Nur wenige Tage vor dem Start der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada muss die österreichische Nationalmannschaft einen schweren Rückschlag verkraften. Der absolute Leistungsträger Christoph Baumgartner von RB Leipzig fällt für das Turnier aus. Das bestätigte der Österreichische Fußball-Verband (ÖFB) am Dienstag nach einer MRT-Untersuchung.
Schock für Rangnick und das Team
Trainer Ralf Rangnick zeigte sich tief betroffen: „Das ist für Christoph und für uns als Team natürlich eine sehr bittere Nachricht. Er ist ein wichtiger Spieler und eine zentrale Persönlichkeit innerhalb unserer Mannschaft.“ Der 26-jährige Offensivspieler hatte sich beim Aufwärmen vor dem Länderspiel gegen Tunesien (1:0) eine Verletzung im rechten Oberschenkel zugezogen. Die MRT-Untersuchung am Dienstagvormittag erbrachte die niederschmetternde Diagnose: „Ein Einsatz bei der Weltmeisterschaft ist nicht möglich.“
Suche nach Ersatz
Baumgartner war als Fixpunkt für die rot-weiß-rote Mission in Nordamerika eingeplant. Über eine Nachnominierung wird noch intern beraten. „Dies wird derzeit intern abgestimmt“, hieß es vom ÖFB. Immerhin gab es bei Kapitän David Alaba Entwarnung. Der Abwehrchef, der gegen Tunesien zur Halbzeit ausgewechselt wurde, habe keine Muskelverletzung erlitten. „Es besteht kein Grund zur Sorge“, so der Verband. Alaba kann wie geplant am Donnerstag mit der Mannschaft in die USA reisen.
Neue Dynamik im Team
Bis dahin gönnte Rangnick seinen Stars um Alaba, Marcel Sabitzer und Konrad Laimer etwas Ruhe. Der deutsche Coach muss jedoch nicht nur einen Ersatz für Baumgartner finden – die Partie gegen Tunesien warf unerwartet einige Fragen auf. „Es gibt weniger Fixposten als noch vor dem Spiel, weil in der zweiten Hälfte einige richtig aufgezeigt haben“, sagte Rangnick. Die Partie habe „schon noch ein paar Karten neu gemischt“. Das bedeutet: Wenn das hoch gehandelte ÖFB-Team im noblen „Ritz-Carlton-Hotel Bacara“ in Goleta nahe Santa Barbara eintrifft, erhält der Kampf um die Startplätze für den Turnierauftakt am 17. Juni gegen Jordanien eine neue Dynamik. Trainiert wird auf der Anlage der University of California (UCSB).
Gelungene Generalprobe trotz Unterzahl
Gegen Tunesien nahm Rangnick zur Pause fünf Wechsel vor und belebte so das bis dahin lahme Spiel seines Teams, das ab der 37. Minute in Unterzahl spielen musste. Laimer hatte wegen eines Handspiels Rot gesehen. „In der ersten Hälfte haben wir nicht so gespielt, wie wir es können. Die zweite Hälfte war umso besser“, sagte Rangnick. Sabitzer traf in der 63. Minute zum Sieg im WM-Härtetest. Besonders die Joker Carney Chukwuemeka und Paul Wanner hob der Coach hervor: „Was die beiden gespielt haben, war nicht so schlecht.“ Auch Marco Friedl, Kevin Danso, Philipp Mwene und Sasa Kalajdzic brachten frischen Schwung – und das in Unterzahl. „Für mich ist entscheidend, dass Konni nicht gesperrt ist. Ansonsten ist es ganz gut, dass wir auf so eine Probe gestellt wurden“, befand Rangnick. Deshalb sei es „ein richtig guter Test“ gewesen.
Letzter Test vor der WM
Es war gleichzeitig der letzte Test für Österreich vor der WM mit den Spielen in Gruppe J gegen Jordanien, Weltmeister Argentinien (22. Juni) und Algerien (28. Juni). Die eigentlich geplante Generalprobe gegen Guatemala entfällt. „Ich bin nach wie vor froh, dass das Spiel nicht stattfindet“, so Rangnick. Man habe schon gegen Tunesien „einen gewissen Preis zahlen müssen“. In der Tat: Der Ausfall von Baumgartner wiegt schwer, doch Rangnick bleibt optimistisch. Die Mannschaft habe gezeigt, dass sie auch in Unterzahl bestehen könne. Nun gilt es, die richtigen Schlüsse zu ziehen und sich optimal auf die WM vorzubereiten.



