WM 2026: Die zehn kuriosesten Momente von Barton bis Yamal
WM 2026: Die zehn kuriosesten Momente von Barton bis Yamal

Die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer in Mexiko, Kanada und den USA endet an diesem Sonntag (21 Uhr MESZ, ZDF und Magenta) mit dem Finale zwischen Titelverteidiger Argentinien und Europameister Spanien. Zum ersten Mal wurde das Turnier mit 48 Mannschaften ausgetragen, und das war nicht der einzige gewöhnungsbedürftige Aspekt der WM. Politisch gab es viele kontroverse Themen: Im Zentrum standen dabei stets US-Präsident Donald Trump und/oder Fifa-Alleinherrscher Gianni Infantino. Neben diesen ernsten Problemen hat eine Weltmeisterschaft aber auch immer leichte, amüsante Seiten. Hier ist unsere Top Ten der absurdesten WM-Momente 2026.

1. Decision is red card: Schiedsrichter wird zum Techno-Star

Die Schiedsrichter standen bei der WM von Beginn an im Fokus – und das nicht nur wegen teilweise diskutabler Leistungen. Den Videobeweis gibt es seit der Weltmeisterschaft in Russland, dass die Schiedsrichter ihre Entscheidung über das Stadionmikro verkünden, ist allerdings neu. Nicht alle Referees machten dabei eine glückliche Figur. Im Eröffnungsspiel zwischen Mexiko und Südafrika sorgte Schiedsrichter Wilton Pereira Sampaio für fragende Blicke, als er seine Entscheidung – Rote Karte für Südafrikas Themba Zwane – in sehr holprigem Englisch verkündete. Getoppt wurde diese Ansage wenige Tage später allerdings von seinem Kollegen aus El Salvador. Im Gruppenspiel gegen die Türkei schickte Iván Barton Paraguays Miguel Almirón vom Platz. Grund war die neue Regel, nach der es verboten ist, in hitzigen Diskussionen die Hand vor den Mund zu halten. Doch es war nicht das, was Barton sagte, was die Szene zum Internethit machte, sondern wie. In hartem, stakkatoartigem Englisch rief er: „After Review, Number ten Paraguay, cover his mouth, decision is red card.“ Der Clip verbreitete sich rasend in den Sozialen Medien, wenige Tage später bastelte der in Berlin ansässige DJ Tiscore, bürgerlich Timon Schaper, aus dem Audioschnipsel den Technosong „Red Card“. Bei Spotify wurde dieser bereits knapp eine Million Mal angehört.

2. Howdy! Erling Braut Haaland wird zum Cowboy

Während sich die meisten Spieler auf den Fußball fokussierten, machte Erling Braut Haaland den Eindruck, die Zeit in den USA wirklich zu genießen. Der Superstar ernährte sich mit der norwegischen Nationalmannschaft zwar fast ausschließlich von Lebensmitteln aus der Heimat und feierte rudernd, ließ sich ansonsten aber auf den American Way of Life ein. Kurz vor WM-Start besuchte er das fünfte Spiel um den Stanley Cup und outete sich dabei als Fan der Carolina Hurricanes. Später wurde er in New York vor einem Deli gesehen und besonders Texas schien es dem Stürmer angetan zu haben. In Dallas besuchte er einen Western-Store und ließ sich mit Stiefeln und Hut im Cowboy-Stil ablichten. Als er nach sieben Treffern und dem Viertelfinalaus gegen England in Norwegen landete, stieg er mit einem ausgestopften Waschbären aus dem Flugzeug. „Er ist mir nach Hause gefolgt“, schrieb Braut Haaland bei Instagram.

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3. Achtung! Bissige Ente Merlin

Jedes Turnier hat seinen tierischen Star. Dieses Mal war es keine orakelnde Krake, sondern eine Ente. El Pato Merlin, Jahrgang 2024, hat mittlerweile sogar einen eigenen Wikipedia-Eintrag und wurde zu Beginn der WM in Mexiko zum Star. Die Ente gehört der Familie Gómez, die in Mexiko-Stadt als Straßenverkäufer Getränke anbietet. Merlin ist immer dabei, und das während der WM in einem kleinen mexikanischen Trikot. In den Sozialen Medien verbreiteten sich die Aufnahmen des kleinen Erpels rasend, und so war er schnell bekannter als die offiziellen Maskottchen der WM. Mexikos Präsidentin Sheinbaum lud die Familie Gómez und Merlin sogar zu einem gemeinsamen Termin ein. Dieser verlief für Sheinbaum allerdings nicht wie erhofft. Merlin schnappte nach ihr und es hagelte Kritik von Tierschützern. Niedlich war die Ente aber schon.

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4. Lamine Yamal tut sich schwer, sein kleiner Bruder glänzt

Obwohl Spanien das Finale erreicht hat, ist es noch nicht das Turnier des Lamine Yamal. Wobei es schon etwas absurd ist, von einem 19-Jährigen Wunderdinge zu erwarten. Yamal genießt die WM dennoch – auch weil seine Familie immer dabei ist. Besondere Aufmerksamkeit zieht sein kleiner Bruder Keyne auf sich. Der Dreijährige hat sichtlich Spaß in den Stadien, wobei ihn der Fußball offenbar nur am Rande interessiert. Mal rennt er durch die Reihen, mal klebt er Glitzer auf die Arme seiner Begleiter. Für den großen Bruder gibt es entweder Küsschen oder eine herausgestreckte Zunge.

5. Fünf Wochen im Glaskasten auf dem Times Square

104 WM-Spiele in New York schauen und dafür 50.000 Dollar kassieren? Klingt nach einem guten Deal. Zumindest dachten das Kevin Akoto und Austin Franklin. Die zwei US-Amerikaner wurden bei einem Gewinnspiel des Senders Fox ausgewählt und sind „Chief World Cup Watchers“. In einem Glaskasten auf dem Times Square schauen sie fünf Wochen lang alle Spiele, erstellen zwischendurch Social-Media-Content und interagieren mit Fans. Was nach Truman-Show klingt, war die meiste Zeit ziemlich langweilig. Die zwei Männer saßen auf der Couch und schauten Fußball, Snacks und Getränke der WM-Sponsoren immer griffbereit.

6. Infantino macht den Kaiser

Erinnern Sie sich noch an die WM 2006? Egal welches Stadion, egal welche Zeit – Franz Beckenbauer war dabei. Zumindest gefühlt. Mit dem Hubschrauber sauste der Kaiser in seiner Funktion als Lichtgestalt und Präsident des WM-Organisationskomitees durch die Republik. Was der Kaiser kann, kann Gianni Infantino erst recht. Die Distanzen zwischen den Spielorten in Kanada, den USA und Mexiko sind zwar deutlich größer, aber der Fifa-Patron war scheinbar allgegenwärtig. Einmal pro Halbzeit wurde er umringt von Fußballlegenden eingeblendet – und zuverlässig ausgebuht. Das wäre den Fans bei Beckenbauer nicht eingefallen, doch einen Superschurken wie Infantino stört so etwas natürlich nicht.

7. Kongos lebende Statue

Für Fans aus der Demokratischen Republik Kongo war die Einreise zur WM praktisch unmöglich. Die US-Visaauflagen, in Verbindung mit dem Ebola-Ausbruch im zentralafrikanischen Staat, sorgten dafür, dass die Unterstützung in den Stadien ausschließlich von Kongolesen aus der Diaspora kam. Fast. Denn ein berühmter Fan durfte als Teil der offiziellen Delegation nach zwischenzeitlicher Quarantäne in Belgien einreisen. Michel Nkuka Mboladinga verfolgte die Spiele der DR Kongo wie eine Statue. Er ist besser bekannt als „Lumumba Vea“ in Anlehnung an den 1961 ermordeten Ministerpräsidenten und Unabhängigkeitskämpfer Patrice Lumumba. Rote Hose, blaues Jackett und schwarze Brille, dazu Hemd und Krawatte. Alles zusammen in den Landesfarben des Kongo. Und dann die Pose: Rechter Arm nach oben, Handfläche nach außen – ganz so wie bei der berühmten Lumumba-Statue in der Landeshauptstadt Kinshasa. „Ich stehe regungslos da, weil ich glaube, dass das der Mannschaft emotionale Ausdauer verleiht“, hat der 49-Jährige dem „Wall Street Journal“ gesagt. Als lebende Lumumba-Statue wolle er „die Geduld und die Resilienz“ verkörpern, „die die Kongolesen angesichts der vielen Schwierigkeiten haben zeigen müssen“. Bei der ersten Teilnahme seit 1974, damals noch als Zaire, kam DR Kongo bis ins Sechzehntelfinale und unterlag dort unglücklich dem späteren Halbfinalisten England.

8. Vozinha wird zum Instagram-Star

Josimar José Évora Dias war vor der WM nur absoluten Fußballnerds ein Begriff. Der 40 Jahre alte Torwart spielt im Alltag bei GD Chaves in der zweiten portugiesischen Liga und kam als No-Name zur WM. Das änderte sich allerdings schon im ersten Spiel gegen Spanien. Mit zahlreichen starken Paraden rettete der besser als Vozinha bekannte Keeper WM-Debütant Kap Verde ein 0:0. Die erste Sensation des Turniers war perfekt. Anschließend erzählte er, dass seine Mutter wegen der hohen Kautionsforderung nicht in die USA habe einreisen können, und er es sehr bedauere, dass seine Großeltern diesen Moment nicht mehr miterleben konnten. Weil sein Vater beim Militär war und seine Mutter viel arbeiten musste, wurde er größtenteils von seiner Oma aufgezogen. Daher stammt auch sein Spitzname Vozinha, der so viel wie Großmütterchen bedeutet. Die grandiose Leistung und diese rührende Geschichte machten ihn über Nacht zum Star. Auf Instagram wuchs seine Anhängerschaft von 50.000 Followern auf 29,3 Millionen (Stand 17. Juli). Vozinhas Mutter konnte im Laufe des Turniers doch noch einreisen und Kap Verde zwang Titelverteidiger Argentinien im Sechzehntelfinale in die Verlängerung.

9. Streit um ein Kamerakabel

Ørjan Nyland zeigte nach oben, redete auf den Schiedsrichter ein und protestierte, doch es half nichts. England glich aus und warf Norwegen anschließend aus dem Turnier. Es war eine der kuriosesten und umstrittensten Spielszenen der WM. Vor dem Tor von Jude Bellingham soll der Ball nach einem Abschlag von Nyland die Aufhängung der hoch über dem Spielfeld installierten Spidercam berührt haben. Behaupten zumindest die Norweger. Eindeutig nachweisen lässt sich das mit den verfügbaren Videobildern nicht. Auf einigen sieht es aus, als gebe es eine plötzliche Richtungsänderung, auf anderen ist diese nicht zu erkennen. Die Fifa sagt: Da war nichts, auch der Erschütterungssensor im Ball zeige keinen Kontakt an. Ein Effekt der vergangenen Jahre beim Weltverband ist jedoch, dass viele Fans solchen Aussagen in etwa so sehr vertrauen wie jenen von US-Präsident Trump.

10. Riyad Mahrez: Du kannst doch nicht einfach ein Tor schießen!

3:2 in der dritten Minute der Nachspielzeit. Gibt es ein schöneres Erlebnis für einen Stürmer? Als Riyad Mahrez seine Algerier am letzten Gruppenspieltag gegen Österreich in Führung brachte, jubelte er anfangs, seine Kollegen sahen teilweise aber gar nicht glücklich aus. Denn mit einem Unentschieden wären nicht nur beide Teams weitergekommen, sondern Algerien hätte mit der Schweiz auch einen vermeintlich leichteren Gegner erwischt. Bei einem Sieg hätte im Sechzehntelfinale Spanien gewartet. Glück für Algerien, dass Mahrez’ Treffer noch nicht der letzte an diesem Abend war. In der sechsten Minute der Nachspielzeit glich der frühere Stuttgarter per Kopf aus. „Ja bist du deppert, I werd narrisch!“, brüllte ORF-Kommentator Daniel Warmuth. Österreich war weiter und Algerien ging Spanien aus dem Weg. Geholfen hat es trotzdem nichts, denn gegen die Schweiz setzte es ein 0:2.