Freddy Schott, der 25-jährige Überflieger des deutschen Golfs, hat sich im großen Interview mit SPORT BILD klar zum Image seines Sports in Deutschland geäußert. Der Sieger des Bahrain-Turniers im Februar fordert ein Umdenken: „Golf in Deutschland ist leider noch angestaubt, wird oft spießig oder konservativ betrachtet. Ich würde in Düsseldorf zum Beispiel nicht in Golf-Klamotten durch die Stadt gehen. Sogar ich als Profi hätte da das Gefühl, komisch angeschaut zu werden. Dabei ist das doch total bekloppt. In den USA ist Golf ein echter Lifestyle. Da tragen von 100 Leuten im Supermarkt bestimmt 25 ein Golf-Polo. In Deutschland steckt Golf immer noch in einer Schublade, die meiner Meinung nach völlig veraltet ist.“
Schott fordert weniger Barrieren und mehr Freiheit
Um Golf populärer zu machen, müsse sich in Deutschland einiges ändern: „Wir müssen mehr Schubladen aufmachen. Golf kann auf so viele Arten Spaß bringen. Als Hobby und als Sport. Man muss es nur zulassen, dass jeder Golf so spielen und erleben kann, wie er eben Lust drauf hat. Weniger strenge Etikette, weniger Regeln und vor allem weniger Barrieren. Alleine das Thema Platzreife ist etwas, das kennt man in Skandinavien und anderen Ländern gar nicht. Da gibt es die Möglichkeit für jeden, auf den Platz zu gehen, wenn man will.“
Soziale Medien als Chance für den Imagewandel
Die Bedeutung von Social Media für den Golfsport sei enorm, so Schott: „Jede Aufmerksamkeit für den Sport ist gut und wichtig. Und wenn Golf weiter wachsen will, dann müssen wir Spieler unsere Chancen auf Aufmerksamkeit nutzen. Wenn das über Social-Media-Aktivitäten gelingt, dann finde ich das gut, besonders, wenn es auch für einen gewissen Imagewandel sorgen kann. Gerade in Deutschland.“
Geld und Teamverantwortung im Profi-Golf
Auf die hohen Preisgelder im Golf angesprochen, relativiert Schott: „Ich zahle meinen Caddie, Physios, Trainer, Management und weitere Personen. Golfer sind für das Einkommen eines mehrköpfigen Teams verantwortlich. Und was viele vergessen: Wenn ich den Cut verpasse, fahre ich Freitagabend nur mit einem großen Sack Spesen wieder nach Hause. Ich versteuere mein Einkommen in Deutschland. Da ist die Hälfte weg. Aber natürlich sind wir Profi-Sportler sehr privilegiert. Wenn du Erfolg hast, kannst du im Profi-Golf sehr viel Geld verdienen.“
Persönliche Ziele: Major-Sieg, Olympia und Ryder Cup
Schott äußert sich auch zu seinen sportlichen Ambitionen: „Ich liebe wirklich alles, alles, alles an den Olympischen Spielen. Aber Golf ist erst seit Rio 2016 überhaupt wieder dabei. Hat dort also nicht die größte Tradition. Ganz im Gegenteil zum Ryder Cup. Das ist das Geilste, was es gibt in unserem Sport. Für die Fans und als Spieler. Um aber eine deutsche Legende zu werden, muss ein Major-Sieg her – das wäre sportlich die persönlichste Erfüllung für mich. Und durch einen Major-Sieg würde ich die Nominierungstür für Olympia und den Ryder Cup auch automatisch aufstoßen.“
Gemeinsamer Traum mit Freundin: Olympia 2028 in Los Angeles
Einen ganz besonderen Traum teilt er mit seiner Freundin, Hockey-Nationalspielerin Lisa Nolte: „Meine Freundin und ich haben den gemeinsamen Traum, 2028 in Los Angeles zusammen ins Olympiastadion bei der Eröffnungsfeier einzulaufen. Das haben wir als gemeinsames Ziel definiert.“
Traumflight: Michael Jordan, Sebastian Vettel und Novak Djokovic
Auf die Frage nach seinem Traumflight antwortet Schott: „Mit Michael Jordan. Auch wenn LeBron James der Basketballer meiner Jugend war, für den ich nachts aufgestanden bin. Aber Jordan ist ein richtig, richtig guter Golfer. Und der zockt gerne auf dem Platz. Das wird lustig. Dann Sebastian Vettel, auch wenn er, glaube ich, gar kein Golf spielt. Aber er ist ein Formel-1-Gigant und Held meiner Jugend. Und vielleicht lässt er sich ja vom Golf-Virus anstecken. Und als Dritten nehme ich Novak Djokovic. Eine faszinierende Persönlichkeit auf und neben dem Tennisplatz.“
Freddy Schott startet bei den BMW International Open in Eichenried bei München, die ab dem 2. Juli live bei Magenta TV übertragen werden.



