Audi wird seinen Formel-1-Motor in der laufenden Saison nicht mehr weiterentwickeln. Das bestätigte Renndirektor Allan McNish gegenüber dem Fachportal autosport.com. Größere Neuerungen am Antriebsstrang seien erst für das kommende Jahr vorgesehen. Das deutsche Werksteam reagiert damit auf die strikte Budgetgrenze in der Formel 1, die es den Teams unmöglich macht, unbegrenzt in alle Bereiche zu investieren.
McNish erklärte, dass jedes Team abwägen müsse, wann es Updates für Chassis und Motor einführt und wofür das Geld ausgegeben wird. Wörtlich sagte er: „Jedes Team muss abwägen, wann es Updates für das Chassis und die Power Unit bringt und wofür es sein Budget einsetzt. Man kann nicht alles auf einmal ausgeben, denn dann hat man später keine Mittel mehr, um weiterzuentwickeln.“ Deshalb müssten die Ressourcen langfristig geplant werden – über mehrere Jahre hinweg, nicht nur über eine Saison.
Budgetgrenze als Taktgeber
Die Formel 1 ist seit Jahren durch eine Kostenobergrenze geprägt, die den Diskussionen über Entwicklungen eine neue Richtung gegeben hat. Jede Ausgabe für ein Update bedeutet, dass dieses Geld an anderer Stelle fehlt. Für ein neu eingestiegenes Werksteam wie Audi, das in seiner ersten Saison als Werksmannschaft antritt, ist dieser Spagat besonders herausfordernd. Die Entscheidung, den Motor bis auf Weiteres einzufrieren, spart nicht nur Geld, sondern auch wertvolle Entwicklungszeit, die nun vollständig in das Projekt für die kommenden Jahre fließen kann.
Kleines Update in Barcelona, große Schritte 2027
Beim Grand Prix von Spanien in Barcelona setzte Audi noch einmal eine kleinere Nachbesserung am Motor ein. Dieser Antrieb wird im bayerischen Neuburg an der Donau entwickelt. Nach den Worten von McNish hat diese Maßnahme „gut funktioniert und uns weitergebracht“. Größere Entwicklungsschritte sind jedoch für die Saison 2027 vorgesehen. Daran zeigt sich, dass Audi sein erstes Jahr als Werksteam vor allem als Lernphase begreift, um später mit einem grundlegend überarbeiteten Motor angreifen zu können.
Audi sammelt erste Punkte
Sportlich läuft es für Audi unterdessen besser als manche erwartet hatten. In den drei Rennen vor der Sommerpause schaffte jeweils ein Fahrer des Teams den Sprung in die Punkteränge. Nico Hülkenberg sicherte sich in Ungarn seine ersten beiden Zähler für das deutsche Werksteam überhaupt. In der Konstrukteurswertung liegt Audi derzeit auf dem achten Platz unter elf Rennställen. Damit hat das Team nicht nur einige etablierte Konkurrenten hinter sich gelassen, sondern auch gezeigt, dass die Basis für die Zukunft stimmt.
Die Zurückhaltung bei der Motorleistung könnte sich also auszahlen. Statt in der laufenden Saison jede Rennstrecke mit neuen Teilen zu versorgen, sammelt Audi Daten und Erfahrung mit dem vorhandenen Paket. Die Erkenntnisse fließen direkt in die Arbeit am neuen Konzept ein. McNish betonte: „Man muss die Erwartungen und Investitionen sorgfältig steuern – und zwar nicht nur über eine Saison hinweg, sondern über mehrere Jahre.“ Diesen Grundsatz befolgt Audi konsequent.
Langfristige Strategie im Wettbewerb
Die Konkurrenz an der Spitze der Formel 1 kämpft derweil um jeden Entwicklungsschritt und bringt oft mehrere Updates pro Saison an die Autos. Für Audi als Neuling wäre ein solcher Verschleiß nicht nur teuer, sondern auch riskant. Die eigene Taktik ist deshalb kalkulierter: Zuverlässigkeit, Daten sammeln und das Team weiter aufbauen. Wenn 2027 dann der neue Motor debütiert, will Audi bereit sein. Die ersten Punkte und der achte Platz in der Teamwertung geben dem Projekt Rückenwind, auch wenn der Rückstand auf die Spitze noch groß ist.



