Das frühe WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft gegen Paraguay sorgt für massive Kritik an Bundestrainer Julian Nagelsmann und der Mannschaft. Besonders im Fokus steht Nagelsmanns TV-Auftritt nach der 3:4-Elfmeterpleite, den Experten als „schmallippig“ und „dünnhäutig“ bezeichnen. Die DFB-Elf verlor nach einem 1:1 (1:1, 0:0) nach Verlängerung im Elfmeterschießen und scheiterte damit zum dritten Mal in Folge in der WM-Vorrunde oder im Achtelfinale – nach 2018 und 2022.
Harte Kritik von TV-Experten
Ex-Weltmeister Christoph Kramer übte im ZDF deutliche Kritik: „Du darfst gegen Paraguay nicht in die Verlängerung kommen. Wir werden am Samstag sehen, wie gut oder schlecht Paraguay ist. Wir haben entschieden, dass sie so spielen können und wir uns am Ende über eine Schiedsrichterdiskussion beklagen. Dazu darf es niemals kommen.“ MagentaTV-Experte Mats Hummels forderte personelle Konsequenzen: „Es schreit nach Konsequenzen. Die Heim-EM wird mir immer noch zu gut geredet. Deswegen muss das ein Thema sein, sowohl glaube ich vom Bundestrainer selbst aus als auch vom Verband. Auf Spielerseite: Da kann ich mir schon vorstellen, dass einige zurücktreten werden.“
Jürgen Klopp zeigte sich bedient: „Wir hatten Phasen, wo wir es abgerufen haben, die waren nicht lang genug. Wir haben nicht genug kreiert, weil wir ein paar Dinge nicht richtig gemacht haben.“ Der langjährige Liverpool-Coach ergänzte: „Im Moment gab es nur ein Ziel, nur einen Traum, und der ist jetzt geplatzt.“ Per Mertesacker, Weltmeister von 2014, legte nach: „Vor zwei Jahren wurde geflachst, wir müssen nur zwei Jahre warten, bis wir Weltmeister werden. Die Aussage können wir total vergessen. Wir müssen uns einiges wieder hart arbeiten.“
Kritik an Nagelsmanns TV-Auftritt
Im ZDF-Interview nach dem Spiel reagierte Nagelsmann mehrfach schroff und kurz angebunden auf Fragen von Moderatorin Lili Engels. ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein bezeichnete den Auftritt als „ein bisschen schmallippig“. TV-Expertin Fritzy Kromp nannte Nagelsmann „dünnhäutig“. Im Gegensatz dazu sah sie bei Manuel Neuer und anderen Nationalspielern eine andere Reaktion: „Da siehst du halt schon, dass wirklich eine Betroffenheit da ist, dass sie demütig sind. Dass es ihnen auch total leidtut.“
Christoph Kramer verwies auf die Bedeutung von Demut: „Ich will es dem Bundestrainer gar nicht unterstellen, dass er es nicht gezeigt hat, aber generell freue ich mich immer über eine Portion Demut. Nicht nur bei einer Niederlage, auch im Erfolgsfall.“ Per Mertesacker bilanzierte: „Das zeigt, dass wir verdient ausgeschieden sind, finde ich.“
Verteidigung von Christian Streich
Verständnis für Nagelsmanns Auftritt äußerte der frühere Bundesliga-Trainer Christian Streich: „Nach so einem Spiel wäre ich noch schmallippiger und noch dünnhäutiger gewesen.“ Man sei als Trainer vor allem von sich selbst enttäuscht. „Wenn du dann gefragt wirst, dann hätte ich noch weniger gesagt“, betonte der 61-Jährige.
Der frühere Bundestrainer Jürgen Klinsmann fand im US-Fernsehen deutliche Worte: „Die Art und Weise, wie wir heute Abend ausgeschieden sind, ist verheerend, ist eine Blamage, ist etwas, womit niemand, wirklich niemand gerechnet hat.“ Das Ergebnis stürze den deutschen Fußball in ein „riesiges Loch“. Die Verantwortung liege bei allen – vom Trainerstab über den Verband bis zu jedem Spieler.



