Southampton-Spionageskandal: Eckert berichtet von Morddrohungen
Spionage-Skandal: Eckert berichtet von Morddrohungen

Der FC Southampton ist wegen eines Spionageskandals aus den Aufstiegs-Playoffs zur Premier League ausgeschlossen worden. Nun hat sich der deutsche Trainer Tonda Eckert im Interview mit dem Fachmagazin „kicker“ zu den persönlichen Folgen geäußert. Der 33-Jährige berichtet von schlaflosen Nächten, einem „permanenten Gedankenkarussell“ und massiven Drohungen gegen seine Person.

„Mir wurde empfohlen, nicht mehr selbst Auto zu fahren“

„Es gab sie. Vor allem gab es ein permanentes Gedankenkarussell. Als Cheftrainer bin ich für eine Entscheidung verantwortlich, die wir sehr bereuen“, sagte Eckert dem „kicker“. Besonders belastend sei die öffentliche Anfeindung gewesen. „Ich bin kaum in Sozialen Netzwerken aktiv, was in dieser Situation hilfreich war. Trotzdem fanden Menschen Wege, mir Drohungen zukommen zu lassen.“

Auf die Frage nach Morddrohungen antwortete Eckert: „Ja, das konnte auch nicht mehr ohne Polizei ablaufen. Ich möchte nicht auf Details eingehen, nur so viel: Mir wurde empfohlen, nicht mehr selbst zu fahren, sondern hinten im Auto zu sitzen. Das war sehr schwierig.“

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Spionage bei Trainingseinheiten – Ausschluss und Punktabzug

Hintergrund der Affäre ist ein Verstoß gegen die Regularien der English Football League (EFL). Eckert hatte eingeräumt, Mitarbeiter damit beauftragt zu haben, Trainingseinheiten von Gegnern zu beobachten. Dies ist in der EFL ausdrücklich verboten. Eine unabhängige Disziplinarkommission verhängte daraufhin eine drakonische Strafe: Southampton wurde aus den Championship-Playoffs ausgeschlossen und damit um die Chance auf den Aufstieg in die Premier League gebracht. Zusätzlich verhängte die Kommission einen Vier-Punkte-Abzug für die kommende Saison.

„Die Konsequenzen hätten für den Verein und die Mannschaft kaum härter sein können“, sagte Eckert. „Dann kommt eine öffentliche Wucht, auf die einen nichts vorbereitet.“ Der Trainer betonte, dass er die Entscheidung autorisiert habe, aber die Regelung nicht gekannt habe: „Ich wusste es nicht, nein. Ich habe es aber autorisiert, deshalb liegt die Gesamtverantwortung bei mir. Gerade in England sind in der Rolle des Managers viele Aufgaben gebündelt. Die Entscheidung war falsch und hatte riesige Folgen für Spieler, Fans und den Verein.“

FA-Anklage und mögliche Sperre

Doch die Strafe für Southampton könnte nicht das letzte Wort sein. Der englische Fußballverband FA hat Eckert persönlich angeklagt. Sollte er sich nicht erfolgreich verteidigen, droht ihm zusätzlich eine Sperre. Über den Zeitpunkt einer Anhörung oder einen möglichen Vergleich wurde zunächst nichts bekannt.

Der 33 Jahre alte Fußballlehrer aus Deutschland steht damit vor einer ungewissen Zukunft. Er hatte erst im Vorjahr den Trainerposten beim Zweitligisten übernommen und den Club in die Nähe der Aufstiegsränge geführt. Durch den Playoff-Ausschluss verpasst Southampton nun endgültig den Sprung ins Oberhaus. Eckert selbst bleibt trotz allem bei seiner Verantwortungsübernahme: „Die Konsequenzen hätten für den Verein und die Mannschaft kaum härter sein können“, wiederholte er mit Blick auf die Gesamtsituation.

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