Ohne Trainer: Helen Kevric hängt sich Medaille selbst um
Ohne Trainer: Kevric hängt sich Medaille selbst um

Helen Kevric hat bei den deutschen Meisterschaften im Kunstturnen in Hannover erneut zugeschlagen. Nach ihrem Sieg am Stufenbarren gewann die 18-Jährige aus Stuttgart auch am Schwebebalken die Goldmedaille. Mit 13,025 Punkten setzte sie sich knapp gegen die punktgleiche Pauline Schäfer-Betz aus Chemnitz durch. Bemerkenswert: Kevric trat ohne eigenen Trainer an – eine direkte Folge der anhaltenden Missbrauchsvorwürfe am Kunst-Turn-Zentrum Stuttgart.

Spannender Zweikampf am Balken

Die Olympia-Sechste von Tokio lieferte sich einen packenden Wettkampf mit der erfahrenen Schäfer-Betz. Beide Turnerinnen zeigten eine starke Kür, doch Kevric sicherte sich aufgrund der besseren Ausführung den Sieg. „Wir können uns auf die EM freuen. Wenn alle gesund bleiben, haben wir ein starkes Team“, sagte Trainerin Tatjana Bachmayer, die neben Kevric auch die Chemnitzer Turnerinnen betreute. Die anstehenden Europameisterschaften in Zagreb (13. bis 16. August) rücken in den Fokus.

Neben Kevric überzeugten auch andere Turnerinnen: Doppel-Europameisterin Karina Schönmaier war am Sprung und am Boden jeweils die Beste, während die neue Mehrkampf-Meisterin Silja Stöhr aus Heddesheim an drei weiteren Geräten Medaillen gewann. Die Stimmung in der ausverkauften Halle war hervorragend.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Medaille ohne Trainer: Eine ungewöhnliche Zeremonie

Da Kevric seit den Missbrauchsvorwürfen im Trainingszentrum Stuttgart mit wechselnden Betreuern nicht zurechtkam und in Hannover ohne Coach antrat, musste sie sich ihre Goldmedaille am Stufenbarren selbst um den Hals hängen. Während andere Athletinnen ihre Medaillen von ihren Heimtrainern überreicht bekamen, blieb Kevric dieser Moment verwehrt. „Klar wäre es für mich schöner, wenn ich einen Trainer hier hätte, der mir die Medaillen übergibt. Aber ich habe es hierher geschafft. Also kann ich mir die Medaille auch selber übergeben, solange ich keinen habe, der sie mir übergeben kann“, meinte Kevric nach dem Wettkampf. Ihr starkes Auftreten trotz der schwierigen persönlichen Situation beeindruckte Zuschauer und Fachwelt gleichermaßen.

EM-Qualifikation und Fernduell mit Varfolomeev

Für die Turnerinnen steht am kommenden Wochenende die finale Qualifikation für die EM an. Erst dann wird Bundestrainer Gerben Wiersma die fünf Starterinnen nominieren. Parallel zu den Kunstturnerinnen bereiten sich auch die rhythmischen Gymnastinnen auf die Heim-WM in Frankfurt vor. Olympiasiegerin Darja Varfolomeev gewann bei den Finals am Samstag den Mehrkampf, zeigte sich aber nicht vollends zufrieden. „Es gab Fehler bei Reifen und Keule. Darauf müssen wir ein bisschen mehr achten und daran arbeiten“, sagte Varfolomeev. Die 19-Jährige startet in Frankfurt an allen vier Geräten, begleitet von Lada Pusch (Reifen, Ball, Keulen) und Anastasia Simakova (Band). Die Vorfreude auf die Wettkämpfe ist groß – für Kevric und Varfolomeev geht es um internationale Podestplätze.

Kevric selbst blickt trotz der widrigen Umstände optimistisch nach vorne: Die Abwesenheit eines festen Trainers scheint sie nicht zu bremsen. Ihr Erfolg bei den Meisterschaften ohne direkte Betreuung unterstreicht ihr außergewöhnliches Talent und ihre mentale Stärke. Beim Bundestrainer steht sie in engem Austausch, und die Einsatzbereitschaft von Bachmayer zeigt, dass das Team zusammenhält. Die Konkurrenz in Europa ist groß, doch mit dieser Leistung hat Kevric eindrucksvoll bewiesen, dass sie zu den Medaillenkandidatinnen gehört.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration