WM-Spiel um Platz drei: Sinnvoll oder überflüssig?
WM-Spiel um Platz drei: Sinnvoll oder überflüssig?

Seit 1934 wird bei Fußball-Weltmeisterschaften der dritte Platz ausgespielt. Die FIFA verteidigt die Tradition, doch Kritiker wie Louis van Gaal fordern die Abschaffung des „sinnlosen“ Spiels.

Die Geschichte des kleinen Finales

Das Spiel um Platz drei bei einer Fußball-Weltmeisterschaft hat eine lange Tradition. Bereits 1934 führte die FIFA dieses Spiel ein, nachdem Deutschland im Halbfinale an der Tschechoslowakei gescheitert war. Die Mannschaft von Bundestrainer Otto Nerz besiegte Österreich mit 3:2 und sicherte sich den dritten Platz. Seitdem wurde – mit Ausnahme des Turniers 1950 – bei jeder WM der dritte Rang ausgespielt.

Am kommenden Samstagabend um 23 Uhr MESZ (MagentaTV und Liveticker auf ntv.de) treffen in Miami Frankreich und der Verlierer des Halbfinals zwischen England und Argentinien aufeinander. Der Sieger erhält nicht nur die Bronzemedaille, sondern auch ein höheres Preisgeld: 29 Millionen Dollar für den Dritten, der Vierte bekommt zwei Millionen Dollar weniger. Zudem fließt das Ergebnis in die FIFA-Weltrangliste ein.

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Kritik am Spiel um Platz drei

Viele sehen das kleine Finale jedoch kritisch. Der frühere niederländische Nationaltrainer Louis van Gaal bezeichnete die Partie 2014 als „sinnlos“ und forderte ihre Abschaffung. Er wurde damit nicht erhört. Van Gaal sagte damals: „Es gibt nur einen Titel, der zählt – Weltmeister zu werden.“ Dennoch nahm er die Medaille für den dritten Platz später entgegen.

Ein weiteres Problem: Verletzungsrisiken. So zog sich etwa Alphonso Davies beim Spiel um Platz drei der CONCACAF Nations League einen Kreuzbandriss zu. Für Stars bedeutet das kleine Finale ein zusätzliches Spiel in einer ohnehin vollen Saison. Durch die Aufstockung des Teilnehmerfeldes auf 48 Mannschaften kommt in diesem Jahr ein K.o.-Spiel mehr hinzu.

Argumente der FIFA

Der Weltverband FIFA hält am Spiel um Platz drei fest. Die Gründe liegen auf der Hand: Ein zusätzliches Spiel bringt mehr Ticketverkäufe, höhere Stadion- und Werbeeinnahmen im Fernsehen. Zudem beruft sich die FIFA auf die Tradition seit 1934. Für kleinere Nationen wie Kroatien, Belgien, die Türkei oder Schweden kann der dritte Platz ein großer Erfolg sein und entsprechend gefeiert werden.

Deutschland nutzte die Gelegenheit mehrfach. 2006 erhielt Oliver Kahn im „Sommermärchen“ sein Abschiedsspiel, obwohl Jens Lehmann während des Turniers die Nummer eins war. In Stuttgart gewann die Elf von Jürgen Klinsmann 3:1 gegen Portugal – ein würdiger Abschluss. Vier Jahre später folgte ein spektakuläres 3:2 gegen Uruguay. Insgesamt stand Deutschland fünfmal im Spiel um Platz drei und gewann viermal; nur 1958 reichte es gegen Frankreich nicht.

Andere Verbände schaffen das Spiel ab

Die UEFA hingegen schaffte das Spiel um Platz drei nach der EM 1980 ab. Seither wird der dritte Platz bei Europameisterschaften nicht mehr ausgespielt, die ausgeschiedenen Halbfinalisten können direkt in den Urlaub fahren. Auch der Gold Cup in Nord-, Mittelamerika und der Karibik sowie der Asian Cup folgten diesem Beispiel im Jahr 2015.

Die Diskussion um die Sinnhaftigkeit des kleinen Finales wird wohl auch nach der WM 2026 weitergehen. Für die FIFA überwiegen jedoch die finanziellen Vorteile, und die Tradition spricht ebenfalls für die Beibehaltung.

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