Die Europäische Fußball-Union Uefa und ihre 55 Mitgliedsverbände haben sich Medienberichten zufolge auf eine harte Linie gegenüber dem Weltverband Fifa geeinigt. Sollte die Fifa ihren geplanten Investorendeal für die Vermarktung der Weltmeisterschaften durchziehen, drohen die Europäer mit einem Boykott sowohl der Männer-WM 2030 als auch der Frauen-WM 2027 in Brasilien. Dies berichten unter anderem Sky News und die "Times" übereinstimmend.
Einstimmiger Beschluss der Europäer
Bei einem Dringlichkeitstreffen der Uefa, das aufgrund der besonderen Situation einberufen wurde, sei ein einstimmiger Beschluss gefasst worden. Die 55 Vertreter der europäischen Fußballverbände hätten sich darauf verständigt, gemeinsam gegen den Investorenplan vorzugehen. Ein offizielles Statement der Uefa lag zunächst nicht vor, doch die Signale sind eindeutig: Ohne die europäischen Top-Nationen wie Spanien, England, Frankreich und Deutschland würde eine Weltmeisterschaft ihren sportlichen und kommerziellen Wert verlieren.
Fifa-Präsident Infantino unter Druck
Fifa-Präsident Gianni Infantino, der die überraschenden Pläne am Dienstag enthüllt hatte, gerät damit massiv unter Druck. Die Fifa strebt den Verkauf eines Teils ihrer kommerziellen Rechte an den Weltmeisterschaften an, um eine Milliardensumme einzunehmen. Laut übereinstimmenden Berichten setzte der Weltverband den 211 Mitgliedsverbänden eine Frist bis zum 19. September, um dem Deal zuzustimmen. Als Anreiz wurde eine Sonderzahlung in Aussicht gestellt.
Infantino verteidigt den Deal
Infantino bezeichnete den geplanten Einstieg externer Geldgeber als „einmalige Chance, die weltweite Entwicklung des Fußballs deutlich zu beschleunigen“. Die Uefa sieht dies jedoch fundamental anders. Der europäische Dachverband befürchtet einen Kontrollverlust und eine Kommerzialisierung des Sports, die den Interessen der europäischen Ligen und Verbände zuwiderläuft.
Deutscher Fußball-Bund stellt sich gegen die Pläne
Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat sich klar positioniert. Präsident Bernd Neuendorf und Vizepräsident Hans-Joachim Watzke erklärten am Mittwoch, dass sie den Investorenplan ablehnen. „Wir werden uns nicht an einem Deal beteiligen, der die Integrität des Weltfußballs gefährdet“, signalisierten sie. Die ablehnende Haltung des DFB wiegt umso schwerer, da Deutschland als einer der wichtigsten Fußballmärkte gilt.
Mögliche Auswirkungen eines Boykotts
Sollte es tatsächlich zu einem Boykott der Europäer kommen, stünden die WM-Turniere vor einer ungewissen Zukunft. Ohne die europäischen Spitzenmannschaften würde die WM nicht nur sportlich an Bedeutung verlieren, sondern auch für Sponsoren und Fernsehsender unattraktiv werden. Die Fifa müsste mit massiven Einnahmeverlusten rechnen. Die kommenden Wochen bis zum 19. September werden zeigen, ob der Druck der Europäer den Weltverband zum Umdenken bewegen kann.
Die Nachrichtenagentur dpa berichtete über die Vorgänge, die den redaktionellen Standards des Handelsblatts entsprechen. Weitere Details zu dem Investorendeal wurden bislang nicht offiziell bestätigt.



