Der europäische Fußballverband UEFA hat eine klare Drohung an die FIFA und deren Präsidenten Gianni Infantino ausgesprochen: Sollte der geplante Investorendeal zur Vergabe kommerzieller Rechte in Kraft treten, werden alle 55 europäischen Nationalverbände geschlossen an keiner FIFA-Weltmeisterschaft oder einem anderen Wettbewerb des Weltverbands teilnehmen. Das gemeinsame Schreiben, von UEFA-Präsident Aleksander Ceferin unterzeichnet, wurde von allen europäischen Mitgliedern unterstützt.
Europa stellt Ultimatum: Keine Teilnahme an FIFA-Turnieren
„Europas Position ist eindeutig. Wir werden diesem Modell niemals unsere Legitimität verleihen. Niemand hat das moralische Recht, etwas zu verkaufen, das er lediglich treuhänderisch für die nächste Generation verwaltet“, heißt es in dem Brief. Die UEFA stellt klar, dass selbst eine Mehrheit der 211 FIFA-Mitgliedsverbände für den Deal keinen Einfluss auf die europäische Haltung haben werde. „Als Folge der heutigen Diskussion werden keine Nationalmannschaften aus der UEFA an einem FIFA-Wettbewerb teilnehmen, solange diese Vorschläge bestehen bleiben, es sei denn, dieser Vorschlag wird vollständig verworfen und es werden verbindliche Zusicherungen gegeben, dass die FIFA ihre Führung oder Wettbewerbe nie wieder für private Eigentümer öffnet“, so der europäische Dachverband.
Die Drohung gilt ab sofort und betrifft nicht nur die kommenden Weltmeisterschaften der Männer, sondern auch die Frauen-WM 2026 in Brasilien (24. Juni bis 25. Juli) sowie die bereits für Herbst angesetzten Playoffs. Eine WM ohne den amtierenden Titelträger Spanien sowie die weiteren Fußball-Großmächte Frankreich, Deutschland und England wäre sportlich kaum vorstellbar und würde den Reiz der Endrunde erheblich mindern.
FIFA setzt Frist – UEFA ignoriert sie
Die FIFA plant, einen Teil ihrer kommerziellen Rechte an externen Investoren zu verkaufen, um eine Milliardensumme zu erlösen. Laut übereinstimmenden Berichten setzte der Weltverband eine Frist für die Zustimmung der Verbände auf den 19. September und versprach im Gegenzug eine Sonderzahlung. Für die UEFA hat dieser Termin jedoch keinerlei Bedeutung. Die Ablehnung sei endgültig und klar kommuniziert.
FIFA-Boss Gianni Infantino hatte den Investorendeal zuvor verteidigt und als „einmalige Chance, die weltweite Entwicklung des Fußballs deutlich zu beschleunigen“ bezeichnet. Die UEFA widerspricht entschieden und hat von Anfang an massiven Widerstand angekündigt. Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) positionierte sich deutlich gegen die Pläne.
DFB-Präsident Neuendorf: „Nicht zustimmungsfähig“
DFB-Präsident Bernd Neuendorf äußerte sich in einem Interview mit dem ZDF kritisch: „Der Fußball lebt von der Akzeptanz der Gesellschaft. Wir dürfen ihn nicht zum Spielball von Investoren machen. Die Akzeptanz der Fans dürfen wir nicht verlieren, aber wir sind auf dem besten Wege, diese Akzeptanz zunichte zu machen. Das halte ich für überaus problematisch und nicht zustimmungsfähig.“ Auch DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke schloss sich der Ablehnung an.
Besonders bemerkenswert ist die Geschlossenheit der europäischen Verbände: Noch am Vortag hatte sich der tschechische Verband offen für den FIFA-Plan gezeigt. Wenige Stunden später unterzeichnete auch Prag das gemeinsame Protestschreiben. Die UEFA betont in dem Brief: „Es gibt Momente, in denen Institutionen nicht danach beurteilt werden, was sie zu akzeptieren bereit sind, sondern danach, wozu sie keine Kompromisse eingehen. Dies ist ein solcher Moment.“
Das Vorgehen der FIFA löste auch aufgrund der fehlenden Transparenz starke Irritationen aus. Die Nationalverbände wurden am Dienstag von dem neuen Plan völlig überrascht. „Es ist unverantwortlich und nicht zu rechtfertigen, dass ein so bedeutsamer Vorschlag für den Fußball im Geheimen ausgearbeitet und beinahe verabschiedet wurde, ohne die Verantwortlichen des Fußballs auch nur ansatzweise zu konsultieren“, kritisierte die UEFA.



