Die Finanzprobleme des Zweitligisten HSG Nordhorn-Lingen haben eine juristische Kettenreaktion ausgelöst. Der Klub aus dem Emsland hatte offenbar bei seinem Lizenzantrag für die Saison 2026/27 mit geschönten Zahlen gearbeitet und aufgrund dessen im Frühjahr die Spielberechtigung ohne Auflagen erhalten. Der Lizenz-Schwindel wird die Handball-Bundesliga (HBL) mit hoher Wahrscheinlichkeit noch länger beschäftigen.
HSG Krefeld Niederrhein zieht vor Gericht
Die HSG Krefeld Niederrhein ist zwar als Tabellen-17. der abgelaufenen Saison sportlich aus der 2. Liga abgestiegen. Wäre aber als erster „Nachrücker“ weiter ein Zweitligist, wenn die Nordhorner Finanzsorgen früher bekannt geworden wären und so die Lizenzentscheidung beeinflusst worden wäre. Die Krefelder haben bereits unter anderem den bekannten Handball-Rechtler Helge-Olaf Käding aus Minden als Rechtsbeistand engagiert.
„Sollten tatsächlich bewusst herbeigeführte Unregelmäßigkeiten vorliegen und das dazu geführt haben, dass man eine Lizenz erlangt hat, die am Ende des Tages nicht zugestanden hätte werden dürfen, dann empfinden wir das natürlich als sportlich weit weg von Fairness“, stellte Krefelds Geschäftsführer André Schicks gegenüber der Plattform „handball-world“ fest.
HBL verhängt harte Auflagen gegen Nordhorn
Mittwoch musste die HSG Nordhorn-Lingen zum Rapport bei der HBL antreten. Im Ergebnis wurden die zuvor auflagenfreien Nordhorner zu drei harten Auflagen verdonnert: kurzfristiger Nachweis der Abdeckung der ermittelten Liquiditätsunterdeckung, monatliche Vorlage der Liquiditäts- und Ertragsplanungen für die gesamte Spielzeit 2026/27 sowie Begrenzung der Personalausgaben für die Saison 2026/27 mit der Maßgabe, dass weitergehende Verpflichtungen nur nach Genehmigung durch die Lizenzierungskommission möglich sind. Zudem ist der Abzug von 6 Pluspunkten für das Spieljahr 2026/27 seitens der HBL beabsichtigt.
Entlarvend ist die Feststellung der HBL in ihrer Stellungnahme: „Den Entscheidungen der Lizenzierungskommission liegt zugrunde, dass nach heutigem Kenntnisstand nicht unerhebliche Abweichungen gegenüber den im Frühjahr 2026 von dem HSG Nordhorn e. V. im Lizenzierungsverfahren für die Saison 2026/27 gemachten Angaben bestehen.“ Heißt: Im Lizenzantrag wurde mit falschen Zahlen gearbeitet.
Krefeld-Boss kündigt Gang zum Schiedsgericht an
Zu SPORT BILD sagt Krefeld-Boss Schicks: „Unsere Befürchtungen haben sich durch diese Stellungnahme leider bestätigt. Wir streben den Gang zum HBL-Schiedsgericht an.“ Diesen Schritt muss Schicks tun, denn er ist als Geschäftsführer gesetzlich dazu verpflichtet, drohende Schäden von der ihm anvertrauten GmbH abzuwenden (Geschäftsführer-Haftung).
Unter dem Nordhorner Schwindel könnte auch die TSV Burgdorf, Stammverein des Bundesligisten TSV Hannover-Burgdorf, leiden. Der in Burgdorf ab der C-Jugend ausgebildete Linkshänder war im Sommer nach Nordhorn gewechselt. Dafür müssten rund 4000 Euro Ausbildungsentschädigung von Nordhorn nach Burgdorf fließen.



