Die italienische Nationalmannschaft muss weiter auf einen neuen Cheftrainer warten. Der Deal mit Andrea Pirlo, Weltmeister von 2006 und zuvor als sicherer Nachfolger des entlassenen Gennaro Gattuso gehandelt, ist endgültig geplatzt. Der 47-Jährige erklärte auf Instagram seinen Rückzug aus dem Rennen, nachdem der italienische Fußballverband (FIGC) aufgrund seiner Werbepartnerschaft mit dem russischen Wettanbieter Fonbet die mündliche Einigung nicht bestätigt hatte.
Hintergrund des geplatzten Deals
Nach dem verpassten WM-Qualifikation und der Freistellung von Gattuso im Juni 2026 stand der italienische Verband unter Druck, schnell einen neuen Nationaltrainer zu präsentieren. Spitzenkandidaten wie Carlo Ancelotti (67) und Pep Guardiola (55) hatten bereits abgesagt. Der FIGC-Präsident Giovanni Malago (67) fokussierte sich daher auf Andrea Pirlo, der seit 2024 den Klub United FC in den Vereinigten Arabischen Emiraten trainiert. Medien wie die Gazzetta dello Sport berichteten von einer mündlichen Einigung zwischen Pirlo und dem Verband. Doch dann kamen Bedenken auf: Pirlo fungiert als Markenbotschafter des russischen Wettanbieters Fonbet – ein Umstand, der angesichts des Ukraine-Krieges und der angespannten politischen Lage politisch heikel erschien. Der FIGC entschied sich gegen eine Ernennung, da eine Zusammenarbeit mit einem russischen Unternehmen das Image der Nationalmannschaft belasten könnte.
Pirlos emotionale Stellungnahme
Am späten Sonntagabend des 27. Juli 2026 meldete sich Andrea Pirlo auf Instagram zu Wort. In einem langen Post schrieb er: „Mit großer Bitterkeit habe ich die Debatte verfolgt, die sich um meinen Namen und die Möglichkeit, das Amt des Nationaltrainers der italienischen Nationalmannschaft zu übernehmen, entfaltet hat.“ Er betonte, dass sein Werbevertrag mit Fonbet rein kommerzieller Natur sei und im Rahmen seiner Tätigkeit in den VAE zustande kam. „Die Zusammenarbeit entstand im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit in den Vereinigten Arabischen Emiraten und ist ausschließlich kommerzieller und sportlicher Natur. Dieser Zusammenarbeit eine politische Bedeutung zuzuschreiben, bedeutet, mir Überzeugungen zu unterstellen, die ich nie geäußert habe und die mir fremd sind“, so der ehemalige Mittelfeldspieler. Pirlo schloss mit den Worten: „Die Liebe zu Italien hängt nicht von einem Amt ab. Sie ist Teil meiner Geschichte, meiner Identität und wird mich immer begleiten.“
Auswirkungen auf die Trainer
Durch den geplatzten Deal steht der italienische Verband nun ohne klaren Plan da. Die Enttäuschung ist sowohl bei Pirlo als auch in der italienischen Fußballöffentlichkeit groß. Der Verband muss nun erneut die Suche aufnehmen. Präsident Malago steht unter Druck, einen erfahrenen Trainer zu finden, der nicht nur sportlich, sondern auch politisch unbelastet ist. Zumal die italienische Nationalmannschaft nach dem verpassten WM-Ticket einen Neuanfang braucht – die Qualifikation für die nächste EM 2028 steht bereits im Herbst an. Experten fordern eine schnelle Entscheidung, um die Mannschaft nicht weiter zu verunsichern.
Weitere Details zum Fall
Andrea Pirlo hat seinen Werbevertrag mit Fonbet nach eigenen Angaben nicht selbst initiiert. Vielmehr sei die Partnerschaft durch seinen Arbeitgeber United FC zustande gekommen, dessen Eigentümer der russische Milliardär Sergej Lomakin ist. Pirlo betont, dass er sich politisch nie geäußert habe und die Vorwürfe ihm schaden. Die FIGC hingegen wollte kein Risiko eingehen: „Wir haben uns nach gründlicher Prüfung gegen eine Berufung von Andrea Pirlo entschieden. Die politische Dimension war nicht zu ignorieren“, verlautete aus Verbandskreisen. Damit bleiben die Azzurri weiter ohne Chef – und die Suche geht von vorn los.



