach iranischen Angriffen auf mit den USA verbündete Golfstaaten hat Kuwait einen Schaden an einer Anlage zur Stromerzeugung und Meerwasserentsalzung gemeldet. Diese sei Ziel eines feindlichen Angriffs geworden, teilte das Ministerium für Elektrizität mit. In einem Teil der Einrichtung sei ein Feuer ausgebrochen, mehrere Generatoren seien daher vorsorglich abgeschaltet worden. Es handele sich bereits um das zweite Werk dieser Art, das binnen zwei Tagen in Kuwait attackiert worden sei. Das Ministerium rief die Bevölkerung dazu auf, in dieser „außergewöhnlichen Phase“ sparsam mit Strom umzugehen. Die Angriffe fallen mitten in den Sommer, wenn Klimaanlagen in Kuwait unverzichtbar sind. Zuvor hatte die kuwaitische Armee gemeldet, mehrere aus dem Iran kommende Raketen und Drohnen abgefangen zu haben. Nach Beginn einer neuen Welle von US-Angriffen auf Ziele im Iran waren die Golfstaaten Kuwait und Bahrain in der Nacht wieder unter Beschuss geraten. Beide machten den Iran dafür verantwortlich.
Iran: 10.000 Einwohner ohne Wasser
Nach den US-Angriffen im Süden des Irans ist staatlichen Angaben zufolge die Trinkwasserversorgung für mindestens 10.000 Menschen unterbrochen. Hintergrund sei die Bombardierung einer Meerwasserentsalzungsanlage in der Küstenregion Dschask, berichtete der Pressedienst der Regierung unter Berufung auf die Wasserwerke der Provinz Hormusgan. Betroffen sind demnach 20 Dörfer an der Küste.
Iran nimmt US-Stützpunkte in Kuwait und Jordanien ins Visier
Das iranische Militär nimmt nach Angaben des iranischen Staatsfernsehens US-Militäreinrichtungen in Kuwait und Jordanien ins Visier. In Bahrain ertönen unterdessen Sirenen, wie das Innenministerium in Manama mitteilt.
Weitere Entwicklungen
Bei den neuen US-Angriffen auf den Iran sind nach Angaben staatlicher Medien im Süden des Landes drei Menschen getötet worden. Zudem seien in der Provinz Hormosgan acht Menschen verletzt worden, berichtete die Nachrichtenagentur Irna am Samstagmorgen. Außenminister Johann Wadephul (CDU) hat auf Fortschritte im stockenden Gaza-Friedensprozess gedrängt und vor einer erneuten Aufrüstung der islamistischen Hamas gewarnt. „Israel muss mehr humanitäre Hilfe in den Gazastreifen lassen und Teilverantwortung für Gebiete unter israelischer Kontrolle an die Palästinenser übergeben“, sagte Wadephul dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Zugleich müsse die Hamas wie zugesagt entwaffnet werden. „Tatsächlich passiert gerade eher das Gegenteil, sie bewaffnet sich wieder“, erklärte der Minister.
Die mit dem Iran verbündete jemenitische Huthi-Miliz hat das benachbarte Saudi-Arabien vor einer „Belagerung“ gewarnt. Man sei bereit, das Prinzip „Belagerung gegen Belagerung, Flughafen gegen Flughafen und Hafen gegen Hafen“ anzuwenden, zitierte die jemenitische Nachrichtenagentur Saba den Verteidigungsminister der Miliz, Mohammed al-Atafi. Im Norden des Irak ist es erneut zu Beschuss gekommen. Iranische Drohnen hätten am Freitagabend Ziele in der Stadt Sulaimanija in der autonomen kurdischen Region angegriffen, hieß es aus Sicherheitskreisen. Dabei sei es zu Schäden an Waffendepots gekommen, die den als Peschmerga bekannten Kurdenmilizen gehörten. Explodierende Munition habe auch Verletzungen unter Zivilisten verursacht.
Das US-Militär hat nach eigenen Angaben neue Angriffe auf den Iran gestartet. Das Regionalkommando Centcom erklärte am Freitag im Onlinedienst X, mit den Angriffen sollten die militärischen Fähigkeiten des Iran weiter geschwächt werden. Nach den wieder aufgenommenen gegenseitigen Angriffen zwischen den USA und dem Iran ist der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus fast wieder zum Erliegen gekommen. Daten des Anbieters Kpler zufolge passierten am Donnerstag lediglich acht Schiffe die Meerenge. Dies stelle den niedrigsten Wert seit drei Wochen dar, hieß es in einem Post von Kpler auf der Plattform X. Vor zwei Wochen lag der Zähler noch bei 48 Passagen. Vor Kriegsbeginn Ende Februar durchquerten im Schnitt mehr als 100 Schiffe täglich die Straße von Hormus.
Der Iran ist nach den Worten eines hochrangigen Militärberaters bereit, eine großangelegte Offensive wiederaufzunehmen, sollten die US-Angriffe länger als zwei oder drei Tage andauern. „Der Iran wird sich nicht mehr mit Gegenangriffen begnügen, und keine Grenze wird sicher sein“, zitierte das iranische Staatsfernsehen am Freitag einen hochrangigen Berater des obersten iranischen Führers Modschtaba Chamenei, Mohsen Resai. UN-Generalsekretär António Guterres hat die Angriffe auf die zivile Infrastruktur im Iran-Krieg als „inakzeptabel“ bezeichnet. Er sei „weiterhin zutiefst besorgt über die anhaltende militärische Eskalation zwischen dem Iran und den USA“, sagte sein Sprecher Farhan Haq am Freitag. „Besonders besorgt“ sei Guterres über die „Angriffe auf die zivile Infrastruktur im Iran und in der gesamten Region“.
Die iranische Revolutionsgarde greift einem iranischen Agenturbericht zufolge ein unter thailändischer Flagge fahrendes Schiff in der Straße von Hormus an. Das Schiff habe Warnungen ignoriert und versucht, die Meerenge ohne Erlaubnis zu passieren, meldete die iranische Nachrichtenagentur Tasnim unter Berufung auf eine informierte Quelle. Zuvor war bereits ein Handelsschiff im Arabischen Meer, etwa 100 Seemeilen östlich von der Küste des Omans angegriffen worden, teilte die britische Behörde zur Sicherheit der Schifffahrt (UKMTO) mit. Der Tanker sei Berichten zufolge von den andauernden militärischen Aktivitäten betroffen, so die Mitteilung. Ein weiteres Handelsschiff ist Berichten zufolge vor der Küste des Jemen angegriffen worden. Während das Schiff den Golf von Aden in östlicher Richtung durchquerte, sollen unautorisierte Personen an Bord gegangen sein, teilte UKMTO mit. Die jemenitische Küstenwache teilte später mit, dass es sich um einen Angriff einer Gruppe somalischer Piraten auf einen Öltanker gehandelt habe.



